| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| Q87.0 | Angeborene Fehlbildungssyndrome mit vorwiegender Beteiligung des Gesichtes |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| LA56 | Pierre-Robin-Syndrom |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Die Pierre-Robin-Sequenz (auch Pierre-Robin-Syndrom oder Robin-Syndrom, da Pierre der Vorname) ist eine angeborene Fehlbildung beim Menschen. Sie ist nach ihrem Erstbeschreiber (1923) benannt, dem Pariser Zahnarzt Pierre Robin (1867–1950).
Sie ist charakterisiert durch drei Symptome
Ferner finden sich:
Die Erkrankung entsteht durch eine embryonale Entwicklungsstörung. Die Ursache (Ätiologie) und Entstehung (Pathogenese) der Krankheit sind nicht vollständig geklärt. Es wurden ein gehäuftes familiäres Vorkommen sowie chromosomale Veränderungen beobachtet.
Es gibt äußere Ursachen, wie teratogene Substanzen, wie Vitamin-A-Überdosierung, Rauchen der Mutter in der Schwangerschaft, Alkoholmissbrauch, Krankheiten der Mutter während der Schwangerschaft (bakterielle oder virale Erkrankungen), die zur Pierre-Robin-Sequenz beitragen.
Rein mechanisch wirkenden Faktoren wie Fruchtwassermangel oder ungewöhnliche Kopfhaltung des Embryos werden ebenfalls für die Pierre-Robin-Sequenz verantwortlich gemacht. Es gibt unterschiedliche Auffassungen über die primäre Ursache.
Eine Erklärung nimmt an, dass durch den verkleinerten Unterkiefer die Zunge nach hinten und nach oben gedrängt wird. Dadurch soll das Verschmelzen der Gaumenfortsätze des linken und des rechten Oberkieferwulstes während der Embryonalentwicklung verhindert werden und eine Gaumenspalte entstehen.
Eine andere Erklärung sieht die primäre Ursache in einer Störung der Zungenentwicklung. Die verzögerte Zungenentwicklung verhindert die Streckung des Unterkiefers und bewirkt die Mikrogenie.
Die Auftrittshäufigkeit ist niedrig und liegt ungefähr bei einem Kind unter 8.000 bis 30.000 Geburten, je nachdem, ob man übergeordnete Syndrome wie das seltene Carey-Fineman-Ziter-Syndrom mit einbezieht. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen (=Gynäkotropie). Das Verhältnis Mädchen zu Jungen ist ungefähr 3:2.
Eine Pierre-Robin-Sequenz kann vielfache Auswirkungen haben:
Hinsichtlich der Gaumenspalte siehe ausführliche Beschreibung in Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Zusätzlich sind sinnvoll:
Die Pierre-Robin-Sequenz kann in Verbindung mit anderen Fehlbildungen auftreten:
Sie ist ein wesentliches Merkmal beim TARP-Syndrom.