Ralph Lansky

Ralph Lansky (* 18. Juli 1931 in Riga; † 18. Juli 2025 in Kaltenkirchen) war ein deutscher Jurist, Bibliothekar und Rechtsbibliograf.

Leben

Ralph Lansky kam als Sohn deutschbaltischer Eltern in Riga (Lettland) zur Welt. Im Herbst 1939 wurde die Familie im Zuge der vom Deutschen Reich initiierten Umsiedlung der Deutsch-Balten in der Stadt Posen angesiedelt, wo Lansky die Grundschule und das Gymnasium besuchte. Anfang 1945 erfolgte über Pommern die Evakuierung der Familie nach Westdeutschland, zunächst nach Glandorf bei Osnabrück, dann nach Rheydt im Rheinland. Hier legte Ralph Lansky 1953 am Städtischen Neusprachlichen Gymnasium das Abitur ab. Danach studierte er Rechtswissenschaften in Köln und Bonn. Es folgten die Erste juristische Staatsprüfung in Düsseldorf und die Promotion zum Dr. jur. in Bonn sowie eine Ausbildung und Prüfung für den höheren Bibliotheksdienst in Köln.

Ab 1962 war er an der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main (seit 2005 Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg genannt) tätig, ab 1966 an der Universität Bonn als Leiter der Bibliothek des Juristischen Seminars und Fachreferent für Rechtswissenschaft an der Universitätsbibliothek, ab 1970 als Bibliotheksdirektor. Von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1993 wirkte er für die Bibliothek des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg, zunächst als Bibliotheksdirektor, ab 1983 als Leitender Bibliotheksdirektor.

Er gehörte zu den Begründern der Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen (AjBD). Von 1971 bis 1974 war er Vorsitzender dieses Zusammenschlusses juristischer Bibliothekare und Dokumentare aus den deutschsprachigen Staaten. Dem Vorstand gehörte er bis 1996 an. Als Rechtsbibliothekar förderte er diesen Berufsstand vielfältig durch berufliche Tätigkeit, Verbandsarbeit im deutschen und internationalen Bereich und eine Reihe von Veröffentlichungen. Diese erwiesen sich nicht nur für Bibliothekare als nützlich.

Zu seinem 60. Geburtstag erschien 1991 Bibliothek und Recht – international. Festschrift Ralph Lansky, herausgegeben von Jürgen C. Gödan und Holger Knudsen. 1996 wurde er von der AjBD zum Ehrenmitglied ernannt. Eine ähnliche Ehrung („Life Member“) war 1995 durch die International Association of Law Libraries (IALL) erfolgt. In diesem Weltverband der Rechtsbibliotheken war Lansky ebenfalls tätig.

Ralph Lansky starb am 18. Juli 2025 in Kaltenkirchen. Er wurde am 28. Juli 2025 auf dem Neuen Friedhof in Hamburg-Harburg im Familiengrab beigesetzt.

Nachlass

Seinen wissenschaftlichen Nachlass vermachte Lansky der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Dieser Nachlass ist seit 2009 im Nachlass-Magazin der SUB Hamburg aufgestellt und kann im Handschriften-Lesesaal benutzt werden.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Während der Promotionszeit (1957–1960) war er halbtags als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Bonn tätig, ferner 1958–1960 als Referendar im juristischen Vorbereitungsdienst (bis zur Ernennung zum Bibliotheksreferendar).
  2. ↑ Nebenamtlich war er Dozent für Wissenschaftskunde und Bibliografie der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Bibliotheksschule in Frankfurt a. M.
  3. ↑ Vorgänger: Hans Peter des Coudres, Nachfolger: Jürgen Christoph Gödan.
  4. ↑ Zusammen mit Agiro und Raimund-Ekkehard Walter begründete er auch die Wikipedia-Artikel Rechtsbibliothekar (ab 2011) und Rechtsbibliothek (ab 2015). Vergleiche hierzu auch Ralph Lansky, Gerd Hoffmann: Rechtsbibliothekare in der deutschsprachigen Wikipedia. In: Recht, Bibliothek, Dokumentation 44 (2014) S. 56–57.
  5. ↑ International Association of Law Libraries (IALL)
  6. ↑ Raimund-Ekkehard Walter: Zum Tod von Ralph Lansky (1931 – 2025). In: Auskunft. Zeitschrift für Archiv, Bibliothek und Information 46 (2026) S. 242.
  7. ↑ Nachlass- und Autographensammlung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
  8. ↑ Die Vorschriftensammlung geht auf eine Anregung von Clemens Köttelwesch zurück, dem damaligen Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main. – Ulrike Eich: Der Verein Deutscher Bibliothekare in der Nachkriegszeit. In: Verein Deutscher Bibliothekare 1900–2000. Festschrift. Hrsg. von Engelbert Plassmann und Ludger Syré. Harrassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04247-8, S. 136: „Eine weitere wichtige Leistung dieser Zeit, die Zusammenstellung der bibliotheksrechtlichen Bestimmungen, ist allerdings nicht im Rahmen einer Kommission erbracht worden; sie ist das Werk von Ralph Lansky, der zwar der juristischen Kommission angehörte, diese Arbeit aber alleine bewältigt hat.“
  9. ↑ Durch diese Veröffentlichung ist weitgehend überholt: Deutsche Bibliotheken für Rechtsvergleichung, ausländisches und internationales Recht. German libraries for comparative, foreign, and international law. Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen, Hamburg/Augsburg 1990, ISBN 3-926911-03-4. (Arbeitshefte der Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen. Nr. 14.)
  10. ↑ Durch diese Veröffentlichung ist weitgehend überholt: Handbuch der Bibliographien zum Recht der Entwicklungsländer. Handbook of bibliographies on law in the developing countries. Klostermann, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-465-01446-4.
  11. ↑ Recht, Bibliothek, Dokumentation – RBD. Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft für juristisches Bibliotheks- und Dokumentationswesen (AjBD).
  12. ↑ Setzt das oben angeführte Bibliographische Handbuch der Rechts- und Verwaltungswissenschaften fort. Kumuliert und ergänzt die in Recht, Bibliothek, Dokumentation erschienenen Fortsetzungen.