| Le Puy du Fou | |||
|---|---|---|---|
| Ort | Les Epesses, Vendée, Frankreich | ||
| Eröffnung | Cinéscénie: 1978 Grand Parc: 1989 | ||
| Besucher | 2,8 Mio. (2024) | ||
| Fläche | Cinéscénie: 23 Hektar Grand Parc: 45 Hektar | ||
| Website | www.puydufou.com | ||
| |||
Koordinaten: 46° 53′ 36″ N, 0° 55′ 55″ W
Puy du Fou ist ein historischer Themenpark in Les Epesses (zwischen Cholet und La Roche-sur-Yon) im Herzen der Vendée im Westen von Frankreich. Der Park belegte im Jahr 2024 mit 2,8 Millionen Besuchern den vierten Platz der meistbesuchten Freizeitparks in Frankreich und den neunten Platz europaweit. Laut einer Umfrage von TripAdvisor war Le Puy du Fou 2019 auf Platz 3 der Freizeitparks weltweit respektive Platz 1 in Europa.
Die Geschichte von Puy du Fou als Themenpark begann im Jahr 1977, als der 27-jährige Student Philippe de Villiers (später ein rechtskonservativer französischer Politiker), zusammen mit Jean Saint Bris, einem jungen Produzenten von „son et lumière“-Shows im Loire-Tal, die Idee zu einer Show namens „Cinéscénie“ entwickelten.
Als sie eine Ruine eines alten Renaissance-Schlosses im Ort Les Epesses nahe Cholet entdeckten, schrieben sie ein Szenario über eine lokale Familie namens Maupillier (der Name eines Soldaten, der am Aufstand der Vendée während der Französischen Revolution teilgenommen hat). Das Stück erzählt die Geschichte der Region vom vierzehnten Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg.
Phillippe de Villiers und Jean Saint Bris gründeten einen Verein mit 600 Mitgliedern (heute ca. 4500) mit dem Namen „l’Association du Puy du Fou“, dessen Präsident der Sohn von Phillippe de Villiers, Nicolas de Villiers, ist.
Bei den ersten Aufführungen der Cinéscénie im Juni 1978 hatte die Show keinen besonderen Erfolg, was sich erst gegen Ende der ersten Saison änderte, und ab da wuchs die Veranstaltung zu einem großen Spektakel. Seitdem hat sich daraus eine kleine Industrie von Schauspielern, Requisiteuren und Trainern für die gezeigten Reit- und Fechtkünste entwickelt. Der „Grand Parc de Puy du Fou“ wurde 1989 neben der Cinéscénie eröffnet und ist einer der beliebtesten Themenparks in Frankreich. 2004 waren 98 % der Besucher mit ihrem Besuch zufrieden oder sehr zufrieden.
Seit 1998 gibt es die „Académies Junior“, die Shows außerhalb der Cinéscénie veranstaltet, wie die „Paris Paname“ in der „Halle Renaissance“ des Grand Parc im März 2008.
2011 fanden im Grand Parc de Puy du Fou die Team-Präsentationen der Tour de France statt, die damals in der Vendée begann.
Der Park hat insgesamt 19 verschiedene Attraktionen, von denen 6 Hauptattraktionen genannt werden, die zwischen 25 und 40 Minuten laufen:
Zudem werden noch kleinere Shows sowie kontinuierliche Durchlauferlebnisse angeboten:
Alle Vorstellungen werden auf Französisch präsentiert. Eine Übersetzung für die meisten Shows über eine App ist in mehreren Sprachen, darunter in Deutsch, erhältlich. Einige der kleineren Darbietungen werden nicht übersetzt.
Die 100 Minuten dauernde Hauptshow findet am Abend auf einer 23 Hektar großen Außenbühne mit etwa 13´000 Zuschauerplätzen statt. Sie erzählt die Geschichte der letzten 700 Jahre der Region. Le Cinéscénie rühmt sich der größten Bühne der Welt, 2600 Akteure, hunderten von Pferden, 142 Wasserfontänen, 30 Drohnen und hunderten Feuerwerkskörpern pro Aufführung. Der gesamte Dialog ist in französischer Sprache. Eine Übersetzung in mehrere Sprachen wie Englisch, Deutsch und Niederländisch wird über eine App angeboten. Alle Schauspieler (auch viele Kinder) kommen aus den Orten der Umgebung und sind Freiwillige. Le Cinéscénie wird nur zur Hauptsaison jeweils freitags und samstags aufgeführt und muss separat gebucht werden.
Der Freizeitpark Puy du Fou ist in Frankreich umstritten und wird von zahlreichen Historikern für seine ideologisch geprägte Darstellung der Geschichte, insbesondere der Vendée-Kriege, kritisiert. Experten wie Michel Vovelle, Jean-Clément Martin und Guillaume Mazeau werfen dem Park eine verfälschende, gegenrevolutionäre Geschichtsinterpretation vor, die eine romantisierte, religiös-nationalistische Erzählung propagiert. Die Cinéscénie und andere Inszenierungen stellen die Vendée-Bevölkerung als einheitliches, unterdrücktes Volk dar und minimieren die inneren Konflikte sowie die komplexe Realität der Französischen Revolution. Kritiker sehen darin eine bewusste politische Instrumentalisierung der Geschichte durch den Gründer Philippe de Villiers, dessen konservative und identitäre Agenda sich auch in den internationalen Expansionsplänen des Parks widerspiegelt. Zudem wird der Park für fragwürdige Arbeitsbedingungen, politische Einflussnahme und ideologische Nähe zu ultrakonservativen Kreisen kritisiert. Über den Freizeitpark und seine Produktionen wurde auch in verschiedenen deutschsprachigen Zeitungen, so etwa in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kritisch berichtet.