Possenhofen

Possenhofen
Gemeinde Pöcking
Koordinaten: 47° 58′ N, 11° 19′ OKoordinaten: 47° 58′ 0″ N, 11° 19′ 0″ O
Einwohner: 349 (31. Dez. 2023)
Postleitzahl: 82343

Possenhofen ist ein Ortsteil der Gemeinde Pöcking im Landkreis Starnberg (Oberbayern) und liegt am Westufer des Starnberger Sees.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus den Jahren 1281/82, als Pfalzgraf Friedrich von Scheyern Wittelsbach neben anderen Besitzungen auch einen Hof in „Pozzenhofen“ in einer Schenkung dem Kloster Schäftlarn übereignete.

1536 erbaute der Landschaftskanzler Jacob Rosenbusch das nach dem Ort benannte Schloss Possenhofen. 1538 erhielt er von den bayerischen Herzögen die Besitzrechte für den Ort Possenhofen sowie 1545 für das Dorf Pöcking. Nach mehreren anderen Besitzern, zuletzt dem Reichsgrafen Basselet von la Rosée, gelangten das Schloss und die beiden Hofmarken 1834 schließlich in den Besitz von Herzog Maximilian Joseph in Bayern. Seine Tochter Elisabeth, die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich und Königin von Ungarn (Sisi), verbrachte hier ihre Kindheit.

König Maximilian II. ließ in Possenhofen eine Bahnstation an der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen für den hohen Adel errichten (jetzt S-Bahn-Station, siehe auch hier). Seit 2004 befindet sich hier das Museum im Königssalon (Sammlung Heinemann) bzw. das Kaiserin Elisabeth Museum. Es hat in den Sommermonaten von Freitag bis Sonntag (nachmittags) geöffnet.

Die Landeshauptstadt München richtete Anfang der 1960er Jahre am Seeufer das 150 Hektar große Strandbad Paradies ein, um die Freibäder der Stadt zu entlasten und ihrern Bügern einen günstigen Erholungsort zu bieten. Auch 2026 wurde es noch mit kostenlosem Eintritt von der Landeshauptstadt betrieben.

In Possenhofen befindet sich eine Jugendherberge.

Possenhofen hat eine Anlegestelle der Bayerischen Seenschifffahrt.

Historischer Kriminalfall

Am 27. Februar 1753 wurde der Pfarrer zu Possenheim, Georg Friedrich Esper, bei einem nächtlichen Überfall auf das Pfarrhaus getötet. Dieser brutale Einbruch und Mord war bereits zur Zeit des Geschehens ein spektakulärer Kriminalfall und weit über den Ort hinaus bekannt geworden. Eine bis zu 25 Personen starke Räuberbande, verkleidet mit falschen Bärten und bewaffnet mit Gewehren, Stemmeisen und Seilen, verschaffte sich in der Tatnacht gegen 22:00 Uhr gewaltsam Zugang in das Gebäude. Ein Teil der Bande überwältigte und fesselte die beiden Mägde in ihrer Kammer und hüllte sie in Bettdecken. Die jüngere der beiden wurde von den Tätern vergewaltigt. Weitere Räuber drangen im oberen Stockwerk in die Kammer der Familie des Pfarrers ein und fesselten ihn, nachdem sie ihn mit brutaler Gewalt überwunden hatten. Auch seine Frau und die Kinder wurden an Händen und Füßen gefesselt. Anschließend durchsuchten die Diebe das gesamte Mobiliar und trugen alles von Wert aus dem Haus. Kaum war das Diebesgut, der Wert wurde auf 800 Gulden geschätzt, vom Hof getragen, schlossen die dreisten Räuber die Türen des Pfarrhauses wieder sorgfältig ab und flohen in die dunkle Nacht. Die Frau des Pfarrers konnte sich schließlich befreien. Mit lauten Schreien gelang es ihr, den Nachtwächter zu alarmieren. Die eintreffenden Helfer konnten allerdings nur noch den Tod des Pfarrers feststellen. Den eilig zusammengelaufenen Bürgern war die sofortige Verfolgung der Täter mangels erkennbarer Spuren nicht möglich. Trotz umfangreicher Untersuchungen verschiedener Behörden in der näheren und ferneren Umgebung, etlichen Hausdurchsuchungen und Verhaftung verdächtiger Personen konnte das Verbrechen nicht aufgeklärt werden.

Commons: Possenhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Zahlen, Daten, Fakten. Gemeinde Pöcking, abgerufen am 23. Januar 2026.
  2. ↑ Christina Hertel: München ist pleite – jetzt geraten die Immobilien ins Visier. In: Abendzeitung. 28. Oktober 2026, abgerufen am 1. November 2026.
  3. ↑ DJH Jugendherberge Possenhofen – Angebote + mehr | Bayern. Abgerufen am 27. Dezember 2021.
  4. ↑ Johann Christoph Hartung: Leichenrede auf Georg Friedrich Esper, Pfarrer zu Possenheim, welcher am 27. Febr. 1753 des Nachts 10 Uhr von einer grausamen und wuthenden Rauber- u. Mörder-Rotte auf eine schröckliche Art ermordet worden. 1753 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. Juli 2026]).
  5. ↑ Georg Friedrich Esper. In: Unsere Familie. Familienstiftungen Paul Wolfgang Merkel und Werner Zeller, abgerufen am 4. Juli 2026.