Johann Baptist Pitschaft (* 3. März 1786 in Mainz; † 12. August 1870 in München), mitunter irrig Pittschaft, war ein hessischer Richter und liberaler Politiker. 1848 war er Mitglied des Frankfurter Vorparlaments. Er ist nicht zu verwechseln mit seinem Bruder, dem Arzt und Amtsphysikus in Baden Johann August Pitschaft (1783–1848).
Johann Baptist Pitschaft (dem mitunter auch die Vornamen seines älteren Bruders Jakob Adolf zugeschrieben werden) war ein Sohn des kurmainzischen Hofkammerrates Georg Joseph Pitschaft (um 1747–1810) und dessen Ehefrau Kunigunde, geborene Fritsch. Er wurde katholisch getauft und besuchte das Mainzer Gymnasium.
Pitschaft studierte von 1803 bis 1807 in Aschaffenburg, Würzburg und Heidelberg Rechtswissenschaften, unter anderem bei den Professoren Gottlieb Hufeland und Anton Friedrich Justus Thibaut. Um seine Aussichten auf eine Anstellung in der Franzosenzeit zu verbessern, schloss er von 1807 bis 1811 ein Studium in Paris an. Beim Examen erhielt er in Anerkennung seiner Leistung von allen Prüfern weiße Kugeln. In Paris leistete er auch seinen Praktikum (stage) ab und plädierte vor dem Tribunal erster Instanz.
Am 11. April 1811 ließ er gemeinsam mit seinen Brüdern die Bildersammlung seines verstorbenen Vaters in Paris versteigern. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland heiratete Pitschaft am 5. Februar 1812 Maria Magdalena, geb. Umpfenbach (* 26. November 1793 in Mainz; † 25. Mai 1865 ebenda).
1814 wurde er Substitut des Staatsprokurators beim Tribunal des Arrondissements de Spire (Speyer) in Zweibrücken. Eine Beförderung an das Bezirksgericht in Zweibrücken lehnte Pitschaft ab und wurde 1816 Generaladvokat beim obersten Gerichtshof der rheinhessischen Provinz in Mainz. 1818 wurde er Gerichtsrat; 1827 Vizepräsident und 1840 Präsident des Obergerichtshofs und damit Chef der Magistratur der Provinz Rheinhessen. In dieser Eigenschaft leitete er den Dombau, regelte die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde und vertrat gegenüber der Bundesversammlung erfolgreich die Interessen des 1781 gegründeten Stiftungsfonds der Mainzer Universität, auf dessen Liegenschaften ein großer Teil der Bundestruppen stationiert waren.
Von 1829 bis 1830 gehörte er der Zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen an. Er wurde für den Wahlbezirk Stadt Worms gewählt. 1848 war er Deputierter für Mainz im Frankfurter Vorparlament und stimmte in der zweiten Sitzung für dessen Permanenz. Hier lieferte er unter anderem einen Redebeitrag zur Bestimmung des Wahlalters für die Frankfurter Nationalversammlung.
Pitschaft war Mitglied des Mainzer Gemeinderats und der Liedertafel. 1823 gehörte er zu den 21 Gründungsmitgliedern des Mainzer Vereins für Literatur und Kunst, dessen Vorsitz er fünf Jahre innehatte. Von 1831 bis 1837 amtierte er als Präsident der Kommission zur Errichtung eines Denkmals für Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, den Erfinder des modernen Buchdrucks, gewann dafür durch Vermittlung von Eduard Heuss den Bildhauer Bertel Thorvaldsen und hielt bei der Enthüllung die Festrede.
1864 erlitt er einen Schlaganfall und war seitdem halbseitig gelähmt. 1866 zog er nach München um, wo er auch verstarb. Er wurde in Mainz an der Seite seiner Ehefrau beigesetzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pitschaft, Johann Baptist |
| ALTERNATIVNAMEN | Pittschaft, Johann Baptist |
| KURZBESCHREIBUNG | Landtagsabgeordneter Großherzogtum Hessen |
| GEBURTSDATUM | 3. März 1786 |
| GEBURTSORT | Mainz |
| STERBEDATUM | 12. August 1870 |
| STERBEORT | München |