Primitivus bezeichnet in Lateinischen „den Ersten in seiner Art“ im Sinne einer Bezeichnung für besondere Einfachheit.
Im sozialen Zusammenhang steht Primitivling für einen empfundenen Mangel an Zivilisiertheit oder auf eine einzelne Person bezogen für geringe Intelligenz. Je nach dem situativen Kontext dient es auch als Ausdruck mitleidiger Geringschätzung oder als beleidigendes Schimpfwort.
Seltener wird in der Biologie der Begriff Primitivling für im Sinne von wertneutral ursprünglich, urtümlich und alt verwendet.
Synonyme
Ähnlich wie Primitivling wird für Menschen auch z.B. Banause, Stoffel, Vandale, allgemein ungebildeter Mensch verwendet. In der französischen Sprache hat béotien (dt.: böotisch) bis heute die Bedeutung von „Kulturbanause, Primitivling, ungebildeter Mensch“.
Verwendungsbeispiele
Die Menschen auf dem Balkan sind keineswegs Primitivlinge von eigenwilliger Prägung, Süddeutsche Zeitung, 6. Oktober 1995.
Es wäre irrig anzunehmen, die Hunderttausende, die herbeieilten, um die Körper baumeln zu sehen, seien Barbaren und Primitivlinge, Die Zeit, 14. Dezember 1990.
Wenn das primitiv war, wollte ich auch so ein Primitivling werden!, Der Tagesspiegel 22. Juni 2002.
Das sind winzige Lebewesen, Primitivlinge, nicht mal zu Sünde fähig, Bild, 11. August 2004
Samuel P. Huntington soll in Political Order in Changing Societies lt. Ekkart Zimmermann geschrieben haben: Marx war ein politischer Primitivling. Er war nicht in der Lage, eine politischeWissenschaft oder eine politische Theorie zu entwickeln, weil er kein Verständnis für Politik als autonomes Handlungsfeld besaß und keine Vorstellung einer politischen Ordnung hatte, die über die einer sozialen Klasse hinausgeht. Lenin jedoch erhob eine politische Institution, die Partei, über die soziale Klassen und sozialen Kräfte. Lt. Zimmermann soll dies Huntington in seinem Buch auf S. 336 ausgeführt haben.
↑primitiv. In: Duden.de. abgerufen am 19. September 2013: „[…] ursprünglich […] sehr einfach, schlicht, simpel […] (abwertend) ein niedriges geistiges, kulturelles Niveau […]“.
↑Abgeleitet von Böotien, Landschaft im südöstlichen Mittel-Griechenland, in der der griechische Volksstamm der Boioter (Βοιωτοί, Böotier) siedelte. In der griechischen Antike bedeutete (vor allem bei den Athenern) „böotisch“ so viel wie ländlich grob, ungebildet. Mit dieser Wortbedeutung ging „böotisch“ auch in die gehobene deutsche Sprache des 18. und 19. Jahrhunderts ein. Siehe z.B. die Figur des dementen Hans Styx in Jacques OffenbachsOrphée aux enfers, der in seinem CoupletQuand j’étais roi de Béotie … (dt. meist Als ich noch Prinz war von Böotien …) seiner Vergangenheit als „König von Böotien“ nachtrauert oder bei Lion Feuchtwanger, der die Figur Paul Hessreiter in seinem Roman Erfolg von der „Böotisierung“ Münchens sprechen lässt.
↑Hellmuth Vensky, Waren die Kreuzzüge Notwehr? Kreuzritter gelten als fanatische Barbaren. Das Bild ist falsch, schreibt der US-Soziologe Rodney Stark in einem Buch. Seine kühne These: Der Islam habe provoziert, Die Zeit, 17. Mai 2013, Nr. 20 .
↑ Ekkart Zimmermann, Krisen, Staatsstreiche und Revolutionen, Opladen 1981, Westdeutscher Verlag, ISBN 978-3-531-11487-3, S. 301, Fn. 8 Google Books. Ebenso in Steffen Kailitz (Hg), Schlüsselwerke der Politikwissenschaft, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-14005-6, S. 188, Google Books.