Pushpamala N.

Pushpamala N. (2012)

Pushpamala N. (Kannada ಪುಷ್ಪಮಾಲಾ ಎನ್; * 1956 in Bangalore, heute Bengaluru) ist eine indische Bildhauerin, Foto-, Video- und Performancekünstlerin sowie Kuratorin, die für inszenierte Selbstporträts und feministische Neuaneignungen filmischer, mythologischer, kunsthistorischer und ethnografischer Bildtypen bekannt ist.

Leben

Nach einem Abschluss an der Bangalore University studierte Pushpamala Bildhauerei an der Fakultät für Bildende Künste der Maharaja Sayajirao University of Baroda. Sie wurde von K. G. Subramanyan, Bhupen Khakhar und Raghav Kaneria inspiriert; ihre frühen Arbeiten aus Terrakotta und Pappmaché behandelten weibliche Körper, Heranwachsen und Geschlechterrollen. Die Auftritte ihrer Mutter N. Vanamala in einem Frauen-Amateurtheater und familiäre Tableaux vor gemalten Fotostudio-Kulissen wurden später zu einer biografischen Quelle ihrer eigenen Inszenierungen. Anfang der 1990er-Jahre reagierte sie mit der Installationsserie Excavations auf die Folgen der Zerstörung der Babri-Moschee und wandte sich Mitte des Jahrzehnts Fotografie, Video und Performance zu. Sie lebt und arbeitet in Bengaluru.

Wirken

Pushpamala entwickelt ihre Arbeiten oftmals als „Fotoromanzen“ oder Tableaux, in denen ihr eigener Körper zum Medium einer humorvollen und feministischen Befragung kultureller Erinnerung wird. In Phantom Lady or Kismet (1996–1998), ihrer ersten Fotoperformance-Serie, inszenierte sie sich in Mumbai als maskierte, an Fearless Nadia angelehnte Heldin und stellte mit der Bildsprache des Film noir männlich besetzte Konventionen des Actionkinos infrage. Mit der britischen Fotografin Clare Arni schuf sie Native Women of South India: Manners and Customs (2000–2004), worin beide koloniale ethnografische Fotografien und populäre Frauenbilder nachstellten. Indem Pushpamala unter anderem vor einem Lamprey-Raster und mit Messinstrumenten posierte, parodierte sie den kolonialen Blick und dessen Drang zur Vermessung und Klassifizierung von Menschen. Ihre Kostüme, Kulissen und Reinszenierungen greifen auf Filmstills, Mythen, Kunstgeschichte und Populärkultur zurück, um Vorstellungen von Weiblichkeit und Nation zu unterlaufen. In Avega – The Passion (2012) verkörperte sie Sita, Kaikeyi und Surpanakha und untersuchte die Stellung von Frauen im idealisierten „Ramarajya“ sowie gegenwärtige Gewalt. Ihr fortlaufendes Projekt Mother India nutzt die Personifizierung der Nation als Mutter und Göttin für feministische Eingriffe in nationalistische Bildwelten. Auch häusliche Archive und Kochen werden zu politischem Material: Rashtriy Kheer and Desiy Salad (2004) und die seit 2018 aufgeführte Performance Gauri Lankesh’s Urgent Saaru verknüpfen Rezeptbücher, Geschlechterrollen, Nation und die Erinnerung an die ermordete Journalistin Gauri Lankesh. Als künstlerische Leiterin der zweiten Chennai Photo Biennale kuratierte sie 2019 unter dem Titel Fauna of Mirrors mehr als 50 Arbeiten und Projektionen und setzte einen Schwerpunkt auf konzeptuelle Fotografie und Künstlerinnen. Mit Epigraphica Indica kehrte sie 2022 zur Skulptur zurück; in Kupferplattenarbeiten wie Atlas of Rare and Lost Alphabets und Nara stellte sie verlorene Schriften neben Parolen jüngerer Protestbewegungen.

Commons: Pushpamala N. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Pushpamala N. In: Chemould Prescott Road. Abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pushpamala: The original disruptor. In: Mint. 11. Februar 2023, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  3. 1 2 ಪುಡ್ಡಿಂಗ್, ಸಲಾಡ್, ಸಾರು ಮತ್ತಿತರ ಅರ್ಜೆಂಟ್ ಸಮಾಚಾರಗಳು. In: On Eating. August 2021, abgerufen am 20. Juni 2026 (Kannada).
  4. 1 2 Behind the Mask: Artist Pushpamala N on her new exhibition. In: The Indian Express. 27. Januar 2019, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  5. ↑ Images of India: from courtesans and colonial rule to a child’s-eye view – in pictures. In: The Guardian. 17. Dezember 2021, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  6. ↑ Surpanakha meets Sita. In: The Indian Express. 28. April 2012, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  7. ↑ I start with the photograph: Pushpamala N. In: Mint. 17. Februar 2019, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
  8. ↑ Ancient scripts and modern slogans in Pushpamala N's latest work. In: Deccan Herald. 5. April 2022, abgerufen am 20. Juni 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Pushpamala N.
KURZBESCHREIBUNG indische Bildhauerin, Foto-, Video- und Performancekünstlerin sowie Kuratorin
GEBURTSDATUM 1956
GEBURTSORT Bangalore, heute Bengaluru