Rainer Mehren (geb. Uphues; * 1975) ist ein deutscher Geographiedidaktiker und Professor an der Universität Münster. Als Vorsitzender des Deutschen Hochschulverbandes für Geographiedidaktik (HGD) und Vertreter der Geographiedidaktik in der Gesellschaft für Fachdidaktiken (GFD) trägt er zur öffentlichen Wahrnehmung des Faches und dessen aktuellen Entwicklungen sowohl auf universitärer als auch auf schulischer Ebene bei. Seine Fachgebiete sind die Modellierung von Kompetenzmodellen zum Einsatz in der Unterrichtsplanung (vgl. Kompetenz (Pädagogik)) zur Förderung u. a. des systemischen Denkens (vgl. Systemdenken), die Förderung von Fachlichkeit in der Professionalisierung von Geographielehrkräften und die Arbeit mit Raumkonzepten (vgl. Basiskonzepte im Fachunterricht: Basiskonzept) und der Umgang mit doppelter Komplexität (faktisch und ethisch) im Geographieunterricht (vgl. Doppelte Kontingenz).
Rainer Mehren studierte Geographie, Biologie, Sozialwissenschaften und Interkulturelle Pädagogik für das Lehramt in den Sekundarstufen I und II an den Universitäten Greifswald und Münster (1994–2000). Für seine Dissertationsschrift Die Globalisierung aus der Perspektive Jugendlicher. Theoretische Grundlagen und empirische Untersuchungen (2007) erhielt er den Dissertationspreis des Hochschulverbandes für Geographiedidaktik. Er war Professor für Didaktik der Geographie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2008–2014) und an der Justus-Liebig-Universität Gießen (2014–2021), ehe er 2021 die Professur für Geographiedidaktik an der Universität Münster antrat.
In seiner Dissertationsschrift von 2007 setzte sich Mehren erstmals mit Fragen faktischer Komplexität auseinander, indem er in einer quantitativen Studie die Frage verfolgte, wie Jugendliche Prozesse der Globalisierung wahrnehmen und verstehen; zusammen mit dem Geographiedidaktiker Stefan Applis (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen) und der Erziehungswissenschaftlerin Juliane Engel (Goethe-Universität Frankfurt) führte er diese Forschung fort im DFG-Projekt Glokalisierte Lebenswelten: Rekonstruktion von Modi ethischen Urteilens im Geographieunterricht mit der dokumentarischen Methode (2015–2018). Zum Feld der faktischen Komplexität gehört in der Geographiedidaktik weiterhin die Forschung zum systemischen Denken: Hier leistete Mehren in Zusammenarbeit mit dem Geographiedidaktiker Armin Rempfler (PH Luzern) und dem Psychologen Johannes Hartig (Leibniz-Institut für Bildungsforschung) entscheidende Beiträge durch die Erstellung eines Kompetenzmodells zur Entwicklung des systemischen Denkens im DFG-Projekt Die empirische Überprüfung eines bildungstheoretisch hergeleiteten Kompetenzmodells zur geographischen Systemkompetenz (2018–2021). Im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und mit dem Geographiedidaktiker Janis Fögele (Universität Hildesheim) und der Bildungsforscherin Nina Roczen (Leibniz-Institut für Bildungsforschung) durchgeführten Projekt Messung von Systemkompetenz als Indikator im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (2018–2021) wurde diese Arbeit auf den Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) übertragen.
Angesichts vieler globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der internationalen Fluchtmigration ergibt sich eine hohe faktische Komplexität aufgrund einer Vielzahl an Variablen, deren Vernetzung, Dynamik, Intransparenz und räumliche Umfassendheit (von lokal bis global) schwer zu fassen sind; hinzu kommt eine hohe ethische Komplexität durch konkurrierende Wertmaßstäbe und unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Handlungsalternative angesichts einer komplexen faktischen Sachlage ethisch richtig ist. Hier setzt sich Mehren u. a. innerhalb von durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekten in Zusammenarbeit mit dem Geographiedidaktiker Stefan Applis (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen) für die Einführung von Unterrichtskonzepten an Schulen ein, die Schülerinnen und Schüler befähigen sollen, komplexe Entscheidungen innerhalb globaler Herausforderungsfelder zu treffen, die sich mit ihren Lebensfeldern überlagern.
In der Forschung zur Lehrerprofessionalisierung untersucht Mehren die Frage, wie fachwissenschaftliche Erkenntnisse in die unterrichtliche Praxis überführt werden können. Hierbei stehen Lehrpläne und subjektive Theorien von Lehrkräften zu unterrichtlichem Handeln oft fachwissenschaftlichen Erkenntnissen z. B. zum geographischen Raum (vgl. Raumkonzepte) und fachdidaktischen Erkenntnissen zur Wirksamkeit von Unterrichtsmethoden entgegen. Deshalb gilt es bereits im Studium die Entwicklung von Professionalität von Lehrkräften zu fördern, indem die Ausbildung eines wissenschaftlich-reflexiven Habitus angeregt wird. Mehren arbeitet hier in vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekten u. a. zum Experimentieren im Geographieunterricht und zum Einsatz digitaler Geomedien in der geographischen Lehrerbildung.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mehren, Rainer |
| ALTERNATIVNAMEN | Uphues, Rainer (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Geographiedidaktiker und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 1975 |