| Primeln | ||||||||||||
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Primula vulgaris-Hybride | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Primula | ||||||||||||
| L. |
Die Primeln (Primula) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Primelgewächse (Primulaceae). Die etwa 500 Arten sind hauptsächlich auf der Nordhalbkugel weitverbreitet. Der deutschsprachige Trivialname Schlüsselblumen für einzelne Arten kommt von der Ähnlichkeit des Blütenstandes weniger Arten mit einem Schlüsselbund.



Primula-Arten wachsen als meist sommergrüne ausdauernde, selten einjährige, krautige Pflanzen. Oft werden als Überdauerungsorgane Rhizome gebildet. Die Wurzeln sind faserig. Nur Primula suffrutescens ist immergrün, verholzt etwas und bildet Matten. Wenige Arten bilden Stolonen (Primula nutans). Einige Arten sind mehr oder weniger sukkulent. Die oberirdischen Pflanzenteile können behaart oder unbehaart sein, oft sind sie mehlig bestäubt.
Die in grundständigen Rosetten angeordneten Laubblätter können einen undeutlichen, manchmal geflügelten Blattstiel besitzen. Die einfache Blattspreite ist lineal, breit lanzettlich, verkehrt-lanzettlich, länglich-verkehrt-eiförmig, rhombisch, elliptisch, keilförmig oder spatelförmig mit angeschrägtem oder gerundetem und abrupt sich verschmälerndem Spreitengrund und gezähnter, spitzer, stumpfer, gerundeter oder spatelförmiger Spreitenspitze. Die Blattränder sind ganz bis gezähnt. Die Blattflächen sind meist kahl oder besitzen selten einfache Haare (beispielsweise bei Primula veris).
Es werden meist unbeblätterte, mehr oder weniger lange aufrechte bis aufsteigende Blütenstandsschäfte gebildet. Die Blüten stehen selten einzeln, meist zu 2 bis mehr als 25 in einfachen oder zusammengesetzten, oft doldigen, manchmal traubigen oder rispigen, manchmal fast kopfigen Blütenständen zusammen. Es sind ein bis fünf Tragblätter vorhanden. Die Blütenstiele können aufrecht, abstehend, gekrümmt, gebogen, leicht zurückgekrümmt oder nickend sein.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. In der Sektion Dodecatheon gibt es vierzählige Arten. Die meist fünf grünen, kahlen oder weich bis flaumig behaarten Kelchblätter sind breit glockenförmig bis zylindrisch oder krugförmig verwachsen. Der Kelch ist mehr oder weniger fünfkantig und kann schwach gekielt sein. Die fünf Kelchzähne sind gleich bis halb so lang wie die Kelchröhre. Die meist fünf Kronblätter sind röhrig bis glockenförmig verwachsen. Die fünf ganzrandigen Kronzipfel, die nur bei der Sektion Dodecatheon zurückgebogen sind, besitzen die gleiche bis doppelte Länge der Kronröhre; ihr oberes Ende ist meist gerundet. Die Farbe der Kronblätter reicht von lavendelfarben, magentarot, rosafarben bis violett, selten rot und von weiß bis gelb.
Es ist nur der innere Kreis mit meist fünf Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind meist frei, nur in der Sektion Dodecatheon gibt es Arten, bei denen sie zu einer Röhre verwachsen sind. Außer in der Sektion Dodecatheon überragen die Staubblätter die Blütenkrone nicht. Der Fruchtknoten ist oberständig. Es liegt oft Heterostylie vor – die Blüten unterscheiden sich dabei durch die Länge des Griffels und die Lage der Staubbeutel. Manchmal liegt Homostylie vor.
Die kugeligen, zylindrischen oder ellipsoiden bis eiförmigen, meist fünfklappigen Kapselfrüchte öffnen sich bei Reife bis zu einem Drittel ihrer Länge und enthalten meist viele (10 bis über 100) Samen. Die braunen Samen sind eiförmig bis länglich, etwas vierkantig mit netzartiger oder blasiger Oberfläche.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = (8), 9, (10), 11, (12) oder bei der Sektion Dodecatheon 22.


Die Gattung Primula ist mit etwa 500 Arten, die artenreichste der Familie Primulaceae. Etwa 80 % der Primula-Arten kommen in der Sino-Himalaja-Region vor, etwa 60 % davon auf dem Qinghai-Tibet-Plateau. Die meisten Primula-Arten gedeihen in humiden bis moderaten Klimagebiet der Nordhalbkugel und in gemäßigten bis arktischen Klimagebieten. Nur wenige Arten kommen in afrikanischen Gebirgen (Äthiopien), im tropischen Asien (Java sowie Sumatra) oder Südamerika vor. Lebensräume sind dabei vor allem Wälder, Grasfluren, alpine Rasen, nivale sowie Gras-Tundren. Es gibt mehrere Zentren der Artenvielfalt: der östliche Himalaya sowie die chinesische Provinz Yunnan, Westasian mit dem Kaukasus, die europäischen Gebirge mit den Pyrenäen über die Alpen bis zu den Karpaten, die Gebirge Ostasiens und die Gebirge des westlichen Nordamerikas. Die meisten Primula-Arten sind ausdauernde, seltener ein- bis zweijährige krautige Pflanzen mit kurzen Wurzeln und Blattrosetten.
Bei vielen Arten der Gattung Primula s. str. liegt Heterostylie vor. Homostylie kommt in wenigen Verwandtschaftsgruppen innerhalb der Gattung Primula s. l. vor. Bei den distylen Arten gibt es jeweils zwei Blütentypen. Bei dem einen Blütentyp ist der Griffel lang, die Narben liegen deutlich über den Staubbeuteln, beim anderen Blütentyp sind Griffel kurz und die Narben liegen deutlich unter den Staubbeuteln, die viel höher innerhalb der Kronröhre positioniert sind. Die Wahrscheinlichkeit der Fremdbestäubung wird dadurch wesentlich erhöht. Dies hatte schon Charles Darwin 1862 in On the two forms, or dimorphic condition, in the species of Primula, and on their remarkable sexual relations. in Journal of the Linnean Society (Botany), Volume 6, S. 77–96 erörtert. Über das Bestäubungssyndrom und den Ploidiegrad in der Gattung Primula siehe auch Guggisberg et al. 2006.





Die Gattung Primula wurde durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, 1753, S. 142 und in Genera Plantarum, 5. Auflage, S. 70 aufgestellt. Der Gattungsname Primula lässt sich mit ‚Erstlingsblume‘ übersetzen (lateinisch prima‚ die Erste‘), das weist auf die frühe Blütezeit hin. Als Lectotypus-Art wurde 1913 Primula veris L. durch Nathaniel Lord Britton und Addison Brown in An illustrated flora of the northern United States, Canada and the British possessions: from Newfoundland to the parallel of the southern boundary of Virginia, and from the Atlantic Ocean westward to the 102d meridian, ed. 2, Volume 2, S. 708 festgelegt.
Synonyme für Primula L. sind: Aretia Link, Cortusa L., Dionysia Fenzl, Dodecatheon L., Sredinskya (Stein) Fed.
Die erste Monographie der Gattung Primula war Johann Georg Christian Lehmann: Monographia generis Primularum, Lipsiae, 1817. Die nächste wichtig Veröffentlichung war von Ferdinand Albin Pax und Reinhard Gustav Paul Knuth: Primulaceae. In: Heinrich Gustav Adolf Engler (Hrsg.): Das Pflanzenreich, Band IV, 237, Berlin, 1905, S. 1–386. Seit Linné 1753 die ersten sieben Primula-Arten mit binomischen Namen veröffentlicht hat, wurden 1356 Artnamen veröffentlicht. Die Gattung Primula s. str. hat 2006 430 akzeptierte Arten enthalten.
Die Gattung Primula wurde mehrfach neu gegliedert, beispielsweise durch Wendelbo 1961 mit sieben Untergattungen, diese Systematik wurde durch Richards 1993 mit sechs Untergattungen etwas verändert. Hu und Kelso 1996 stellten die chinesischen Primula-Arten in 24 Sektionen. Bis dahin erfolgte die Darstellungsversuche der Verwandtschaft nur mit morphologischen Merkmalen. Molekulargenetische Daten zeigen, dass die natürlichen Verwandtschaftsverhältnisse teilweise anders sind. Auch 2018 gibt es in vielen Bereichen noch Unklarheiten und weitere Untersuchungen unter Einbeziehung von noch mehr Arten sind erforderlich.
Die Gattung Primula gehört zur Unterfamilie Primuloideae innerhalb der Familie Primulaceae. Zur Unterfamilie Primuloideae gehören auch Androsace L. (Syn.: Douglasia, Vitaliana), Bryocarpum Hook. f. & Thomson, Hottonia Boehr. ex L., Kaufmannia Regel, Omphalogramma Franch., Pomatosace Maxim., Soldanella L.
Primel-Arten sind auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet. Die Flora of China 1996 listet etwa 300 Arten, dies bedeutet, dass über die Hälfte aller Arten der Gattung Primula s. str. in China vorkommen. Die Flora of North America 2009 listet etwa 20 Arten.























Die Gattung Primula wird in etwa fünf Untergattungen mit bis zu über 40 Sektionen gegliedert und enthält etwa 500 Arten:
Folgende Primula-Arten sind hier noch keinen Untertaxa zugeteilt (Auswahl):
Von einigen Arten und Hybriden werden Sorten als Zierpflanzen verwendet.
Wo etwa Kalk- und Urgestein aufeinandertreffen, findet man oft fruchtbare Kreuzungen zwischen Aurikel und Behaarter Primel. Diese als Bastard-Aurikel (Primula ×pubescens) bekannte Form ist Stammform vieler Primelsorten.
Weitere zahlreiche Arten (asiatische und insbesondere chinesische) werden auch als Zierpflanzen kultiviert. Hybriden zwischen den einzelnen Arten sind nicht selten. Sie finden in verschiedenen Farben als beliebte Beet- und Balkonpflanzen Verwendung. Von Primula acaulis gibt es durch jahrzehntelange Pflanzenzüchtung zahlreiche Sorten, teilweise F1-Hybriden, als Frühjahrsblüher. Bekannt als blühende Topfpflanzen für Innenräume ist beispielsweise die Becher-Primel (Primula obconica).
Weitere Informationen bei den einzelnen Arten. Als Heilpflanze werden Primel-Arten wegen ihres hohen Gehaltes an Saponinen eingesetzt. Diese Substanzen wirken z. B. bei Erkältungskrankheiten und chronischer Bronchitis sekretolytisch (schleimlösend) und expektorierend, d. h., sie fördern den Auswurf von Schleim.
Die Blüten der Schlüsselblumen, Himmel- oder Johannesschlüssel liefern: Flores Primulae. Man sammelt die Blüten im Frühjahr bei sonnigem Wetter, befreit sie von den Kelchen, trocknet sie bei gelinder Wärme und bewahrt sie in dichtgeschlossenen Gefäßen auf. In den Blüten, hauptsächlich in den Kelchblättern, kommen Saponine vor (besonders die Primulasäure) – ca. 2 %. In den übrigen Blütenteilen kommen hauptsächlich Flavonoide, Carotinoide, Spuren von ätherischem Öl, und Enzyme (Primverase) vor. Der Tee wird als mild wirkendes Sekretolytikum (schleimlösendes Mittel) bei Husten, gegen Bronchitis und Erkältungskrankheiten verwendet. Weiterhin wird in der Volksmedizin die Blüte als Nervenmittel gegen Kopfschmerzen, Neuralgien, Gliederzittern, Schwindelgefühl und als Herztonikum genutzt. Die Schlüsselblume (bezogen auf Primula officinalis und Primula veris) wurde früher auch lateinisch als Herba paralysis bezeichnet.
Unterirdische Pflanzenteile = Radix Primulae: Aufgrund ihres hohen Saponingehalts werden Primeln als Phytotherapeutikum eingesetzt. Sie werden vor allem zur Verflüssigung des Sputums bei chronischer Bronchitis mit Hustenreiz in Form von Hustentee, -säften und -tropfen verordnet. Zusätzlich zu den Wirkungen der Blüte in der Volksmedizin noch gegen Asthma, Keuchhusten und Gicht.
Aus den frischen Blüten bereitete man einen sogenannten Maitrank, den Schlüsselblumenwein.
Die mehligen oder öligen Drüsensekrete diverser Arten können Hautirritationen und teilweise auch allergische Reaktionen auslösen. Die orale Aufnahme kann mitunter zu Vergiftungserscheinungen wie Magenschmerzen, Übelkeit, Brechreiz und Diarrhöe (Durchfall) führen.