Puru (Maler)

Puru (chinesisch 溥儒, Pinyin Pǔ Rú; Geburtsname Aisin Gioro Puru, 字 Xinyu, 溥心畬, daher auch Pu Xinyu; * 1896 in Peking; † 18. November 1963 in Taipeh) war ein chinesischer Maler, Kalligraf, Dichter und Kunsttheoretiker mandschurischer Herkunft. Er entstammte der kaiserlichen Familie der Qing-Dynastie und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der traditionellen chinesischen Literatenmalerei des 20. Jahrhunderts.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Puru gehörte dem Kaiserhaus der Aisin Gioro an. Er war ein Urenkel des Daoguang-Kaisers sowie ein Cousin des letzten Kaisers Puyi und der Brüder Pujin und Puquan. Ab 1899 erhielt er eine erste Unterweisung in Kalligrafie und Malerei. Daneben las er grundlegende Kinderlehrbücher wie das Sanzi jing und beschäftigte sich mit Dichtung. Ab 1901 studierte er den konfuzianischen Kanon bei Chen Yingrong, Long Zishu und Ouyang Jingqi. Ab 1905 folgte Unterricht in Mandschurisch, Englisch und Mathematik. Von 1910 bis 1913 studierte er an der School of Law and Politics in Peking, bevor er 1913 ein Studium der deutschen Sprache aufnahm. Auf Einladung des Prinzen Albert Wilhelm Heinrich von Preußen besuchte er 1914 Berlin. Von 1914 bis 1917 studierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin Astronomie und Biologie. Nach seiner Rückkehr nach China heiratete er 1917 Luo Qingyuan (gest. 1946). Von 1918 bis 1922 absolvierte er ein Doktorandenstudium in denselben Fächern an der Humboldt-Universität.

Wirken in China

1922 kehrte Puru nach Peking zurück und widmete sich der Kunst, Gelehrsamkeit, Kulturpolitik und der Nationalitätenfrage. 1924 zog er vom Jietai-Tempel in den Westbergen in die Pekinger Residenz des Prinzen Gong (Cuijin-Park). Er verkehrte in Pekinger Künstler- und Literatenkreisen und gehörte 1925 zu den Gründungsmitgliedern der Mandschu-Künstlervereinigung Songfeng huashe (Pine Wind Painting Society). 1927 oder 1928 traf er Zhang Daqian (Chang Dai-chien). Beide wurden als Exponenten der traditionellen chinesischen Malerei im Norden bzw. Süden Chinas einander gegenübergestellt (Nan Zhang Bei Pu). 1928 war er vorübergehend Professor an der Kaiserlichen Universität Kyōto. Von 1934 bis 1949 lehrte er am Beijing National College of Art.

Taiwan

1949 übersiedelte Puru nach Taiwan. Von 1950 bis 1963 war er Professor am Department of Fine Arts der National Taiwan Normal University und von 1955 bis 1963 zusätzlich am Department of Fine Arts der Tunghai-Universität. Daneben unterrichtete er privat Kalligrafie und Malerei und unternahm zahlreiche Vortragsreisen durch Asien. Im Jahr 1955 besuchte er die Seoul National University, die ihm die Ehrendoktorwürde verlieh.

Politische Tätigkeit

Von 1946 bis 1948 war Puru Vorsitzender der Association for the Advancement of Manchu Culture (später Beijing Manchu Association). Von 1947 bis 1963 war er mandschurischer Delegierter in der Nationalversammlung (Guomin dahui). Von 1954 bis 1963 war er Vorsitzender der Manchu Association of the Republic of China.

Werk

Malerei

Puru begann mit Kopien nach Ma Yuan (um 1160–nach 1225), Xia Gui (um 1180–1224), Wang Meng (1308–1385) sowie den Ming-Meistern Wang E (1465–1545), Tang Yin (1470–1524) und Wen Zhengming (1470–1559). Aus diesen Vorbildern entwickelte er eine eigene Bildsprache, die durch die Beherrschung der Gongbi- und Baimiao-Technik geprägt ist. Ein Beispiel hierfür ist das Werk Bianye mu fu (Rhapsodie auf den Wunderstrauch, Tusche und Farben auf Papier, 1959).

Seine Landschaften, Architekturdarstellungen, profanen und religiösen Figuren sowie Blumen-, Vogel- und Tierbilder sind überwiegend von Dichtung, Romanen, Legenden und Mythen inspiriert. Ein Beispiel hierfür ist das Werk Xuan zi Xiyou ji (Auswahl aus der Reise nach dem Westen, 12 Albumblätter, Tusche und Farben auf Seide, 1952). Oftmals behandelte er einfache Gegenstände, wobei die Erinnerung eine Rolle spielte, wie in Xishan caotang gusong bing ti“ (Alte Kiefern an der Strohhütte in den Westbergen, Querrolle, Tusche auf Papier, 1962). Kompositionen mit weiten unbemalten Flächen finden sich beispielsweise in der Darstellung eines Kindes mit Drachen (Hängerolle, Tusche und Farben auf Papier, 1959). Die genannten Werke befinden sich im National Palace Museum in Taipeh. Mit Fragen der Komposition setzte er sich auch theoretisch auseinander, wie in Hanyu tang lunhua (Über die Malerei aus der Hanyu-Halle, 1952 vollendet, Auszüge 1954).

Kalligrafie

Für seine Normalschrift (Kaishu) orientierte er sich an der 855 errichteten Stele für den Chan-Meister Guifeng Dinghui (圭峰定慧禪師碑), die von dem Kalligrafen Pei Xiu (791–864) verfasst und geschrieben worden war. Er schrieb zudem Siegel-, Kanzlei-, Kursiv- und Konzeptschrift sowie deren Varianten. Mit dem Siegel Jiu wangsun (von alter königlicher Nachkommenschaft) verwies er auf seine Herkunft.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Ulrike Middendorf: Puru. In: De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon – Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 97. Berlin 2018, S. 173.
  2. ↑ Baimiao | Traditional, Ink, Brushwork | Britannica. Abgerufen am 7. November 2026 (englisch).