Phyllis Fox

Phyllis Ann Fox (* 13. März 1923 in Denver, USA; † 23. Mai 2017) war eine US-amerikanische Informatikerin und Mathematikerin.

Leben

Phyllis Fox wurde im Bundesstaat Colorado in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren. Nach der öffentlichen Grundschule in Denver besuchte sie das Wellesley College in Massachusetts, wo sie einen Abschluss in Mathematik machte. Ab 1948 studierte sie Elektrotechnik an der Universität Colorado und wechselte dann zum Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort schloss sie ihr Studium mit dem Master of Science und dem Doktor der Mathematik ab. Ihre Dissertation schrieb sie „Über die Verwendung von Koordinatenstörungen bei der Lösung physikalischer Probleme“ (On the use of coordinate perturbations in the solution of physical problems) bei Chia-Chiao Lin.

Im Jahr 1958 heiratete sie George Sternlieb, bekam 1960 und 1962 zwei Söhne und begleitete ihren Mann 1963 nach New Jersey.

Berufliche Laufbahn

Nach ihrem Abschluss zum Bachelor im Jahr 1944 war sie zwei Jahre lang bei General Electric, zuerst als technische Assistentin, die Zahlenkolonnen addierte, dann am Projekt Differentialanalysator zur Lösung Gewöhnlicher Differentialgleichungen.

Während ihres Studiums am MIT arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Whirlwind-Team am noch unvollendeten Computer. Sie erweiterte seinen Befehlsvorrat, sodass das Programmieren von Schleifen (Loops) möglich wurde. Innerhalb von nur einem Jahr erreichte sie den Abschluss zum Master of Science. Zu diesem Zeitpunkt war sie eine von 60 Frauen von den 6000 Studenten an der Universität. Nach ihrer Dissertation wechselte sie zur Universität New York und arbeitete an Projekten für die US Atom-Energie-Kommission an der Lösung Partieller Differentialgleichungen auf einer neu erworbenen UNIVAC. In dieser Zeit wurde auch die Programmiersprache Fortran entwickelt und Fox lehrte dies neben dem Programmieren in Assembler.

Nach ihrer Hochzeit ging sie im Jahr 1958 mit ihrem Mann zurück nach Boston an das MIT. Im Team von Jay Wright Forrester beschäftigte sie sich mit der Simulationssprache Dynamo und mit John McCarthy entwickelte sie den ersten Lisp-Interpreter. Zu diesem schrieb sie 1960 die Version 1 des Handbuchs. In diese Zeit fiel auch die Umstellung der Computer-Bedienung. Waren bisher die Wissenschaftler für alle Arbeiten an den Computern zuständig, so entstanden nun die Großrechner wie IBM 704, wo Lochkartenstapel von den Operateuren über Nacht abgearbeitet wurden (closed job). Bei den Wissenschaftlern beliebter waren Minicomputer wie PDP-1, die einen direkten Zugang zu den Rechnern ermöglichten.

Als ihr Mann eine Anstellung als Außerordentlicher Professor an der Universität New Jersey in Newark erhielt, folgte sie ihm an die dortige Technische Hochschule. Sie bekam eine Anstellung als Assistentin des stellvertretenden Direktors des Rechenzentrums mit einer eigenen Sekretärin. Ihre Aufgabe war der Betrieb einer IBM 1620. Im Jahr 1971 wurde sie dort Ordentliche Professorin.

Zwei Jahre später wechselte sie zu Bell Laboratories. Hier war sie für die Erstellung der mathematischen Softwarebibliothek PORT verantwortlich. Diese ermöglichte die Portabilität von Software-Programmen. Unter der Mitwirkung von Norm Schryer, Linda Kaufman, Jim Blue, Wayne Fullerton, David Gay, Andy Hall, Wes Petersen, Stu Feldman und Barbara Ryder entstanden zwei erweiterte Versionen von PORT, ehe sie 1984 Bell verließ. Bis 1993 war sie als Beraterin von Bell Communications Research tätig.

Tabellarischer Lebenslauf

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Alumnae Memorials. Wellesley Magazine, 2017, abgerufen am 30. März 2023 (englisch).
  2. ↑ Phyllis Ann Fox, MIT 1954 – Women Becoming Mathematicians. Abgerufen am 24. November 2020 (amerikanisches Englisch).
  3. ↑ Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 2–3, abgerufen am 24. November 2020.
  4. ↑ Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 26, 32, abgerufen am 24. November 2020.
  5. ↑ Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 7–8, abgerufen am 24. November 2020.
  6. ↑ Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 13–14, abgerufen am 24. November 2020.
  7. ↑ Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 22–23, 25, abgerufen am 24. November 2020.
  8. ↑ DYNAMO - Mathematical software - swMATH. Abgerufen am 16. Dezember 2020.
  9. ↑ LISPProgrammers Manual. (PDF) 17. August 1962, S. III, abgerufen am 16. Dezember 2020.
  10. ↑ Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 26–30, abgerufen am 24. November 2020.
  11. 1 2 Thomas Haigh: An interview with Phyllis A. Fox. (PDF) Computer History Museum, Mountain View, California, 8. Juni 2005, S. 31–33, 39, abgerufen am 24. November 2020.
  12. ↑ Phyllis Fox: Lebenslauf. (PDF) Mai 1984, abgerufen am 24. November 2020.
Personendaten
NAME Fox, Phyllis
ALTERNATIVNAMEN Fox, Phyllis Ann
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Informatikerin und Mathematikerin
GEBURTSDATUM 13. März 1923
GEBURTSORT Denver, Colorado, USA
STERBEDATUM 23. Mai 2017