Phyromachos

Phyromachos (altgriechisch Φυρόμαχος) war ein attischer Bildhauer des 2. Jahrhunderts v. Chr. In einer Liste auf einem Papyrus aus der Zeit um 100 v. Chr. erscheint er als der letzte der sieben größten griechischen Bildhauer gemeinsam mit Myron, Phidias, Polyklet, Skopas, Praxiteles und Lysipp.

Die Informationen zu Phyromachos sind sehr spärlich. Anhand der schriftlichen und archäologischen Quellen lässt sich zumindest die Existenz eines bedeutenden Bildhauers zur Zeit der Attaliden belegen. Plinius nennt ihn neben anderen Bildhauern als Schöpfer der monumenta Attalidium, ohne jedoch die einzelnen Werke zuzuordnen. Klar ist jedoch, dass es sich um ein Siegesmonument gehandelt haben muss, das laut Plinius die Kämpfe eines der pergamenischen Herrscher gegen die kleinasiatischen Galater verherrlichte. Darüber hinaus war Phyromachos der Schöpfer einer berühmten Kultstatue des Gottes Asklepios, die vor 156 v. Chr. fertiggestellt wurde. Der zeitgenössische Historiker Polybios überliefert, dass die Statue im Jahr 155 v. Chr. von den Truppen des Königs Prusias II. von Bithynien aus dem außerstädtischen Heiligtum des Gottes geraubt wurde (Polybios 32, 15, 1–5). Bei dem entwendeten Kultbild habe es sich demnach ausdrücklich um "eine meisterhafte Schöpfung des Phyromachos" gehandelt. Eine Inschrift aus Ostia bezeichnet Phyromachos schließlich als Schöpfer eines mehrfach kopierten Porträts von Antisthenes, das auf einem älteren Kunstwerk beruhte.

Durch die Studien Bernard Andreaes wird in der Forschung teilweise angenommen, dass Phyromachos der führende und stilbildende pergamenische Künstler im zweiten Viertel des 2. Jahrhunderts v. Chr. war. Sein Verhältnis zum Pergamonaltar ist unklar:

"Phyromachos wirkte also in Pergamon und zwar so gut wie sicher in der Zeit, in der die Arbeiten am großen Altarfries in vollem Gange waren. Wer nun wem über die Schulter geschaut hat, die Altarbildhauer dem Phyromachos oder dieser jenen, oder ob es nicht eher ein gegenseitiges Nehmen und Geben an einem künstlerisch florierenden Ort war, das zu entscheiden bleibt der Phantasie überlassen."

Andreae weist ihm neben den genannten Werken noch andere weniger bedeutende Werke zu, etwa die Darstellung eines Giganten (heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel). Andere Forscher, etwa Nikolaus Himmelmann, widersprechen Andreae zumindest in Teilen. Ein weiteres Problem ist die unklare Schaffenszeit des Bildhauers. Manche Archäologen datieren ihn noch ins 3. Jahrhundert v. Chr. oder glauben an eine Vermischung mehrerer Personen. So könnte ein für den Zeitraum zwischen 296 und 292 v. Chr. bei Plinius erwähnter und durch Inschriften bekannter Phyromachos Vater des Bildhauers Asklapon sein. Dieser Phyromachos muss um 220 v. Chr. tätig gewesen sein. Andere Inschriften nennen einen Phyromachos, der mit dem Bildhauer Nikeratos in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. zusammen auf Delos und in Kyzikos arbeitete.

Literatur

Belege

  1. ↑ Sascha Kantsteiner – Lauri Lehmann: Der Neue Oberbeck. Band 4. de Gruyter, Berlin 2014, S. 351 f. Nr. 3152.
  2. ↑ Plinius, Naturalis historia 34, 84.
  3. ↑ Der Neue Oberbeck. Band 4. de Gruyter, Berlin 2014, S. 348 f. Nr. 3146.
  4. ↑ B. Andreae: Schönheit des Realismus. Zabern, Mainz 1998, S. 160.
  5. ↑ B. Andreae: Der Asklepios des Phyromachos. In: B. Andreae (Hrsg.): Phyromachos-Probleme. von Zabern, Mainz 1990, S. 93.
  6. ↑ N. Himmelmann: Antisthenes. In: B. Andreae (Hrsg.): Phyromachos-Probleme. von Wabern, Mainz 1990, S. 13–25.
  7. ↑ Plinius, Naturalis historia 34, 51.
Personendaten
NAME Phyromachos
KURZBESCHREIBUNG attischer Bildhauer
GEBURTSDATUM 3. Jahrhundert v. Chr. oder 2. Jahrhundert v. Chr.
STERBEDATUM 2. Jahrhundert v. Chr.