
Die Kammerakademie Potsdam (KAP) ist ein 2001 gegründetes Kammerorchester mit Sitz in Potsdam. Seit 2025 ist der Künstlerische Leiter François Leleux. Zuvor hatte die Leitung Antonello Manacorda inne, der vom Orchester zum Ehrendirigenten ernannt wurde und weiterhin als Gastdirigent bei der KAP tätig ist. Als Hausorchester des Potsdamer Konzertsaals Nikolaisaal wird sie u. a. vom Land Brandenburg und der Landeshauptstadt Potsdam gefördert.
Im Jahr 2001 durch den Zusammenschluss des Ensemble Oriol Berlin mit dem Persius Ensemble aus Potsdam entstanden, konnte die Kammerakademie Potsdam bereits auf die Erfahrung des Ensemble Oriol Berlin als Streichorchester ohne Dirigent und auf ein umfangreiches Repertoire vom Barock bis zur Moderne aufbauen, das sich das Ensemble seit seiner Gründung im Jahre 1987 erarbeitet hatte. Mit den Bläsern des Persius Ensembles wurden nicht nur die klanglichen Möglichkeiten, sondern auch das Repertoire erweitert.
Mittlerweile reicht die stilistische Vielfalt des Orchesters von der Barockoper auf historischem Instrumentarium über die klassische Sinfonie bis hin zur Uraufführung zeitgenössischer Werke. Die Künstlerische Leitung lag zunächst in den Händen von Peter Rundel. Unter Sergio Azzolini begann 2002 eine deutliche Profilierung auf dem Gebiet des 18. Jahrhunderts, die Andrea Marcon ab 2007 fortsetzte. Michael Sanderling entwickelte die sinfonischen Qualitäten des Orchesters, ab 2006 mit einem Repertoireschwerpunkt auf Beethoven und Schostakowitsch, weiter. Beginnend mit der Spielzeit 2010/2011 wurde Antonello Manacorda Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam. Seit der Spielzeit 2025/226 ist Francois Leleux sein Nachfolger. Als Solisten konnten u. a. Julia Fischer, Sol Gabetta, Albrecht Mayer, Katia und Marielle Labèque, Daniel Müller-Schott, Christian Tetzlaff, Daniel Hope, Emmanuel Pahud, Baiba Skride, Christine Schäfer, Christiane Oelze, Thomas Zehetmair, Tabea Zimmermann, Steven Isserlis, Kolja Blacher, Gábor Boldoczki und Reinhold Friedrich gewonnen werden. Als Ensemble auf Originalinstrumenten hat sich die Kammerakademie unter Sergio Azzolini, Konrad Junghänel, Bernhard Forck und Erich Höbarth einen Namen gemacht.
Als „Ensemble / Orchester des Jahres 2015“ wurde die Kammerakademie Potsdam mit dem ECHO Klassik für die Einspielung Franz Schuberts 2. Sinfonie B-Dur D 125 sowie der 4. Sinfonie c-Moll D 417 ausgezeichnet. Noch im selben Jahr komplettierte sie unter der Leitung von Chefdirigent Antonello Manacorda die Einspielung aller Sinfonien Schuberts. Die im Dezember 2015 angefangene Gesamteinspielung aller Sinfonien Felix Mendelssohn Bartholdys wurde mit der Veröffentlichung der Live-Aufnahme Mendelssohns Sinfonie Nr. 2 „Lobgesang“ 2018 abgeschlossen.
Der Klangkörper der Kammerakademie Potsdam hatte 2026 circa 35 Mitglieder: 16 Violinisten, 4 Bratschisten, 3 Cellisten, 2 Kontrabassisten, 2 Flötisten, 2 Oboisten, 1 Klarinettist, 2 Fagottisten,1 Hornist, 1 Trompeter sowie 1 Paukist.
Nach Antje Weithaas, Kristian Bezuidenhout, Veronika Eberle, Andreas Ottensamer, Steven Isserlis, Antoine Tamestit, Jörg Widmann, Anna Prohaska und Václav Luks war Anna Vinnitskaya Artist in Residence der Saison 2023/24.
Die Kammerakademie Potsdam ist Hausorchester des Nikolaisaals, dem modernen Konzertsaal der Landeshauptstadt. Im Großen Saal und im Foyer veranstaltet die Kammerakademie verschiedene Konzertreihen: Sinfoniekonzerte, Kammerkonzerte, Konzerte zeitgenössischer Musik in der Reihe KAPmodern sowie Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Familien (KAPellina, Kindersinfoniekonzerte mit Juri Tetzlaff). Weitere Spielstätten sind die Friedenskirche im Park Sanssouci, das Schlosstheater im Neuen Palais, das Palais Lichtenau, das Museum Barberini und die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam.
Regelmäßige Touren beispielsweise durch Spanien (Michael Sanderling, 2009), Deutschland (Avi Avital, 2012), Japan (2016), Europa (2017) und Südamerika (2017 und 2027) sowie China (2026) führen die Kammerakademie Potsdam zunehmend vor ein Internationales Publikum. Bei Gastspielen und Tourneen innerhalb Deutschlands konzertierte die Kammerakademie Potsdam bislang u. a. in der Elbphilharmonie Hamburg, der Kölner Philharmonie, bei der Musiktriennale Köln, in der Alte Oper Frankfurt/Main sowie der Liederhalle Stuttgart. Außerdem war das Orchester zu Gast beim Rheingau Musik Festival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker, den Händel-Festspielen Halle, den Niedersächsischen Musiktagen und den Brühler Schlosskonzerten.
Seit 2005 produzieren die Kammerakademie Potsdam und das Hans Otto Theater gemeinsam die Potsdamer Winteroper und konnten mit außergewöhnlichen Inszenierungen eine Erfolgsgeschichte schreiben. Während der Renovierung des Schlosstheaters im Neuen Palais finden die Vorstellungen der Potsdamer Winteroper in der Friedenskirche Sanssouci statt. Die hier begonnene Reihe mit szenischen Oratorienaufführungen bietet die einmalige Chance, musikdramatische Werke mit biblischen Themen in besonderer Weise neu zu erschließen.
Die bisherigen Produktionen der Potsdamer Winteroper:
Die Vermittlung von klassischer Musik ist für die Musikerinnen und Musiker der Kammerakademie Potsdam ein zentrales Anliegen und wird als wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Arbeit angesehen. Die Angebotspalette umfasst groß besetzte Orchesterkonzerte, moderierte Kammerkonzerte, Kinderkonzerte zum Mitmachen, interdisziplinäre Workshop-Angebote, spezielle Einführungen, mobile Konzertformate und partizipative Musikprojekte rund um die von der Kammerakademie veranstalteten Musiktheaterprojekte. Viele der Musikvermittlungsformate werden von den Orchestermusikern selbst entwickelt und gemeinsam mit Musikvermittlern und externen Künstlern und Pädagogen realisiert.
Ein besonderes gesellschaftliches Engagement verbindet das Orchester mit dem Stadtteil Potsdam-Drewitz, wo ein bundesweites Modellvorhaben für Chancengleichheit, Partizipation, Diversität und Inklusion durch Musik und kulturelle Bildung realisiert wird. Ausgehend vom sog. „Drewitzer Dreiklang“ aus Orchester, Grundschule „Am Priesterweg“ und dem Begegnungszentrum „oskar.“ treffen Kitas, Jugendhilfeeinrichtungen, Sportclubs, das Seniorenheim und lokale Unternehmen in gemeinsamen Musikprojekten, offenen Proben, Konzerten und partizipativen Leuchtturmvorhaben wie „Stadtteil macht OPER!“ aufeinander. Die Initiative der Kammerakademie unterstützt die Entwicklung eines tragfähigen lokalen Netzwerks, das die Bildungs- und Teilhabechancen für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Stadtteil stärkt. Das Programm „Musik schafft Perspektive“ wurde im April 2017 mit dem Sonderpreis „Kultur öffnet Welten“ von Staatsministerin Monika Grütters als Modellprojekt für Kulturelle Bildung mit landesweiter Bedeutung ausgezeichnet.
Mit der Orchesternachwuchs-Akademie KAPcampus hat die KAP als erstes Orchester des Landes Brandenburg eine Akademie für junge Nachwuchsmusikerinnen und -musiker eingerichtet, die ein umfassendes zweijähriges Ausbildungsprogramm bietet. Das Programm beinhaltet die praxisnahe Ausbildung der Stipendiaten durch Mitwirkung an Proben und Konzerten des Orchesters sowie den Unterricht in Meisterklassen, Workshops und eigenen Kammermusikprojekten. KAPcampus wird von der Kammerakademie und einer Stiftung des Orchester-Gründers J. Sedemund getragen. Sie soll die dauerhafte Grundlage für die Ausbildung und Förderung von qualifizierten jungen Nachwuchsmusikern schaffen. Mit KAPcampus setzt die Kammerakademie Potsdam konsequent ihre erfolgreiche Nachwuchsarbeit fort und bietet eine neue Bereicherung für das Potsdamer Kulturleben.