| Rathaus Czernowitz | |
|---|---|
Rathaus am Ringplatz/Zentralplatz | |
| Daten | |
| Ort | Czernowitz |
| Architekt | Andreas Mikulicz-Radecki, Adolf Marin |
| Baustil | Spätklassizismus |
| Bauzeit | 1843–1847 |
| Koordinaten | 48° 17′ 29,8″ N, 25° 56′ 4,9″ O |
Das Rathaus Czernowitz (ukrainisch Чернівецька ратуша Tscherniwezka ratuscha) ist das historische Rathaus von Czernowitz. Es steht an der Nordwestseite des ehemaligen Ringplatzes, des heutigen Zentralplatzes (Zentralna ploschtscha), und bildet dessen städtebaulichen Mittelpunkt. Das spätklassizistische Gebäude wurde von 1843 bis 1847 nach Plänen des Architekten Andreas Mikulicz-Radecki und des Bukowiner Kreisingenieurs Adolf Marin errichtet.
Das Rathaus dient weiterhin als Sitz des Stadtrats von Czernowitz und des Bürgermeisters. Es ist ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung und wird im staatlichen ukrainischen Denkmalregister unter der Nummer 240137 geführt.
Pläne für ein eigenes Rathaus entstanden bereits in den 1820er Jahren. Die Bukowiner Kreisverwaltung beabsichtigte zunächst, den Verwaltungssitz in der tiefer gelegenen Unterstadt in Richtung des Pruth zu errichten. Kreisingenieur Adolf Marin setzte sich dagegen für den Ringplatz ein, da er die künftige Entwicklung der Stadt in südlicher Richtung erwartete. Mit der Umwandlung der bisherigen Stadtverwaltung in einen Magistrat im Jahr 1832 gewann das Vorhaben zusätzlich an Bedeutung.
Kaiser Ferdinand I. genehmigte am 16. Oktober 1840 den Erwerb des vorgesehenen Grundstücks. Im März 1841 bestätigten die Behörden den Kaufvertrag mit der Familie Petrowicz, in dessen Zuge der Magistra 8000 Gulden zahlte. Der Grundstein wurde am 19. April 1843 gelegt. Die Einweihung des Bauplatzes nahm der orthodoxe Bischof Eugen Hakmann unter Beteiligung anderer Geistlicher vor.
Die Planung und Bauausführung lagen bei Andreas Mikulicz und Adolf Marin. Während der Arbeiten wurde der ursprüngliche Entwurf verändert und unter anderem um ein drittes Geschoss erweitert. Im Juli 1847 meldete das ausführende Bauunternehmen Mendel Amster die Fertigstellung. Die förmliche Übernahme des Gebäudes durch die öffentliche Baukommission erfolgte im März 1848. Eine geplante Eröffnungsfeier wurde wegen der Nachrichten über die Revolution in Wien abgesagt.
Das Rathaus nahm neben den Räumen des Magistrats zunächst unterschiedliche kommunale Einrichtungen auf. Im Erdgeschoss befanden sich unter anderem die städtische Registratur, die Kasse, das Katasteramt, Räume der Polizei sowie Arrestzellen. Im ersten Obergeschoss lagen der Sitzungssaal und die Amtsräume, während das oberste Geschoss teilweise als Wohnung des Bürgermeisters und weiterer Beamter diente. Einzelne Räume des Erdgeschosses wurden später zur Senkung der Unterhaltungskosten an Gewerbetreibende vermietet.

Am 6. August 1917 wurde Kaiser Karl I. nach der Rückeroberung der Stadt von russischen Truppen vor dem Rathaus empfangen. Nach dem Ende der Habsburgermonarchie blieb das Gebäude sowohl während der rumänischen als auch während der sowjetischen Herrschaft Sitz der jeweiligen Stadtverwaltung. Seit den 1930er Jahren wird es ausschließlich für Verwaltungszwecke genutzt.
Nach der staatlichen Unabhängigkeit der Ukraine wurden am Gebäude das heutige Stadtwappen und die ukrainische Flagge angebracht. Heute sind im Rathaus der Stadtrat, dessen Exekutivkomitee und das Amt des Bürgermeisters untergebracht.
Das Rathaus ist im Stil des Spätklassizismus erbaut, weist jedoch bereits Elemente des italienischen Renaissancepalastes auf. Das Gebäude ist ein dreigeschossiger verputzter Ziegelbau auf einem massiven Steinfundament. Seine annähernd trapezförmigen Gebäudeflügel umschließen einen etwa quadratischen Innenhof. Die auf den Zentralplatz ausgerichtete Hauptfassade ist symmetrisch gegliedert. Ihr vorspringender Mittelteil wird durch sechs Pilaster, ein kräftiges Gebälk und einen Attikabereich hervorgehoben. Das rustizierte Erdgeschoss öffnet sich im zentralen Bereich in Rundbogenarkaden. Die beiden Obergeschosse werden durch hochrechteckige beziehungsweise rundbogige Fenster zusammengefasst. Von links nach rechts verlaufend befinden sich im Dachkandelbereich zweisprachig in ukrainischer und lateinischer Sprache die Lettern des Wahlspruchs von Kaiser Franz Joseph I. Спільними зусиллями (links), Viribus Unitis (rechts) – „Mit vereinten Kräften“ sowie mittig der Schriftzug Чернівецька Міська рада („Stadtrat von Czernowitz“).
Der rund 50 Meter hohe Turm erhebt sich hinter dem Mittelrisalit. Sein oberes Geschoss besitzt eine umlaufende Galerie und große, nach mehreren Seiten ausgerichtete Uhren. Bekrönt wird er von einem flachen Zeltdach, einer kupfernen Kugel und einem Flaggenmast. Ursprünglich befand sich auf der Spitze ein etwa zwei Meter hoher österreichischer Doppeladler. Neben der Turmuhr besitzt das Gebäude eine zweite Uhr über dem Haupteingang. Sie war ein Geschenk des langjährigen Bürgermeisters Anton Kochanowski von Stawczan, der die Stadt mit Unterbrechungen zwischen 1866 und 1892 leitete.
Der Turm erfüllte neben seiner repräsentativen Funktion auch Aufgaben der Feuerbeobachtung. Von ihm aus konnten Brände im Stadtgebiet erkannt und durch optische Signale angezeigt werden.
Das Rathaus wurde 1979 unter der Nummer 1738 in die staatliche Denkmalliste der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik aufgenommen.
Seit dem 12. November 2004 steigt täglich um zwölf Uhr ein Trompeter in bukowinischer Tracht auf die Turmgalerie und spielt in die vier Himmelsrichtungen die Melodie des Liedes „Maritschka“ (Марічка). Das von Stepan Sabadasch komponierte Lied gilt als inoffizielle musikalische Hymne der Stadt.