Das Pisa-Syndrom (Pleurothotonus, englisch Pisa syndrome) bezeichnet in der Neurologie eine unwillkürlich auftretende, seitwärtsgeneigte (also schiefe) Körperhaltung. Benannt ist es nach dem schiefen Turm von Pisa. In vielen Publikationen wird das Pisa-Syndrom als Rumpfdystonie eingeordnet.
Es handelt sich um eine Lateralflexion (Seitwärtsneigung) des Rumpfes, verbunden mit einer oft rückwärts geneigten Rotation (Drehung) der Wirbelsäule, auch des Nackens und des Kopfes. Auftreten nach langem Sitzen, beim Stehen und Gehen. Bei einem asymmetrischen Parkinson-Syndrom ist häufig die von der Grunderkrankung weniger befallene Seite durch den Pleurothotonus betroffen.
Im EMG (Elektromyogramm) kann eine Hyperaktivität (vermehrte Aktivität) in der paravertebralen Muskulatur (neben der Wirbelsäule gelegene Muskeln) und dem Muskulus obliquus abdominis festgestellt werden. Die meisten Patienten nehmen das Syndrom nicht oder kaum wahr, können dadurch aber auch sehr gestört sein.

Die Haltungsanomalie ist keine eigenständige Erkrankung, sondern Teil anderer Erkrankungen besonders bei alten Menschen. Sie tritt bei neurodegenerativen Erkrankungen auf, z. B. der Multisystematrophie. Am häufigsten wird das Syndrom bei Patienten mit Parkinson-Krankheit und dopaminerger Medikation beschrieben. Als selten wird das Syndrom als Nebenwirkung bei Cholesteraseinhibitoren angegeben (nach Absetzen der Antidementiva reversibel).
Diskutiert werden axiale Dystonie, einseitige vestibuläre Störung, Störung der subjektiven visuellen Vertikalen, cognitive Störung.
Das Pisa-Syndrom wurde erstmals von Karl Axel Ekbom, einem schwedischen Neurologen, in den frühen 1990er Jahren beschrieben und zwar bei drei weiblichen älteren Patienten mit Demenz. Alle diese Patienten wurden mit Melperon, Haloperidol, oder einer Kombination der beiden Medikamente behandelt.
Bei Auslösung des Syndroms durch (oft langfristig eingesetzte) Antipsychotika (Neuroleptika) sollte eine Dosisreduktion versucht werden. Zudem können anticholinerg wirksame Medikamente verordnet werden. Botulinustoxin wird als effektiv angegeben. Ebenfalls kann Physiotherapie (Krankengymnastik) verordnet werden.