Poisson-Gleichung
Die Poisson-Gleichung lautet allgemein
−
Δ
u
=
f
{\displaystyle -\Delta u=f}
Dabei bezeichnet
Δ
{\displaystyle \Delta }
den Laplace-Operator
u
{\displaystyle u}
die gesuchte Lösung
f
{\displaystyle f}
eine Funktion. Ist
f
≡
0
{\displaystyle f\equiv 0}
, so wird die Gleichung zur Laplace-Gleichung .
Um die Poisson-Gleichung zu lösen, müssen noch weitere Informationen gegeben sein, z. B. in Form einer Dirichlet-Randbedingung :
{
−
Δ
u
=
f
in
Ω
u
=
g
auf
∂
Ω
{\displaystyle {\begin{cases}-\Delta u&=f&{\text{in}}&\Omega \\\quad u&=g&{\text{auf}}&\partial \Omega \end{cases}}}
mit
Ω
⊂
R
n
{\displaystyle \Omega \subset \mathbb {R} ^{n}}
offen und beschränkt.
In diesem Fall konstruiert man eine Lösung mithilfe der Fundamentallösung
Φ
{\displaystyle \Phi }
der Laplace-Gleichung:
Φ
(
x
)
:=
{
−
1
2
π
ln
|
x
|
n
=
2
1
(
n
−
2
)
ω
n
⋅
1
|
x
|
n
−
2
n
≥
3
{\displaystyle \Phi (x):={\begin{cases}-{\dfrac {1}{2\pi }}\ln |x|&n=2\\{\dfrac {1}{(n-2)\omega _{n}}}\cdot {\dfrac {1}{|x|^{n-2}}}&n\geq 3\end{cases}}}
Dabei bezeichnet
ω
n
=
2
π
n
2
Γ
(
n
2
)
{\displaystyle \omega _{n}={\tfrac {2\pi ^{\frac {n}{2}}}{\Gamma ({\frac {n}{2}})}}}
den Flächeninhalt der Einheitssphäre im
n
{\displaystyle n}
-dimensionalen euklidischen Raum .
Durch die Faltung
(
Φ
∗
f
)
{\displaystyle (\Phi *f)}
erhält man eine Lösung der Poisson-Gleichung.
Um auch die Randwertbedingung zu erfüllen, kann man die greensche Funktion verwenden
G
(
x
,
y
)
:=
Φ
(
y
−
x
)
−
ϕ
x
(
y
)
{\displaystyle G(x,y):=\Phi (y-x)-\phi ^{x}(y)}
ϕ
x
{\displaystyle \phi ^{x}}
ist dabei eine Korrekturfunktion, die
{
Δ
ϕ
x
=
0
in
Ω
ϕ
x
=
Φ
(
y
−
x
)
auf
∂
Ω
{\displaystyle {\begin{cases}\Delta \phi ^{x}=0&{\text{in}}\ \Omega \\\phi ^{x}=\Phi (y-x)&{\text{auf}}\ \partial \Omega \end{cases}}}
erfüllt. Sie ist im Allgemeinen von
Ω
{\displaystyle \Omega }
abhängig und nur für einfache Gebiete leicht zu finden.
Kennt man
G
(
x
,
y
)
{\displaystyle G(x,y)}
, so ist eine Lösung des Randwertproblems von oben gegeben durch
u
(
x
)
=
−
∫
∂
Ω
g
(
y
)
∂
G
(
x
,
y
)
∂
n
d
σ
(
y
)
+
∫
Ω
f
(
y
)
G
(
x
,
y
)
d
y
{\displaystyle u(x)=-\int _{\partial \Omega }g(y){\frac {\partial G(x,y)}{\partial n}}\mathrm {d} \sigma (y)+\int _{\Omega }f(y)G(x,y)\mathrm {d} y}
wobei
σ
{\displaystyle \sigma }
das Oberflächenmaß auf
∂
Ω
{\displaystyle \partial \Omega }
bezeichne.
Die Lösung kann man auch mithilfe des Perron-Verfahrens oder mittels Variationsrechnung finden.
Anwendungen in der Physik
Der Poisson-Gleichung
Δ
Φ
(
r
)
=
f
(
r
)
{\displaystyle \Delta \Phi (\mathbf {r} )=f(\mathbf {r} )}
genügen beispielsweise das elektrostatische Potential und das Gravitationspotential , jeweils mit Formelzeichen
Φ
{\displaystyle \Phi }
. Dabei ist die Funktion
f
{\displaystyle f}
proportional zur elektrischen Ladungsdichte bzw. zur Massendichte
ρ
(
r
)
.
{\displaystyle \rho (\mathbf {r} ).}
Ist
f
(
r
)
{\displaystyle f(\mathbf {r} )}
überall bekannt, so ist die allgemeine Lösung der Poisson-Gleichung, die für große Abstände gegen Null geht, das Integral
Φ
(
r
)
=
−
1
4
π
∫
d
3
r
′
f
(
r
′
)
|
r
−
r
′
|
{\displaystyle \Phi (\mathbf {r} )=-{\frac {1}{4\,\pi }}\int \mathrm {d} ^{3}r'\,{\frac {f(\mathbf {r} ')}{|\mathbf {r} -\mathbf {r} '|}}}
.
In Worten: jede Ladung
d
3
r
′
f
(
r
′
)
{\displaystyle \mathrm {d} ^{3}r'\,f(\mathbf {r} ')}
am Ort
r
′
{\displaystyle \mathbf {r} '}
im
kleinen Gebiet der Größe
d
3
r
′
{\displaystyle \mathrm {d} ^{3}r'}
trägt additiv bei zum Potential
Φ
{\displaystyle \Phi }
am Ort
r
{\displaystyle \mathbf {r} }
mit ihrem elektrostatischen oder Gravitationspotential:
−
d
3
r
′
f
(
r
′
)
4
π
|
r
−
r
′
|
{\displaystyle -{\frac {\mathrm {d} ^{3}r'\,f(\mathbf {r} ')}{4\,\pi \,|\mathbf {r} -\mathbf {r} '|}}}
Elektrostatik
Da das elektrostatische Feld ein konservatives Feld ist, kann es über den Gradienten
∇
→
Φ
{\displaystyle {\vec {\nabla }}\Phi }
eines Potentials
Φ
(
r
)
{\displaystyle \Phi (\mathbf {r} )}
ausgedrückt werden:
E
(
r
)
=
−
∇
→
Φ
(
r
)
.
{\displaystyle \mathbf {E} (\mathbf {r} )=-{\vec {\nabla }}\Phi (\mathbf {r} ).}
Mit Anwendung der Divergenz ergibt sich
∇
→
⋅
E
(
r
)
=
−
Δ
Φ
(
r
)
{\displaystyle {\vec {\nabla }}\cdot \mathbf {E} (\mathbf {r} )=-\Delta \Phi (\mathbf {r} )}
mit dem Laplace-Operator
Δ
{\displaystyle \Delta }
.
Gemäß der ersten Maxwellgleichung gilt jedoch auch
∇
→
⋅
E
(
r
)
=
ρ
(
r
)
ε
{\displaystyle {\vec {\nabla }}\cdot \mathbf {E} (\mathbf {r} )={\frac {\rho (\mathbf {r} )}{\varepsilon }}}
mit
der Ladungsdichte
ρ
(
r
)
{\displaystyle \rho (\mathbf {r} )}
der Permittivität
ε
=
ε
r
⋅
ε
0
{\displaystyle \varepsilon =\varepsilon _{\mathrm {r} }\cdot \varepsilon _{0}}
.
Damit folgt für die Poisson-Gleichung des elektrischen Feldes
Δ
Φ
(
r
)
=
−
ρ
(
r
)
ε
{\displaystyle \Delta \Phi (\mathbf {r} )=-{\frac {\rho (\mathbf {r} )}{\varepsilon }}}
Der Spezialfall
ρ
(
r
)
=
0
{\displaystyle \rho (\mathbf {r} )=0}
für jeden Ort im betrachteten Gebiet wird als Laplace-Gleichung der Elektrostatik bezeichnet.
Elektrodynamik stationärer Ströme
Als Beispiel wird hier der Emitter einer Silizium-Solarzelle betrachtet, der in guter Näherung als rein zweidimensional beschrieben werden kann. Der Emitter befinde sich in der x-y-Ebene, die z-Achse zeige in die Basis hinein. Die laterale Flächenstromdichte
j
(
x
,
y
)
{\displaystyle \mathbf {j} (x,y)}
im Emitter hängt von der am Emitter auftretenden z-Komponente der (Volumen-)Stromdichte
J
z
(
x
,
y
,
z
=
0
)
{\displaystyle J_{z}(x,y,z=0)}
der Basis ab, was durch die Kontinuitätsgleichung in der Form
∇
→
2
⋅
j
(
x
,
y
)
=
−
J
z
(
x
,
y
,
z
=
0
)
{\displaystyle {\vec {\nabla }}_{2}\cdot \mathbf {j} (x,y)=-J_{z}(x,y,z=0)}
beschrieben werden kann (mit dem zweidimensionalen Nabla-Operator
∇
→
2
{\displaystyle {\vec {\nabla }}_{2}}
). Die Flächenstromdichte hängt über das lokale ohmsche Gesetz mit dem lateralen elektrischen Feld im Emitter zusammen:
j
(
x
,
y
)
=
R
◻
−
1
E
(
x
,
y
)
{\displaystyle \mathbf {j} (x,y)=R_{\Box }^{-1}\mathbf {E} (x,y)}
; hier ist
R
◻
{\displaystyle R_{\Box }}
der als homogen angenommene spezifische Flächenwiderstand des Emitters. Schreibt man (wie im Abschnitt zur Elektrostatik diskutiert) das elektrische Feld als Gradient des elektrischen Potentials,
E
(
x
,
y
)
=
−
∇
→
2
Φ
(
x
,
y
)
{\displaystyle \mathbf {E} (x,y)=-{\vec {\nabla }}_{2}\Phi (x,y)}
, so erhält man für die Potentialverteilung im Emitter eine Poisson-Gleichung in der Form
Δ
2
Φ
(
x
,
y
)
=
R
◻
J
z
(
x
,
y
,
z
=
0
)
.
{\displaystyle \Delta _{2}\Phi (x,y)=R_{\Box }J_{z}(x,y,z=0).}
Gravitation
Ebenso wie das elektrostatische Feld
E
(
r
)
=
1
4
π
ε
∫
ρ
e
l
(
r
′
)
r
−
r
′
|
r
−
r
′
|
3
d
x
′
d
y
′
d
z
′
=
−
∇
→
Φ
e
l
(
r
)
{\displaystyle \mathbf {E} (\mathbf {r} )={\frac {1}{4\pi \varepsilon }}\int \rho _{\mathrm {el} }\left(\mathbf {r} '\right){\frac {\mathbf {r} -\mathbf {r} '}{\left|\mathbf {r} -\mathbf {r} '\right|^{3}}}\;dx'\,dy'\,dz'=-{\vec {\nabla }}\Phi _{\mathrm {el} }(\mathbf {r} )}
,
ist auch das Gravitationsfeld g ein konservatives Feld:
g
(
r
)
=
−
G
∫
ρ
m
(
r
′
)
r
−
r
′
|
r
−
r
′
|
3
d
x
′
d
y
′
d
z
′
=
−
∇
→
Φ
m
(
r
)
{\displaystyle \mathbf {g} (\mathbf {r} )=-G\int \rho _{\mathrm {m} }\left(\mathbf {r} '\right){\frac {\mathbf {r} -\mathbf {r} '}{\left|\mathbf {r} -\mathbf {r} '\right|^{3}}}\;dx'\,dy'\,dz'=-{\vec {\nabla }}\Phi _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} )}
.
Dabei ist
G die Gravitationskonstante
ρ
m
(
r
′
)
{\displaystyle \rho _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} ')}
die Massendichte.
Da nur die Ladungen durch Massen und
1
4
π
ε
{\displaystyle {\tfrac {1}{4\pi \varepsilon }}}
durch
−
G
{\displaystyle -G}
ersetzt werden, gilt analog zur ersten Maxwellgleichung
∇
→
⋅
g
=
−
4
π
G
ρ
m
(
r
)
{\displaystyle {\vec {\nabla }}\cdot \mathbf {g} =-4\pi G\rho _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} )}
.
Damit ergibt sich die Poisson-Gleichung der Gravitation zu
∇
→
⋅
g
=
−
∇
→
⋅
(
∇
→
Φ
m
(
r
)
)
=
−
4
π
G
ρ
m
(
r
)
⇔
{\displaystyle {\vec {\nabla }}\cdot \mathbf {g} =-{\vec {\nabla }}\cdot ({\vec {\nabla }}\Phi _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} ))=-4\pi G\rho _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} )\Leftrightarrow }
Δ
Φ
m
(
r
)
=
4
π
G
ρ
m
(
r
)
{\displaystyle \Delta \Phi _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} )=4\pi G\rho _{\mathrm {m} }(\mathbf {r} )}
.
Einzelnachweise
↑ Wolfgang Nolting : Grundkurs theoretische Physik . [Online-ausg. der] 8. [gedr.] Auflage. 3. Elektrodynamik. Springer, Berlin, ISBN 978-3-540-71252-7 .