Minaret de Philippe Suchard

Ansicht von Minarett und Haus, 2023

Mit «Minaret de Philippe Suchard» (deutsch Minarett des Philippe Suchard) wird das Wohnhaus des Schokoladenfabrikanten Suchard in Neuenburg (französisch Neuchâtel) in der Schweiz bezeichnet. Es wurde 1868 erbaut und ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im orientalischen Stil.

Lage

Das Bauwerk liegt in der Häuserzeile der Altstadt («Rue Guillaume Farel 11») von Serrières, einem Arbeiterquartier von Neuenburg. Schräg gegenüber stehen mit Pfarrhaus und reformierter Kirche (Temple de Serrières) zwei weitere Gebäude unter Kulturgüterschutz. Hinter der Kirche erhebt sich mit der Moulin de la Voûte (Gewölbemühle) ein ehemaliges Gebäude der Fabrik Suchard aus der Schlucht der Serrière.

Geschichte

Der Industrielle Philippe Suchard (1797–1883) gilt auch als ein grosser Reiseliebhaber. Er bereiste mehrfach die Vereinigten Staaten und 1864 und 1865 den Mittelmeerraum sowie den Orient. Im Alter von 76 Jahren unternahm er eine fünfmonatige Weltreise. Er beauftragte den Architekten Louis-Daniel Perrier mit dem Entwurf eines exotischen Dachzimmers seines Wohnhauses. Perrier entwarf ebenfalls die maurische Umrandung eines Brunnens in der «Rue des Usines» in der Schlucht. Die gegenüberliegende grosse, «L’Orientale» genannte Fabrik im selben Stil wurde 1890 in der «Rue des Usines 16» errichtet und 1957 durch ein Feuer zerstört.

Die Errichtung des ungewöhnlichen Aufbaus löste keine Kontroversen aus, auch wenn vereinzelt behauptet wurde, Suchard sei zum Islam übergetreten, wofür es laut Historikern keine archivalischen Beweise gibt. Das Interesse an dieser Frage ist heute vor dem Hintergrund der «Minarett-Initiative» von 2009 zu sehen. Allerdings war Suchard nicht der einzige Bauherr im Kanton, der orientalisch bauen liess. Henri de Pourtalès-Gorgier liess 1859 am Château de Gorgier eine maurische Veranda anbauen und das Frauenbad Bains des dames de l’Evole wurde ebenfalls mit orientalischen Stilelementen versehen. Das Gebäude mit dem Minarett ging nach dem Tod Suchards auf dessen Enkel Hermann Russ über. Um 1950 sollte es abgerissen werden, diente dann aber wechselnden Besitzern, die hauptsächlich Bauunternehmer waren, zeitweise als provisorische Unterkunft für deren Bauarbeiter. In den 1990er Jahren erwarb Laurent Nebel das Gebäude. Er besass durch Reisen, unter anderem nach Afghanistan, eine besondere Affinität zur islamischen Architektur. Nebel liess das orientalisch ausgemalte Innere der Kuppel freilegen und restaurieren und isolierte sie gegen Wasserschäden. Er unternahm auch die nötigen Anstrengungen, um das Gebäude unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Das Innere des Gebäudes ist nicht öffentlich zugänglich.

Beschreibung

Zeichnung des Architekten, 1868

Das Dachzimmer ist nicht rechteckig, da die Fassade des Hauses dem Strassenverlauf folgt. Es trägt in der Mitte eine Kuppel und wird an den vier Ecken von runden Säulen geprägt. Die Säule an der Südostecke ist höher und als Minarett mit einem umlaufenden Geländer ausgebildet. Die weissen Säulen und das Minarett werden von goldenen Kuppeln mit Halbmonden gekrönt. Das Dachzimmer ist «ein kleines persönliches Kabinett mit orientalisch anmutenden Malereien». Der Eingang des Hauses ist im maurischen Stil gestaltet.

Siehe auch

Literatur

Commons: Minaret de Philippe Suchard – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Ein Hauch von Orient inmitten von Schokolade-Dünsten. In: Neuchâtel-Serrières – Rund um das Erbe von Suchard. (PDF; 8,1 MB, dreisprachig), abgerufen am 11. November 2023. S. 16–17, 8–9.
  2. 1 2 3 Alexandre Bardet: Les goûts orientaux de Philippe Suchard : le minaret de Serrières. In: Pays de Neuchâtel insolite et secret (= Caroline Calame [Hrsg.]: Nouvelle Revue neuchateloise. Nr. 119-120/30). La Chaux-de-Fonds 2013, S. 102 ff.

Koordinaten: 46° 58′ 55,9″ N, 6° 54′ 12,3″ O; CH1903: 559281 / 203598