Raphael Gross

Raphael Gross (* 25. Dezember 1966 in Zürich) ist ein Schweizer Historiker und Museumsleiter, der insbesondere mit Publikationen zur deutsch-jüdischen Geschichte und zum Holocaust hervorgetreten ist. Er ist seit 2017 Präsident des Deutschen Historischen Museums. Zuvor war er von 2001 bis 2015 Direktor des Leo Baeck Instituts für das Studium der deutsch-jüdischen Geschichte und Kultur in London, von 2006 bis 2015 Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, von 2007 bis 2015 Direktor des Fritz Bauer Instituts zur Geschichte und Wirkung des Holocaust und anschließend bis 2017 Leiter des Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig.

Leben

Raphael Gross studierte von 1986 bis 1990 Geschichte, Philosophie und Literatur in Zürich, Berlin, Bielefeld und Cambridge. Danach war er Research Fellow am Franz-Rosenzweig-Institut der Hebräischen Universität Jerusalem und Stipendiat am Hamburger Institut für Sozialforschung. Im Jahr 1995 wurde er Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Gross wurde im Mai 1997 an der Universität Essen mit der Arbeit Carl Schmitt und die Juden. Strukturen einer deutschen Rechtslehre promoviert. Von 1997 bis 2001 war er wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum.

Von 2001 bis 2006 war er an der University of Sussex tätig, zuletzt als Reader in Geschichte sowie als Leiter des dortigen Zentrums für deutsch-jüdische Studien. Von 2001 bis 2015 war Gross Direktor des Leo Baeck Instituts in London, zudem Mitherausgeber des Leo Baeck Institute Yearbook und von 2007 bis 2015 Reader im Fachbereich Geschichte an der Queen Mary, University of London. Parallel dazu war er von 2006 bis Ende 2015 Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, wo er unter anderem für die Ausstellungen Juden. Geld. Eine Vorstellung, Fritz Bauer – Der Staatsanwalt, 1938. Kunst, Künstler, Politik, Raub und Restitution und Ignatz Bubis. Ein jüdisches Leben in Deutschland verantwortlich zeichnete. Von 2007 bis 2015 war Gross auch Direktor des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main und von 2008 bis 2015 lehrte er als Honorarprofessor am Historischen Seminar der Universität Frankfurt.

Von 2015 bis 2017 leitete er das Dubnow-Institut (seit 2018: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow) in Leipzig und war Professor an der dortigen Universität als Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur. Er war bis 2017 Herausgeber des Jahrbuchs des Simon-Dubnow-Instituts.

Am 24. November 2016 wurde Raphael Gross zum Präsidenten der Stiftung Deutsches Historisches Museum berufen und übernahm das Amt am 15. April 2017. 2018 fand das erste Symposium in der neuen Reihe „Historische Urteilskraft“ statt. Das gleichnamige Magazin des Deutschen Historischen Museums erschien erstmals 2019. Am 9. Oktober 2020 beschloss der Deutsche Bundestag, die Planung eines neuen Zentrums in Berlin, das die Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft in Europa während des Zweiten Weltkrieges dokumentiert, Wissen über die historischen Ereignisse vermittelt und Raum für Gedenken an die Opfer gibt. Mit dem Beschluss des Deutschen Bundestags vom 19. Oktober 2023, das Deutsche Historische Museum mit der Realisierung des Zentrums zu betrauen, hat die Arbeit an der Umsetzung begonnen.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels berief Raphael Gross am 30. Januar 2020 in den Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. Seine Amtszeit endete 2026.

Im Zuge der Weiterentwicklung der „Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter, insbesondere aus jüdischem Besitz“ wurde Raphael Gross am 9. November 2016 als Mitglied berufen.

Am 12. Mai 2023 beauftragten ihn Stadt und Kanton Zürich sowie die Zürcher Kunstgesellschaft mit der Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung E. G. Bührle. Sein Bericht erschien am 26. Juni 2024. Dort heisst es, dass die bisher geleistete Provenienzforschung „gegenwärtig weder eine umfängliche Kontextualisierung der Sammlung, der Geschichte der Vorbesitzer*innen, der Provenienzen der Werke und der Person Emil G. Bührles gewährleisten“ könne, noch liesse „sich auf dieser Grundlage sicherstellen, dass im Kunsthaus Zürich keine Werke gezeigt werden, zu denen substantiierte Hinweise auf NS-verfolgungsbedingten Entzug vorliegen“.

Im Jahre 2026 wurde Gross zum Vorsitzenden der neu eingerichteten Unabhängigen Kommission NS-Raubgut in Bayern berufen. Die Kommission entwickelt Richtlinien und Prioritäten für die Provenienzforschung an einem neu zu errichtenden Zentrum für Provenienzforschung, das am Institut für Zeitgeschichte in München eingerichtet werden soll.

Schriften (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaften

Ausstellungen (Auswahl)

Am Deutschen Historischen Museum

Am Jüdischen Museum Frankfurt am Main

Preise und Auszeichnungen

Mitgliedschaften und Beiratstätigkeiten

Aktuelles Forschungsprojekt

Einzelnachweise

  1. ↑ Florian Leclerc: Raphael Gross verlässt Frankfurt, in: Frankfurter Rundschau, 28. März 2015, S. D8 (auch online verfügbar)
  2. ↑ Geschichte. Wer war Simon Dubnow? Das Institutsgebäude. In: dubnow.de. Abgerufen am 10. Juli 2021.
  3. ↑ Jahrbuch des Dubnow-Instituts. In: dubnow.de. Abgerufen am 7. August 2018 (englisch).
  4. ↑ Deutsches Historisches Museum: Historiker Raphael Gross zum neuen Präsidenten berufen (Abgerufen am 24. November 2016)
  5. ↑ Historische Urteilskraft. dhm.de, abgerufen am 31. März 2025.
  6. ↑ Historische Urteilskraft | Das Magazin des Deutschen Historischen Museums. dhm.de, abgerufen am 31. März 2025.
  7. ↑ Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Kultur und Medien (22. Ausschuss) zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung – Drucksache 20/1845 – Realisierungsvorschlag zur Errichtung eines Dokumentationszentrums „Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzungsherrschaft in Europa“ (PDF; 0,2 MB), auf dserver.bundestag.de
  8. ↑ Dokumentationszentrum „Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzung in Europa“ - Deutsches Historisches Museum. Abgerufen am 31. März 2025.
  9. ↑ Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Raphael Gross und Moritz Helmstaedter vervollständigen Stiftungsrat. In: buchreport.de. 30. Januar 2020, abgerufen am 7. Mai 2020.
  10. ↑ Hadija Haruna-Oelker und Mirjam Zadoff neu im Stiftungsrat. In: boersenblatt.net. Abgerufen am 12. Februar 2026 (Nominierung von Hadija Haruna-Oelker und Mirjam Zadoff).
  11. ↑ Weiterentwicklung der Beratenden Kommission NS-Raubgut. 10. November 2016, abgerufen am 27. März 2025.
  12. ↑ Raphael Gross für Evaluation Provenienzforschung Sammlung Bührle mandatiert – Stadt Zürich. Abgerufen am 3. Juli 2024.
  13. ↑ Überprüfung der Provenienzforschung der Stiftung Sammlung E. G. Bührle – Stadt Zürich. Abgerufen am 3. Juli 2024.
  14. ↑ Bericht Evaluation Provenienzforschung, S. 129. 26. Juni 2024, abgerufen am 27. März 2025.
  15. ↑ „Wir haben uns unserer historischen Verantwortung gestellt“ Neuausrichtung der Provenienzforschung in Bayern – Bayerisches Landesportal. Abgerufen am 15. September 2026.
  16. ↑ Ministerpräsident Volker Bouffier verleiht Wilhelm Leuschner-Medaille (Memento vom 11. November 2013 im Internet Archive)
  17. ↑ Moses Mendelssohn Award for Raphael Gross after Lecture on Anne Frank. Abgerufen am 28. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).
  18. ↑ Ehrenplakette. Abgerufen am 11. April 2024.
  19. ↑ Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Raphael Gross un... Abgerufen am 28. Mai 2020.
  20. ↑ Beratende Kommission. In: beratende-kommission.de. Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz, 2021, archiviert vom Original am 14. Januar 2022; abgerufen am 14. Januar 2022.
Personendaten
NAME Gross, Raphael
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Historiker
GEBURTSDATUM 25. Dezember 1966
GEBURTSORT Zürich