Rainer Tetzlaff

Frank Rainer Tetzlaff (* 5. Oktober 1940 in Bad Salzbrunn) ist ein deutscher Politikwissenschaftler und Afrikawissenschaftler. Er war von 1977 bis 2005 Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Hamburg und von 2008 bis 2015 „Wisdom Professor“ für Afrikastudien und Entwicklungsforschung an der Jacobs University Bremen.

Leben

Rainer Tetzlaffs Eltern waren Lotte Tetzlaff, geborene Ludwig, und der Kurdirektor Günter Tetzlaff. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bad Salzuflen studierte er ab 1960 Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaften an den Universitäten Bonn und FU Berlin. Mit einer Dissertation über die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Deutsch-Ostafrikas 1885–1914 (Koloniale Entwicklung und Ausbeutung) promovierte er 1968 am Friedrich-Meinecke-Institut der FU Berlin in Geschichte. Anschließend arbeitete er bis 1974 als wissenschaftlicher Assistent bzw. Assistenzprofessor (ab 1971) an der Arbeitsstelle Politik Afrikas des Otto-Suhr-Instituts (bei Franz Ansprenger). In dieser Zeit unternahm er Forschungsreisen nach Ghana, Sambia, Südafrika und Tansania sowie zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, D. C.

Im April 1974 wechselte Tetzlaff nach Hamburg, wo er am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg eine Dozentur für internationale Politik übernahm, 1977 wurde er Wissenschaftlicher Rat und Professor für Internationale Politik. Mit einer politikwissenschaftlichen Studie über die Weltbank und ihren Einfluss in Entwicklungsländern (Machtinstrument der USA oder Hilfe für Entwicklungsländer?) wurde er 1978/79 an der FU Berlin habilitiert. Im Jahr 1979 vertrat er den Lehrstuhl von Gilbert Ziebura an der Universität Konstanz und wurde dann ordentlicher Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Hamburg. Zwischen 1977 und 2000 hatte er mehrmals das Amt des Direktors des Instituts für Politische Wissenschaft inne. Zudem war er Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Volkswagen-Stiftung bewilligten Tetzlaff zahlreiche Drittmittel-Projekte, die die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Dritte-Welt-Forschung sowie der vergleichenden Demokratie-Forschung ermöglichten. Forschungsaufenthalte führten ihn nach Mauritius, Namibia, Kenia, Sudan und Äthiopien. Auch nach seiner Emeritierung 2005/06 blieb er der Universität Hamburg als Lehrbeauftragter des Europa-Kollegs für das Thema Geschichte der europäischen Integration verbunden.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten waren Themen der Friedens- und Konfliktforschung im Bereich der internationalen Nord-Süd-Beziehungen. Er fungierte als Mitglied des Kuratoriums der Forschungsstelle der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg, als Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und seit 1977 als Mitglied des Vorstands und des Kuratoriums des Instituts für Afrika-Kunde (IAK) Hamburg, Vorläufer des GIGA-Institut für Afrika-Studien.

Tetzlaff übernahm im Sommersemester 2006 die Otto-von-Freising-Gastprofessur an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und lehrte von 2008 bis 2015 an der Jacobs University Bremen als Wisdom Professor of African and Development Studies. Seit 2016 wirkt er als Senior Research Fellow der Akademie der Weltreligionen Hamburg. Ebenfalls Seit 2016 ist er Mitglied der Jury für die Vergabe des Christiane-von-Rajewski-Preises der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK).

Schriften (Auswahl)

Monographien

Reader

Herausgeber mit Cord Jakobeit der Wissenschaftlichen Reihe Demokratie und Entwicklung im Lit-Verlag, Münster/Berlin

Artikel

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Ulf Engel, Cord Jakobeit, Andreas Mehler, Gunter Schubert (Hrsg.): Navigieren in der Weltgesellschaft. Festschrift für Rainer Tetzlaff (= Demokratie und Entwicklung. Band 58). Lit-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8258-8946-7. (lit-verlag.de)
  2. ↑ Rolf Hanisch, Rainer Tetzlaff (Hrsg.): Die Überwindung der ländlichen Armut in der Dritten Welt. Probleme und Perspektiven kleinbäuerlicher Entwicklungsstrategien. Metzner, 1979, S. 339
  3. 1 2 Tetzlaff, Rainer. In: Hamburger Professorinnen- und Professorenkatalog. Abgerufen am 9. Juni 2023.
  4. ↑ Rainer Tetzlaff. In: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender Online. degruyter.com, abgerufen am 9. Juni 2023 (begründet von Joseph Kürschner; ständig aktualisierte zugangsbeschränkte Onlineausgabe).
  5. ↑ Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 17. August 2018.
  6. ↑ Masterprogramm European and European Legal Studies – Lehrende. Europa-Kolleg Hamburg, abgerufen am 9. Juni 2023.
  7. ↑ Senior Research Fellows, Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg; Zugriff am 17. Oktober 2020.
  8. ↑ Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK): Christiane Rajewsky-Preis. 27. März 2017, abgerufen am 17. August 2018 (englisch).
Personendaten
NAME Tetzlaff, Rainer
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politologe und Afrikawissenschaftler
GEBURTSDATUM 5. Oktober 1940
GEBURTSORT Bad Salzbrunn, Landkreis Waldenburg, Provinz Niederschlesien