Ragnar Ulstein

Ragnar Leif Ulstein (geb. 19. April 1920 in Ulstein; gest. 3. Dezember 2019 in Ålesund) war ein norwegischer Widerstandkämpfer gegen die deutsche Besatzung Norwegen im Zweiten Weltkrieg und nach dem Krieg Journalist und Autor zahlreicher Bücher über den norwegischen Widerstand, dessen Organisationen und Akteure.

Leben

Kriegseinsatz

Ulstein war einer von 16 jungen Männern, die 1941 mit dem gestohlenen Boot M/B Ulstein zu den Shetlandinseln aufbrachen, um sich dort den norwegischen Exilstreitkräften anzuschließen. Er gehörte zu den ersten neuen Rekruten der Norwegian Independent Company No. 1, auch Kompani Linge genannt. Ulstein erhielt eine Offziersausbildung, qualifizierte sich als Telegrafist und nahm Ende Dezember an der Militäroperation Anklet auf den Lofoten teil. Im Oktober 1944 wurde Ulstein nahe Hoven (Kommune Kinn) vom U-Boot-Jäger Hitra des Shetland Bus abgesetzt, um bei der Organisation und Operation von Milorg-Kräften in Sogn og Fjordane zu helfen und führte dort Sabotage-Aktionen durch.

Für seine militärischen Leistungen wurde er vielfach ausgezeichnet und erhielt unter anderem die St.-Olav-Medaille mit Eichenlaub, die Deltagermedalje, die 70-Jahres-Medaille Haakons VII. und die britische Military Medal.

1947 gehörte Ulstein der ersten Norwegischen Deutschland-Brigade (Tysklandsbrigaden 471) an.

Journalist und Kriegshistoriker

Nach dem Krieg arbeitete Ulstein als Journalist für verschiedene Zeitungen, darunter mehrere Jahre für die Bergens Tidende. Parallel dazu verfasste er Anfang der 1960er Jahre zwei Kriegsromane. Ab ca. 1965 widmete er sich intensiv der Erforschung und Dokumentation der Arbeit der Export-Gruppen. Er schrieb zunächst zwei Bücher über die Geschichte der Nordseefahrten (nordsjøfart) und wurde ab 1967 vom Norwegischen Widerstandsmuseums mit einer Studie über die Fluchthilfeorganisationen des Schwedenverkehrs (svensketrafikken) beauftragt, für die unter anderem 1500 Interviews mit Kriegsteilnehmern ausgewertet und umfangreiche Archive angelegt wurden.

Für seine Verdienste als Kriegshistoriker erhielt Ulstein die Königliche Verdienstmedaille in Gold und 2015 das Ehrenkreuz der Norwegischen Streitkräfte. Im April 2016 wurde in seiner Geburtsstadt Ulsteinvik ein bronzene Büste Ulsteins durch Verteidigungsministerin Ine Eriksen Søreide enthüllt. Ein neues Sicherungsboot der norwegischen Marine trägt seit 2019 den Namen Ragnar Ulstein.

Privates

1951 heiratete er Jenny Hermine Akselsen (1927–2023), die ihn bei der Archivierung des umfangreichen Materials zum norwegischen Widerstand unterstützte und mit der er bis zu ihrem Tod 72 Jahre lang verheiratet war.

Ulstein starb im Alter von 99 Jahren in Ålesund. Er erhielt ein staatliches Begräbnis, bei dem ihm auch Kronprinz Haakon und Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen die letzte Ehre erwiesen.

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Kjartan Rødland, Harald Kjølås: Ragnar Ulstein, Eintrag im Store norske leksikon
  2. 1 2 3 Ragnar Ulstein stedt til hvile. Kongehuset, 13. Desember 2019
  3. ↑ Østfold i svensketrafikken under andre verdenskrig. Universität Oslo, Institutt for arkeologi, konservering og historie
  4. ↑ Ragnar Ulsein heidra med byste i Ulsteinvik. Ulstein historielag
  5. ↑ Ragnar Ulstein (08/2019). Maritimt Magasin
Personendaten
NAME Ulstein, Ragnar
ALTERNATIVNAMEN Ulstein, Ragnar Leif
KURZBESCHREIBUNG norwegischer Widerstandkämpfer, Journalist und Autor
GEBURTSDATUM 19. April 1920
GEBURTSORT Ulstein
STERBEDATUM 3. Dezember 2019
STERBEORT Ålesund