Antarktischer Eselspinguin

Antarktischer Eselspinguin

Antarktischer Eselspinguin (Pygoscelis ellsworthi)

Systematik
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Langschwanzpinguine (Pygoscelis)
Art: Antarktischer Eselspinguin
Wissenschaftlicher Name
Pygoscelis ellsworthi
Murphy, 1947

Der Antarktische Eselspinguin (Pygoscelis ellsworthi) ist eine Pinguinart aus der Gattung der Langschwanzpinguine (Pygoscelis) und dem Artenkreis der Eselspinguine, die auf der Antarktischen Halbinsel, den Südlichen Shetlandinseln, den Südlichen Orkneyinseln und auf Südgeorgien vorkommt.

Merkmale

Schwimmender Antarktischer Eselspinguin

Wie alle Eselspinguine hat der Antarktische Eselspinguin einen schwarzen Kopf mit einem weißen Band oberhalb der Augen. Der Rücken und die Oberseite der Flossen sind dunkel blaugrau bis schwärzlich, die Unterseite ist von der Brust bis zum Anus weiß. Auch die Unterseite der Flossen und der hintere Rand der Flossen sind weiß. Verglichen mit dem „eigentlichen“ Eselspinguin (Pygoscelis papua) von den Falklandinseln ist der Antarktische Eselspinguin aber kleiner und hat einen kürzeren Schnabel mit einer weniger kräftigen Spitze und einem niedrigeren Culmen. Der Schnabel ist rot mit einer schwarzen Spitze und einem schwarzen oberen Rand des Oberschnabels. Etwa 20 bis 50 % der Exemplare besitzen auf der Mitte des Oberschnabels einen weißlichen oder gelblichen bis rötlichen Fleck, der einen Durchmesser von einem bis 25 mm erreichen kann. Des Weiteren besitzt der Antarktische Eselspinguin eine größere Anzahl von Genen, die mit Wärmeproduktion, Fett- und Lipidspeicherung sowie Lichtwahrnehmung assoziiert sind. Letzteres wahrscheinlich infolge von Anpassungen an die saisonalen Schwankungen des Tageslichts und die Reflexion des Eises.

Lebensweise

Hinsichtlich ihrer Ernährung sind die Vögel wenig spezialisiert und fressen Fische, Krill und Kopffüßer. Krill, besonders der Antarktische Krill (Euphausia superba), wird in großen Mengen gefressen. Auf der Antarktischen Halbinsel befinden sich die Nester in der Regel an tief liegenden Kiesstränden, in felsigen Gebieten und auf trockenen Moränen.

Systematik

Der Antarktische Eselspinguin wurde 1947 durch den US-amerikanischen Ornithologen Robert Cushman Murphy als Unterart des Eselspinguins (P. papua) erstmals wissenschaftlich beschrieben und zu Ehren des US-amerikanischen Polarforschers Lincoln Ellsworth benannt, der 1935 fünf Exemplare auf Deception Island gesammelt hatte. Bei den Untersuchungen dieser Exemplare wurde erstmals bemerkt, das sich die Eselspinguine der Antarktis von denen der Falklandinseln unterscheiden. Im Jahr 2020 wurde nach morphometrischen und genetischen Untersuchungen erstmals vorgeschlagen dem Antarktischen Eselspinguin den Status einer eigenständigen Art zu geben. Dies wurde in einer weiteren, auf umfangreiche Genomanalysen beruhenden Untersuchung aus dem Jahr 2026 bestätigt. Der Antarktische Eselspinguin kommt als einziger des Artenkreises südlich der antarktischen Polarfront vor, einer ozeanischen Temperatur- und Salzgrenze im Südlichen Ozean, die auch als Barriere für Tierwanderungen zu betrachten ist. Er ist wahrscheinlich seit 500.000 bis 300.000 Jahren von anderen Arten des Eselspinguin-Artenkreises isoliert.

Die verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Gattung Pygoscelis zeigt das folgende Kladogramm:

 Pygoscelis 

Adeliepinguin (P. adeliae)


   

Zügelpinguin (P. antarctica)


   


Pygoscelis taeniata, Crozet/Marion/Macquarie


   

Pygoscelis kerguelensis, Kerguelen



   

Pygoscelis ellsworth


   

Pygoscelis papua, Falklandinseln






Vorlage:Klade/Wartung/Style
P. ellsworthi poncetii auf Südgeorgien

Es werden zwei Unterarten unterschieden:

Gefährdung

Der Antarktische Eselspinguin ist ungefährdet. Von allen Arten aus dem Artenkreis der Eselspinguine ist er die häufigste Art. Etwa 2/3 aller Eselspinguine gehören zur antarktischen Art. 2019 schätzte man, dass es fast 99.000 Paare auf Südgeorgien gab und ca. 95.000 auf der Antarktischen Halbinsel und den Südlichen Shetlandinseln. Zudem nimmt die Population zu und die Pinguine dehnen ihren Lebensraum weiter nach Süden aus, da sich die Lebensbedingungen der Vögel im Zuge der Globalen Erwärmung verbessern. Auf den Rosenthal-Inseln im Palmer-Archipel hat sich die Anzahl der Tiere von 1974 bis 2016 um mehr als 1100 % erhöht.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Robert Cushman Murphy (1947): A New Zonal Race of the Gentoo Penguin. The Auk: Vol. 64: Iss. 3, Article 19.
  2. ↑ Metcheva, R.; Bezrukov, V.; Teodorova, S. E. und Yankov, Y. (2008): “Yellow Spot”—a New Trait of Gentoo Penguins Pygoscelis Papua Ellsworthii in Antarctica. Marine Ornithology: Vol. 36 : Iss. 1 , Article 6, doi: 10.5038/2074-1235.36.1.760
  3. 1 2 3 4 5 Daly Noll, Jane Younger, Luis R. Pertierra, Michelle Greve, Eduardo J. Pizarro, Fabiola León, Debora Y. C. Brandt, Joshua Tyler, Gemma Clucas, Hila Levy, W. Brian Simison, Julie McInnes, Pierre Pistorius, Céline Le Bohec, Francesco Bonadonna, Phil N. Trathan, Andrés Barbosa, Andrea Raya Rey, Gisele P. M. Dantas, Rauri C. K. Bowie, Elie Poulin & Juliana A. Vianna: Integrative evidence reveals adaptive divergence and speciation in gentoo penguins. Communications Biology, April 2026, doi: 10.1038/s42003-026-10081-7
  4. ↑ Martínez, I., D. A. Christie, F. Jutglar, E. Garcia und C. J. Sharpe (2020): Gentoo Penguin (Pygoscelis papua), Version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.genpen1.01
  5. 1 2 Pygoscelis papua in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2020. Eingestellt von: BirdLife International, 2019. Abgerufen am 10. Oktober 2026.
  6. ↑ Joshua Tyler, Matthew T. Bonfitto, Gemma V. Clucas, Sushma Reddy, Jane L. Younger: Morphometric and genetic evidence for four species of gentoo penguin. Ecology and Evolution, November 2020; doi: 10.1002/ece3.6973
  7. ↑ H. J. Lynch, R. Naveen, W. F. Fagan (2008): Censuses of penguins, Blue-eyed Shags and Southern Giant Petrel populations on the Antarctic Peninsula, 2001-2007. Marine Ornithology 36: 83-97.
  8. ↑ H.W. Ducklow, W.R. Fraser, M.P. Meredith, S.E. Stammerjohn, S.C. Doney, D.G. Martinson, S.F. Sailley, O.M. Schofield, D.K. Steinberg, H.J. Venables, C.D. Amsler (2013): West Antarctic Peninsula: An ice-dependent coastal marine ecosystem in transition. Oceanography 26(3): 190–203. doi: 10.5670/oceanog.2013.62
  9. ↑ RJM Crawford, AB Makhado, PA Whittington, RM Randall, WH Oosthuizen, LJ. Waller (2015): A changing distribution of seabirds in South Africa – the possible impact of climate and its consequences. Frontiers in Ecology and Evolution 3( 10): 1–10, doi: 10.3389/fevo.2015.000010
  10. ↑ W.R. Fraser (2016): A new survey of the Rosenthal Islands. Report submitted to the U.S. National Science Foundation, Division of Polar Programs, Arlington, VA, USA