Das formale „Skalarprodukt“ des Nabla-Operators mit sich selbst ergibt also den Laplace-Operator. Vor allem im englischsprachigen Raum ist für den Laplace-Operator oft die Schreibweise zu finden.
Da der Divergenz-Operator und der Gradient-Operator unabhängig vom gewählten Koordinatensystem sind, ist auch der Laplace-Operator unabhängig vom gewählten Koordinatensystem. Die Darstellung des Laplace-Operators in anderen Koordinatensystemen ergibt sich mit der Kettenregel aus der Koordinatentransformation, siehe #Anwendung in verschiedenen Koordinatensystemen.
Orthogonale Koordinatensysteme haben für die angewandten Wissenschaften eine überragende Bedeutung, da viele konkrete Probleme in solchen Systemen formuliert und mit Trennung der Veränderlichen gelöst werden können. Nur der Abschnitt #Allgemein krummlinige Koordinatensysteme befasst sich mit der Anwendung des Laplace-Operators auf Skalarfelder in krummlinigen Koordinatensystemen.
Skalarfelder
Die Anwendung des Laplace-Operators wird hier in einigen üblichen orthogonalen Koordinatensystemen ausformuliert. Die gegebenen Formeln gelten dabei nur für den skalaren Laplace-Operator. Für den Laplace-Operator, der auf vektorwertige Funktionen wirkt, müssen noch weitere Terme berücksichtigt werden, siehe den Abschnitt #Vektorfelder unten.
Kartesische Koordinaten
Für eine Funktion in der xy-Ebene ergibt die Anwendung des Laplace-Operators wie in der Einleitung angegeben
In kartesischen Koordinaten in drei Dimensionen addiert sich zu obigem noch die zweite Ableitung nach der dritten -Koordinate:
In Zylinderkoordinaten mit radialer Koordinate ρ, Azimutφ und Höhez über der ρφ-Ebene addiert sich zu obigem noch die zweite Ableitung nach der Höhenkoordinate:
Die Ableitungen der Produkte in dieser Darstellung können noch entwickelt werden, wobei sich der erste und zweite Term ändern. Der erste (radiale) Term kann in eine dazu äquivalente Form geschrieben werden:
wo metrische Faktoren sind, die sich aus den Ableitungen des Ortsvektors berechnen, und ist das Produkt dieser metrischen Faktoren.
Entwickelt schreibt sich die kanonische Form:
Allgemein krummlinige Koordinatensysteme
Die Anwendung des Laplace-Operators in beliebigen krummlinigen Koordinaten berechnet sich mit den kovarianten Ableitungen der Vektorkomponenten der kontravarianten Darstellung des Gradienten:
Damit schreibt sich:
Es sind
Ableitungen nach den Koordinaten ,
kovariante Ableitungen nach den Koordinaten ,
kontravariante Basisvektoren und
kovariante Basisvektoren, die aus Ableitungen des Ortsvektors entstehen, und
das Quadrat des mit den kovarianten Basisvektoren gebildeten Spatprodukts.
Die Metrikmatrix enthält die Skalarprodukte der Basisvektoren, , und deren Determinante entspricht dem Quadrat des Spatprodukts.
In Orthogonalkoordinaten ist der Betrag des Spatprodukts gleich dem Produkt der Metrikfaktoren und , womit aus der letzten Formel die kanonische Form des Laplace-Operators in orthogonalen Koordinaten entsteht.
Vektorfelder
In einem kartesischen Koordinatensystem mit -, - und -Koordinaten sowie Basisvektoren gilt:
Bei Verwendung von Zylinder- bzw. Kugelkoordinaten ist die Differentiation der Basisvektoren zu beachten. Es ergibt sich in Zylinderkoordinaten mit radialer Koordinate ρ, Azimutφ und Höhez über der ρφ-Ebene
Die Laplace-Operatoren auf der rechten Seite stehen für den skalaren Laplace-Operator in #Zylinderkoordinaten.
Mit den Produktregeln für Gradienten und Divergenzen, siehe Formelsammlung Tensoranalysis, lässt sich für zweimal differenzierbare Vektorfelder und konstante Vektoren nachweisen:
wo der Doppelpunkt gemäß A:B:=Sp(A⊤·B) das Frobenius-Skalarprodukt von Tensoren zweiter Stufe A und B mittels der Spur Sp darstellt.
Nützliche Formeln
Mit dem Ortsvektor, dessen Betrag und einer Funktion gilt bei :
Formeln für den vektoriellen Laplace-Operator:
Eigenschaften
Der Laplace-Operator ist ein linearer Operator, das heißt: Sind und zweimal differenzierbare Funktionen und und Konstanten, so gilt
Der Laplace-Operator ist drehsymmetrisch, das heißt: Ist eine zweimal differenzierbare Funktion und eine Drehung, so gilt
wobei „“ für die Verkettung von Abbildungen steht.
Der Laplace-Operator einer Funktion kann auch als Spur ihrer Hesse-Matrix dargestellt werden:
Anschaulich gibt für eine Funktion an einem Punkt an, wie sich der Mittelwert von über konzentrische Kugelschalen um mit wachsendem Kugelradius gegenüber verändert.
heißt Poisson-Gleichung. Im Spezialfall entsteht die Helmholtz-Gleichung
Lösung mittels Trennung der Veränderlichen
Die Trennung der Veränderlichen gelingt in Laplace- und Helmholtz-Gleichungen immer in Koordinatensystemen, deren Koordinatenflächen konfokale Quadriken oder deren degenerierten Formen sind. Details dazu finden sich in den Hauptartikeln.
Für den Laplace-Operator, der ursprünglich stets als Operator des euklidischen Raumes verstanden wurde, gab es mit der Formulierung der riemannschen Geometrie die Möglichkeit der Verallgemeinerung auf gekrümmte Flächen und riemannsche beziehungsweise pseudo-riemannsche Mannigfaltigkeiten. Dieser allgemeinerte Operator wird als verallgemeinerter Laplace-Operator bezeichnet.
Diskreter Laplace-Operator
Auf eine diskrete Eingangsfunktion gn bzw. gnm wird der Laplace-Operator über eine Faltung angewendet. Dabei kann man folgende einfache Faltungsmasken verwenden:
1D-Filter
2D-Filter:
Für zwei Dimensionen gibt es noch alternative Varianten, die zusätzlich auch diagonale Kanten berücksichtigen, beispielsweise:
2D-Filter:
Diese Faltungsmasken erhält man durch die Diskretisierung der Differenzenquotienten. Dabei entspricht der Laplace-Operator einer gewichteten Summe über den Wert an benachbarten Punkten. Die Kantendetektion in der Bildverarbeitung (siehe Laplace-Filter) ist ein mögliches Anwendungsgebiet diskreter Laplace-Operatoren. Dort taucht eine Kante als Nulldurchgang der zweiten Ableitung des Signals auf. Auch bei der Diskretisierung von Differentialgleichungen oder in der Graphentheorie werden diskrete Laplace-Operatoren genutzt, siehe beispielsweise die Näherungsweise rechnerische Lösung von Potentialströmungen.
Bronstein, Semendjajew, Musiol, Mühlig: Taschenbuch der Mathematik. Harri Deutsch, 1999, 4. Auflage, ISBN 3-8171-2004-4.
Otto Forster: Analysis. Band 3: Maß- und Integrationstheorie, Integralsätze imRnund Anwendungen, 8. verbesserte Auflage. Springer Spektrum, Wiesbaden, 2017, ISBN 978-3-658-16745-5.
Russell Merris: Laplacian matrices of graphs: a survey. In: Linear Algebra and its Applications. S. 197–198, 143–176 (1994). ISSN 0024-3795
Wolfgang Werner:Vektoren und Tensoren als universelle Sprache in Physik und Technik. Tensoralgebra und Tensoranalysis. Band1. Springer Vieweg Verlag, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-25271-7, doi:10.1007/978-3-658-25272-4.