Rautie

Rautie bei einer Ausstellung, 2020

Michael Heinz Rautenberg (* 14. Februar 1968 in Hanau), bekannt als Rautie, ist ein deutscher Comiczeichner, Maler, Trickfilmer, Werbegrafiker und DJ.

Karriere

Bereits im Alter von zehn Jahren wollte Rautenberg, den Mareike Geringswald in der Frankfurter Rundschau „Herr der Strichmännchen“ nannte, Comiczeichner werden. Im Teenageralter wurde er wegen seines exzessiven Tanzstils von seinen Freunden „Rowdy“ genannt. Den Namen wandelte er in Rautie um und behielt diesen Namen als Künstlernamen bis heute.

Neben Comiczeichnern wie Hergé und Jacques Tardi übte vor allem der Punk einen großen Einfluss auf ihn aus. Er versuchte die Haltung und Musik des Punk in seinen Comics umzusetzen.

Seine ersten Comics veröffentlichte er 1986 in dem Fanzine Action Lines, dass er zusammen mit Jörg Ritter erstellte.

Von 1989 bis 1995 war Rautie Mitglied der Band Kaktuxxe. Er war dort nicht als Musiker tätig, sondern als „Visual Artist“. Während der Proben der Band fertigte er Zeichnungen an, die bei Livekonzerten über die Bühne projiziert wurden. Er gestaltete auch das Artwork zu den Veröffentlichungen der Band.

1990 gründete Rautie mit Freunden, u. a. Frank „Frunk“ Sander, Jörg Ritter und den Brüdern Carsten „Raul“ und Torsten „Tvuzk“ Kauke, die bei den Kaktuxxen Bass und Gitarre spielten, das Hanauer Stadtmagazin Banane, indem er erstmals seine Comics veröffentlichte. Mit der letzten Ausgabe dieses Magazins erschien im Dezember 1990 ein Comicheftchen im Piccolo-Format mit dem Titel KiX. Ab April 1991 erschienen die KiX-Piccolo-Heftchen bis 1995 regelmäßig in insgesamt 29 Ausgaben. Sie enthielten Comics von Rautie, den Kauke-Brüdern, Jörg Ritter, Klaus Cornfield, Nicolas Kaiser und anderen Zeichnern.

Mit Texter Raul schuf Rautie die Comicserie Willy the Kid. Seit 1996 erscheinen die Willy-the-Kid-Comicstrips wöchentlich im Hanauer Anzeiger. Die beiden Künstler fertigten auch verschiedene animierte Willy-the-Kid-Videoclips an. Es erschienen bisher mehrere Hefte und zwei Sammelbände der Serie. 2019 wurde das Heft Willy the Kid #25: Alles im grünen Bereich beim Comicfestival München mit dem ICOM Independent Comic Preis als bestes Kurzcomic ausgezeichnet.

Im Jahr 2000 wurde Rauties Comicband Heinz und Pifie: Nanu-Ragout aus Dosen beim Comic Salon Erlangen mit dem ICOM Independent Comic Preis als bester Comic ausgezeichnet.

Wiederum mit Raul kreierte Rautie die Serie Familie Rappelrübe, die seit 2002 regelmäßig in dem Offenbacher Familienmagazin Rappel-Post erscheint. Die Rappelrübe-Geschichten erschienen von 2015 bis 2016 auch wöchentlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch von Familie Rappelrübe erschien ein Sammelband.

2004 fertigte er für die Boxhamsters das Musikvideo zu dem Song Beende Deine Jugend an.

2009 belegte er bei dem Cartoon- und Comic-Wettbewerb Europa und Bürgerschaft der Europäischen Union den 2. Platz. Im selben Jahr fertigte er für die Band Superstolk ein Musikvideo zu dem Song Rolltreppe Abwärts an.

Für den Spieleverlag Mücke Spiele illustrierte Rautie zwischen 2011 und 2014 verschiedene Brett- und Kartenspiele. Er gestaltet für den Verlag auch die Webcomic-Serie Familie Pöppel.

Für den Song Drugstore Girl des Singer-Songwriters Reverend Schulzz schuf Rautie 2011 ein animiertes Musikvideo. 2017 veröffentlichte Schulzz die CD In the Land of the One Eyed Cat. Rautie ließ sich von jedem der Zehn auf der CD enthaltenen Songs zu einem Gemälde inspirieren und malte auch das Cover. Der CD lag ein 24-seitiges Booklet bei, das die Songtexte von Schulzz und die Bilder von Rautie enthielt. Die Bilder wurden zur Release-Party der CD ausgestellt und erschienen auch in einem Portfolio mit zwölf Kunstdrucken. Ebenfalls 2017 gestaltete Rautie Cover und Beiheft der CD Canciones Serias para Noches Tristes der Band Jonny Hates Rock um den Hanauer Autor und Musiker Robsie Richter. 2020 folgten Coverillustrationen für Veröffentlichungen von Die Radierer und der Band Krank aus Velbert.

Im selben Jahr veröffentlichte er im Selbstverlag die erste Ausgabe des von ihm illustrierten Hanauer Stadtmagazins Tinnitussi. Das Heft entstand in Zusammenarbeit mit dem Hanauer Autor Norman Schlimmer und anderen.

Seit den späten neunziger Jahren werden seine Gemälde, die er meist in Acryl auf Leinwand anfertigt, in verschiedenen Ausstellungen gezeigt. So beispielsweise 1999 im Hessischen Puppenmuseum, 2013 im Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen oder 2015 zum Tag des Friedhofs auf dem Hanauer Hauptfriedhof. Die Galerie Freihafen in Hanau widmete Rautie 2020 unter dem Titel Rautie Doku eine mehrwöchige Werkschau. 2021 eröffnete er die Kunst-Haltestelle, eine kleine Galerie in Hanau, in der er seine Gemälde zum Verkauf anbietet.

Rautie designed und vertreibt eine ganze Palette unterschiedlichster Merchandising-Produkte wie T-Shirts, Rucksäcke, Frühstücksbrettchen und Apfelwein-Bembel. Er vermarktet seine Comics, Bilder, Textilien und Sammelobjekte vorwiegend selbst. So verkauft er seine Produkte in Rauties Art Kiosk, einer mobilen Verkaufsbude, mit der er Feste und Festivals bereist. Unter demselben Namen betreibt er gelegentlich auch Pop-Up-Stores in Hanau.

Er hat eine unüberschaubare Anzahl von verschiedenen Postkarten und Buttons veröffentlicht. Seine Buttons vertreibt er auch über die sogenannten Rautomaten. Das sind Kaugummiautomaten, an denen man die Buttons zieht, aber auch Comics oder Produkte aus seinem Merchandisingprogramm gewinnen kann.

Im Auftrag des Jugendbildungswerk Hanau bietet Rautie regelmäßig verschiedene Comic- und Kunstworkshops an. Ebenso an der Volkshochschule Hanau.

Im Auftrag verschiedener privater und öffentlicher Träger gestaltet er Fahrzeuge mit Comicmotiven. So beispielsweise 2011 einen Märchenexpress genannten Stadtbus der Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig, der zwischen Frankfurt und Hanau pendelt. Die Firma Rietze Automodelle produzierte 2012 ein Modell des Märchenexpress im Maßstab H0 (1:87), das von Schuco vertrieben wird.

Regelmäßig ist Rautie, ein Sammler von Vinyl-Schallplatten, auch als DJ tätig. In verschiedenen Veranstaltungslokalen legt er bei den Veranstaltungen Songs for the Deaf und Ahoi! hauptsächlich Punkrock sowie Musik aus verschiedenen Sparten des Independent- und Alternative-Rock auf.

Ab 2019 starteten Rautie, Jörg Ritter, Carsten und Torsten Kauke die Serie der KiX-Hefte ab der Nummer 30 in neuem Format wieder neu. Zu diesem Zweck gründete Rautie mit Torsten Kauke den Kix-Verlag, in dem seine Veröffentlichungen seitdem erscheinen.

2021 erhielt Rautie den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises. Zu diesem Anlass erschien eine Sonderausgabe des Magazins Instant, die ausschließlich seinem Werk gewidmet ist.

Im Kix-Verlag erschien 2024 ein über 300 Seiten starkes Best Of Rautie. Die von Norman Schlimmer zusammengestellte und edierte Kompilation präsentiert Comics, Illustrationen und Gemälde aus den Jahren 1990 bis 2024.

Biografisches und Privatleben

Rautenberg wurde in Hanau geboren und lebt dort mit Frau und zwei Söhnen bis heute. Er besuchte die Brüder-Grimm-Schule und ging danach an die Otto-Hahn-Schule in Hanau, wo er den Hauptschulabschluss machte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Werbegrafiker.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Comics

Einzelbände

Serie Coco Fisch

Serie Familie Rappelrübe. mit Raul C.O. Kauke.

Serie Fitzgerald

Serie Stuss

Serie Willy the Kid. mit Raul C.O. Kauke.

Anthologien und Sammelbände

Daumenkinos

Illustrationen

Bücher

Tonträger

Spiele

Musikvideos

Einzelnachweise

  1. ↑ Mareike Geringswald: Herr der Strichmännchen. In: Frankfurter Rundschau. 20. Juli 2010, abgerufen am 18. Juli 2017.
  2. 1 2 Judith Brosel: Strichmännchen statt Superhelden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. April 2016, abgerufen am 18. Juli 2017.
  3. ↑ Torsten Kauke: Die historischen KIX Bands. auf Kixcomics.de, abgerufen am 18. Juli 2017.
  4. ↑ Erwin Lloechner: 1000 Jahre Kaktuxxe. In: Der innere Schweinehund. Fanzine, Nr. 38. Torsten Kauke Selbstverlag, Hanau Dezember 1999.
  5. ↑ Holger Münch: KIX, das Insekt und die Kleine Hexe. In: Hanauer Anzeiger. Hanau August 1992.
  6. ↑ Torsten Kauke: Eine kurze KIX-Geschichte. (PDF) auf Kixcomics.de, November 2002, abgerufen am 18. Juli 2017.
  7. ↑ Elke R. Steiner: Hamburger, Pommes, Fischstäbchen und Nudeln. In: Der Tagesspiegel. 5. September 2010, abgerufen am 18. Juli 2017.
  8. ↑ Torsten Kauke: Die Willy The Kid Filme. Kixblog, 30. Januar 2009, abgerufen am 19. Juli 2017.
  9. ↑ Die Gewinner des ICOM Independent Comic Preises 2019. auf der Homepage des Interessenverband Comic, abgerufen am 25. Juni 2019.
  10. ↑ Matthias Hofmann: Familie Rappelrübe. Splashcomics, 1. September 2010, abgerufen am 19. Juli 2017.
  11. ↑ Comic Rappelrübe. auf der Archivseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, abgerufen am 20. Juli 2017.
  12. ↑ Linus Volkmann: Es hat sich einiges angehäuft in diesem Leben - Boxhamsters. Intro, 26. Mai 2004, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Februar 2018; abgerufen am 18. Juli 2017.
  13. ↑ Lvt: Die vielen Gesichter Europas. In: Der Tagesspiegel. 3. April 2009, abgerufen am 19. Juli 2017.
  14. ↑ Grafiker Rautie. auf Mücke-Spiele.de, 20. März 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Februar 2018; abgerufen am 18. Juli 2017.
  15. ↑ Dieter Kögel: Reverend singt und Rautie zeichnet dazu. In: Offenbach Post. 16. Mai 2017, abgerufen am 19. Juli 2017.
  16. ↑ Torsten Kauke: Playmobilismus Art. In: Der innere Schweinehund. Fanzine, Nr. 38. Torsten Kauke Selbstverlag, Hanau Dezember 1999.
  17. ↑ Rainer Kabbert: Es dreht sich alles um Comics. In: Weser Kurier. 19. September 2013, abgerufen am 20. Juli 2017.
  18. ↑ Reinhold Offermann: Lebende an die Gräber holen. In: Main Echo. 28. August 2015, abgerufen am 19. Juli 2017.
  19. ↑ Rautie DOKU im Freihafen Hanau. In: Mainkind Magazin. 30. September 2020, abgerufen am 25. Oktober 2021.
  20. ↑ Rauties Kunst-Haltestelle. auf Rautie.de, abgerufen am 5. August 2021.
  21. ↑ Comic-Zeichner Rautie lässt sich im Art-Kiosk am Freiheitsplatz über die Schulter schauen. Hanauer Anzeiger, 3. November 2006, abgerufen am 19. Juli 2017.
  22. ↑ Finde die Rautomaten. auf Rautie.de, abgerufen am 19. Juli 2017.
  23. ↑ Workshops mit Rautie. Jugendbildungswerk auf Hanau.de, abgerufen am 18. Juli 2017.
  24. ↑ Comiczeichnen mit Rautie - Wochenendworkshop. auf VHS-Hanau.de, 2017, abgerufen am 19. Juli 2017.
  25. ↑ Ute Fiedler: Märchen-Express rollt. In: Frankfurter Rundschau. 6. Mai 2011, abgerufen am 19. Juli 2017.
  26. ↑ Rietze Modell 66594 Märchenexpress. auf Modellbus-Archiv.de, abgerufen am 19. Juli 2017.
  27. ↑ Das ist Rautie. auf Rautie.de, abgerufen am 19. Juli 2017.
  28. ↑ Anja Laud: Main-Kinzig-Kreis verleiht Kulturpreis. In: Frankfurter Rundschau. 22. Oktober 2021, abgerufen am 25. Oktober 2021.
Personendaten
NAME Rautie
ALTERNATIVNAMEN Rautenberg, Michael (wirklicher Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Comic-Zeichner
GEBURTSDATUM 14. Februar 1968
GEBURTSORT Hanau