| recherche nord | |
|---|---|
| Gründung | 2004 |
| Zweck | Medienprojekt |
| Schwerpunkt | Extreme Rechte, Neonazismus |
| Website | https://recherche-nord.com/ |
Recherche-Nord ist ein seit dem Jahr 2004 bestehendes Recherche- und Medienprojekt freier Journalisten und Fotografen, das systematisch die rechtsextreme Szene in Deutschland dokumentiert und zu ihren Strukturen und Vernetzungen recherchiert. Die von Recherche-Nord veröffentlichten Informationen und Bildmaterialien werden regelmäßig von überregionalen Medien, in der Fachliteratur sowie in der politischen Bildungsarbeit verwendet. Im November 2025 erhielt das Kollektiv den Georg-Elser-Preis der Stadt München für Zivilcourage.
Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der investigativen und audiovisuellen Dokumentation von Veranstaltungen der rechtsextremen Szene. Ein besonderer „Fokus liegt dabei auf der militanten Neonaziszene, deren Strukturen, Verflechtungen und Untergrundaktivitäten [...] Dabei agiert das Kollektiv konsequent unabhängig – weder im Auftrag von Medienhäusern noch von politischen Organisationen – und orientiert sich allein am demokratischen Auftrag, gesellschaftliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und öffentlich zu machen“, wie es in einer Beschreibung des Medienprojekts durch die Stadt München heißt. Diese Sichtbarmachung sonst verborgener Strukturen verleihe laut der Journalistin Nora Gantenbrink dem Material der Recherche-Nord eine besondere Relevanz: durch deren Arbeit sähe man „ein Land, von dem man sich wünschte, man hätte es nie gesehen.“ Da die Recherche-Nord auf diese Weise Zugang zu Räumen und Netzwerken schafft, die anderen Medien, Forschung und der breiten Öffentlichkeit sonst verschlossen blieben, dient ihr Material regelmäßig als Quelle für journalistische Berichterstattung, Fachliteratur sowie politische Bildungsarbeit. Die Recherche-Nord zähle nach Ansicht des DJV-Vorsitzenden Mika Beuster zu den „engagiertesten Aufklärer[n]“ im Themenfeld.
Das Medienprojekt dokumentiert Veranstaltungen der rechtsextremen Szene sowohl offen als auch verdeckt – auch wenn diese gegenüber der Öffentlichkeit abgeschirmt sind. Dazu heißt es, die Recherche-Nord arbeite „ob offen mit Drohnen und Hebebühne oder verdeckt eingegraben im Waldboden [...] häufig, ich möchte meinen erschreckend häufig auch dort vor Ort, wo Ordnungs- und Sicherheitsbehörden es nicht sind, oder jedenfalls nicht erkennbar sind“. Ein Beispiel ist eine Sonnenwendfeier der rechtsextremen Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) im Juni 2024 auf einer durch Sichtschutz abgeschirmten Liegenschaft im niedersächsischen Eschede.
Der Einsatz einer Hebebühne zur journalistischen Dokumentation abgeschirmter rechtsextremer Veranstaltungen war auch Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung: Das Verwaltungsgericht Lüneburg erklärte 2025 ein polizeiliches Verbot, eine Hebebühne und/oder Drohne zur Überwindung eines Sichtschutzzauns zur Dokumentation einer rechtsextremen Veranstaltung einzusetzen, im Eilverfahren für rechtswidrig.
Das Projekt verfügt über ein seit Jahrzehnten gewachsenes Archiv über rechtsextreme Aktivitäten. Diese systematische Langzeitdokumentation, bzw. „dieses Gedächtnis“, wie es Matern Boeselager in der VICE beschreibt, macht die Arbeit der Recherche-Nord auch nachträglich, etwa für historische Aufarbeitung oder wissenschaftliche Auswertung relevant. Im November 2025 hatte das Kollektiv bereits fast drei Millionen Fotos erstellt.
Seit dem Frühjahr 2008 veröffentlicht Recherche-Nord auf einer eigenen Internetplattform. Nach eigenen Angaben wurde die Plattform eingerichtet, um Rechercheergebnisse und Hintergrundinformationen über organisierte Neonazis unabhängig und öffentlich zugänglich zu machen. Die Beiträge stützen sich sowohl auf eigene Recherchen und Fotodokumentationen als auch auf Informationen und Bildmaterial, die dem Kollektiv von Dritten zugetragen werden.
Im Zentrum stehen fotografische Bilderstrecken, die häufig durch journalistische Einordnungen ergänzt werden: Hintergrundtexte beschreiben die dokumentierten Veranstaltungen und ordnen sie in größere rechtsextreme Netzwerke und Entwicklungen ein. Das Archiv deckt Ereignisse aus verschiedenen Regionen Deutschlands sowie dem angrenzenden europäischen Ausland ab und reicht bis in die Anfangsjahre der Plattform zurück. Neben Fotografien und Texten veröffentlicht Recherche-Nord auch audiovisuelles Material, insbesondere Videoaufnahmen von Veranstaltungen der extremen Rechten, mit denen Personen, Ereignisse und Situationen dokumentiert werden.
Ein Schwerpunkt der frühen Arbeit von Recherche-Nord war die Dokumentation der rechtsextremen Jugendorganisation Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ): Zwischen 2006 und 2008 dokumentierte das Projekt mehrere Zeltlager der Organisation, darunter Pfingsttreffen in Eschede und Zschadraß; bei letzterem belegten Aufnahmen einen Verstoß gegen das geltende Uniformierungsverbot, der später auch strafrechtlichen Ermittlungen und Verurteilungen zugrunde lag. Aufgrund ihrer „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus, insbesondere mit der früheren Hitlerjugend“ wurde die Organisation am 31. März 2009 vom deutschen Innenminister Wolfgang Schäuble mit sofortiger Wirkung verboten.
Im Jahr 2018 wurden Fotografien veröffentlicht, die den damaligen AfD-Landesvorsitzenden von Brandenburg, Andreas Kalbitz, bei einem HDJ-Pfingslager in Eschede zeigten. Kalbitz räumte seine Teilnahme daraufhin ein. Die Aufnahmen sowie weitere Erkenntnisse zu seinen HDJ-Verbindungen wurden später zentraler Bestandteil der Debatte um seine AfD-Mitgliedschaft, die der Bundesvorstand der Partei am 15. Mai 2020 annullierte – als wesentlicher Grund wurde die nicht angegebene frühere Mitgliedschaft beziehungsweise Verbindung zur Heimattreuen Deutschen Jugend angeführt.
Nach dem Verbot der HDJ im März 2009 dokumentierte Recherche-Nord zudem personelle und organisatorische Überschneidungen zwischen ehemaligen HDJ-Aktivisten und der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN, heute Junge Nationalisten), etwa den Wechsel früherer HDJ-Mitglieder in JN-Führungsfunktionen sowie die JN-Interessengemeinschaft „Fahrt und Lager“, deren Aktivitäten nach Darstellung von Recherche-Nord an frühere HDJ-Strukturen anknüpften. Die Recherchen stellten dabei auch die Frage nach einer möglichen Fortführung der durch das HDJ-Verbot unterbrochenen Strukturen und dokumentierten hierzu konkrete personelle Überschneidungen.
Im März 2025 dokumentierte das Projekt die Gründung des sogenannten „JN-Mädelbundes“, der Frauenorganisation der JN, auf dem „Heimathof“ in Eschede sowie eines Gemeinschaftstages im sächsischen Töpeln. Die Veranstaltung wurde im Rahmen einer monatelangen Undercover-Recherche der Journalistin Angelique Geray für das Magazin stern und RTL begleitet. Geray nahm unter falscher Identität an Veranstaltungen der JN teil und war auch beim Gründungstreffen des Mädelbundes anwesend. Recherche-Nord unterstützte die Recherche und stellte unter anderem Expertise und Bildmaterial zur Verfügung. Auch wurde die Journalistin bei Einsätzen verdeckt begleitet. Die Ergebnisse flossen in mehrere Veröffentlichungen über die Rekrutierung von Jugendlichen, insbesondere junger Frauen und die Aktivitäten der JN ein.
Im September 2013 wurde bekannt, dass das niedersächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) über Jahre hinweg ohne Rechtsgrundlage Daten über Journalisten gesammelt hatte, die zur rechtsextremen Szene recherchierten.
Nach einem Bericht des Magazins Der Spiegel stieß die Behörde bei weiteren Prüfungen ihrer Datenbank auf sieben zusätzliche Fälle, zu denen auch der Journalist André Aden vom Medienprojekt der Recherche-Nord zählte. Maren Brandenburger sprach in diesem Zusammenhang von einem „Organisationsversagen“ ihrer Behörde: „Offenbar wurden nicht einmal die Referatsleiter darüber informiert, welche Namen ihre Mitarbeiter in das interne System einpflegten“, verbindliche Verfahrensvorschriften habe es dafür nicht gegeben. Der damalige niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) ließ daraufhin sämtliche rund 9.000 personenbezogenen Datenspeicherungen des niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz von einer eigens eingesetzten „Task Force“ überprüfen. Deren Abschlussbericht vom 13. Mai 2014 fiel deutlich schärfer aus als erwartet: 1.937 Speicherungen (rund 21,5 Prozent), darunter auch die von André Aden, waren rechtswidrig und mussten gelöscht werden.
Zwischen Mai und Juli 2023 dokumentierte ein freier Fotograf von Recherche-Nord mehrere Rechtsrock-Konzerte im sogenannten „Flieder Volkshaus“ in Eisenach, einem bekannten Treffpunkt der Neonazi-Szene. Die veröffentlichten Fotos zeigten unter anderem verbotene NS-Symbolik und Tattoos der Teilnehmenden. Die Polizei in Eisenach leitete im Anschluss Ermittlungen gegen den Fotografen ein, ihm wurde unter anderem vorgeworfen, verbotene Symbole veröffentlicht zu haben. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte den Vorgang seitens der Polizei scharf. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Thüringer Landtag verurteilte das Vorgehen als „Angriff auf das Presserecht“. Auch Reporter ohne Grenzen bezeichnete das Vorgehen als „höchst bedenklich“. Das Verfahren wurde anschließend eingestellt, da die Veröffentlichung der Aufnahmen im Rahmen der journalistischen Berichterstattung erfolgte und die dokumentierten verbotenen Symbole gerade der Aufklärung über die rechtsextreme Szene dienten.
Im Jahr 2025 wurde Recherche-Nord mit dem Georg-Elser-Preis der Stadt München ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigt Zivilcourage und den Einsatz für demokratische Errungenschaften. Der Preis wurde stellvertretend von André Aden, einem Gründungsmitglied der Recherche-Nord sowie der Journalistin Lotta Kampmann entgegengenommen. Die Jury hob insbesondere die seit 2004 betriebene unabhängige Dokumentation rechtsextremer Netzwerke, Aufmärsche, Rechtsrock-Konzerte und Jugendveranstaltungen sowie die damit verbundenen erheblichen persönlichen Risiken für die Recherchierenden hervor.
Die Auszeichnung würdigte zugleich die Bedingungen, unter denen Recherche-Nord arbeitet. Nach Einschätzung der Jury sind die Recherchierenden erheblichen juristischen, körperlichen und psychischen Risiken ausgesetzt; genannt werden unter anderem Einschüchterungsklagen und körperliche Angriffe. Die Jury bezeichnete die Arbeit deshalb als einen Beitrag zur demokratischen Wachsamkeit und stellte sie ausdrücklich in den Zusammenhang mit dem Vermächtnis Georg Elsers: dem Mut, Gefahren frühzeitig zu erkennen, nicht zu schweigen und ihnen entgegenzutreten.
Die Veröffentlichungen der Recherche-Nord werden neben Medien und Einrichtungen der politischen Bildungsarbeit auch von wissenschaftlichen und fachbezogenen Publikationen zur Darstellung und Dokumentation rechtsextremer Strukturen als Bild- und Dokumentationsquelle herangezogen. Der Forschungsbericht Topografie 2019 des Netzwerk KompRex der Friedrich-Schiller-Universität Jena führt Recherche-Nord im Zusammenhang mit der Dokumentation rechtsextremer Aktivitäten als Quelle an. Auch die Fachpublikation „Rechtsextremismus und Antisemitismus“ vom Bundesverband der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) verweist auf eine konkrete Recherche-Nord-Dokumentation eines Neonaziaufmarschs in Dresden.
In einem 2024 in der Fachzeitschrift Litera erschienenen Forschungsartikel Nibelungen-Adaptionen im Rechtsextremismus sowie im Buch „Germanenrezeption im deutschsprachigen Rechtsextremismus“ von Georg Schuppener finden Bildmaterialien aus dem Bestand von Recherche-Nord eine Abbildung. Ähnlich verhält es sich in dem Buch „Etikettenschwindel - Die Autonomen Nationalisten zwischen Pop und Antimoderne“ von Christoph Schulz, das entsprechende Bildmaterialien nutzt.
Auch die wissenschaftliche Untersuchung „Denn die Geschichten der Opfer sind das Wichtigste“ von David D. F. Brehm greift auf Arbeiten von Recherche-Nord zurück und führt den von dem Kollektiv produzierten Dokumentarfilm „Neonazistinnen – Frauen in der rechten Szene“ als Beispiel für eine im Kontext politischer Bildungsarbeit eingesetzte Dokumentation an. Eine weitere Form der fachlichen Einbindung zeigt schließlich das Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) zur Frage eines AfD-Parteiverbots.
Die Arbeit von Recherche-Nord wurde auch in der zeitgenössischen Kunst aufgegriffen. In der 2026 in der Münchner Kunsthalle Lothringer 13 gezeigten Ausstellung „Antifascism: Now“ präsentierte der Künstler Jonas Höschl die multimediale Installation „Zum Schäfchen, Recherche Nord (POV)“. Ausgangspunkt der Arbeit sind Aufnahmen von zwei Angriffen auf Mitglieder von Recherche-Nord vor dem Gasthaus „Zum Schäfchen“ in Schnellroda, einem Treffpunkt der sogenannten „Neuen Rechten“. Höschl überführte das dokumentarische Material in eine raumbezogene Installation aus Video, Ton, Fotografien, Holzaufstellern und Bodenmarkierungen und machte dadurch die Perspektive der angegriffenen Journalisten sowie die Bedingungen ihrer Arbeit zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. Die Kunstzeitschrift Monopol ordnete die Arbeit als Teil der Ausstellung „Antifascism: Now“ ein, die sich mit antifaschistischen künstlerischen Praktiken und neuen Formen faschistischer Dynamiken auseinandersetze. Die künstlerische Bearbeitung stellt damit nicht nur die von Recherche-Nord dokumentierten Ereignisse aus, sondern thematisiert zugleich die Rolle dokumentarischer Bilder, die Perspektive der Beobachtenden und die Bedingungen journalistischer Recherche im Umfeld der extremen Rechten.
Die Ausstellung stieß auch auf Kritik aus dem rechten Spektrum. Das Online-Medium Nius bezeichnete die Ausstellung als „Antifa-Ausstellung“ und kritisierte unter anderem die Beteiligung von Recherche-Nord. Die Süddeutsche Zeitung berichtete ebenfalls darüber und ordnete diese als Reaktion eines rechtskonservativen Online-Mediums ein.
Aus dem extrem rechten Spektrum wird die journalistische Arbeit von Recherche-Nord grundsätzlich infrage gestellt. Charakteristisch ist dabei weniger eine inhaltliche Auseinandersetzung mit einzelnen Recherchen als vielmehr der Versuch, dem Medienprojekt selbst die journalistische Legitimität abzusprechen und es als politischen Gegner erscheinen zu lassen. Die Organisation Reporter ohne Grenzen benennt dieses Muster in seinem Bericht „Nahaufnahme 2026“ zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland explizit am Beispiel von Recherche-Nord. Dies wird in eine größere Entwicklung eingeordnet, in der die „Delegitimierung journalistischer Arbeit“ durch politische Akteure, Hate Speech und neue publizistische Milieus zunehmend zu einer Herausforderung für Medienschaffende werde.
Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben diese Formen der Delegitimierung journalistischer Arbeit, bei denen nicht einzelne Rechercheergebnisse, sondern die Glaubwürdigkeit und journalistische Autorität von Journalisten infrage gestellt werden. Eine Kritik, die darauf abzielt, „durch Vorwürfe die Medien und ihre epistemische Autorität zu schwächen oder abzuschaffen“. Mit „epistemischer Autorität“ ist dabei der Anspruch des Journalismus gemeint, verlässliches Wissen über gesellschaftliche Vorgänge bereitzustellen. Für rechtsalternative Medien beschreibt der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Florian Primig sogenannte „enemy constructions“ wie „woke“, „antifa“ und „fake news“, mit denen konkurrierende Wissensansprüche, insbesondere jene von Journalisten, abgewehrt werden. Ein solches Muster zeigt sich auch in der Auseinandersetzung mit Recherche Nord: Die Junge Freiheit, ein zentrales Medium der sogenannten Neuen Rechten, fragt in einem Beitrag, der Recherche-Nord erwähnt, „welches Persönlichkeitsprofil sich hinter den lüsternen Blicken der linken Freizeit- und Berufsdenunzianten erahnen“ lasse. Damit verschiebt sich die Auseinandersetzung von der Sach- auf die Identitätsebene: Nicht die konkreten Rechercheergebnisse stehen mehr im Mittelpunkt, sondern die vermeintliche politische Identität und Motivation ihrer Urheber.
In diesem Kontext lassen sich auch die parlamentarischen Anfragen der niedersächsischen AfD-Landtagsfraktion zu der Recherche -Nord einordnen. Die AfD stellte darin unter anderem die politische Einordnung, Arbeitsweise und Finanzierung des Projekts sowie die Verwendung seiner Bildaufnahmen infrage. In einer Antwort der Niedersächsischen Landesregierung wurde Recherche-Nord als „unabhängiges Recherche- und Medienprojekt zur Dokumentation neonazistischer Strukturen“ bezeichnet. Zugleich stellte die Landesregierung ausdrücklich fest, dass Recherche-Nord kein Beobachtungsobjekt des niedersächsischen Verfassungsschutzes sei.
Bereits im November 2019 mobilisierte die rechtsextreme NPD zu einer Demonstration in Hannover, die sich gegen die Arbeit der Journalisten Julian Feldmann, David Janzen und André Aden richtete. Vorausgegangen waren Morddrohungen, Angriffe auf Janzens Wohnung und die Sammlung persönlicher Daten der Betroffenen. Die Demonstration wurde im Vorfeld als „neue Stufe“ im Versuch bewertet, die Medienfreiheit einzuschränken. Das European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) bewertete die NPD-Demonstration als „Unverhohlene Einschüchterung“ und stellte fest: „Zum ersten Mal richtete sich eine pressefeindliche Demonstration explizit gegen einzelne Journalisten.“ Der Journalist André Aden von der Recherche-Nord bezeichnete die Kampagne im Nachhinein als Versuch, den gesellschaftlichen Diskurs über Rechtsextremismus zu behindern: „Das Ziel ist, den Diskurs über den Rechtsextremismus so zu schwächen, dass Experten keine Stimme mehr bekommen.“
Gegen Mitglieder von Recherche-Nord sind wiederholt Bedrohungen, Einschüchterungsversuche und körperliche Übergriffe dokumentiert worden. Die Jury des Georg-Elser-Preises der Stadt München verwies 2025 ebenfalls auf „massive Bedrohungen“ sowie „konkrete Angriffe auf die körperliche Unversehrtheit“ der Mitglieder. So bedrohte der Rechtsextremist Jürgen Rieger im Zusammenhang mit rechtsextremen Aktivitäten am Heisenhof in Dörverden einen Journalisten der Recherche-Nord mit den Worten „Wenn der Heisenhof brennt, dann brennst du auch. Ich werde dich auf einen Grill legen und langsam durchbraten.“ Wegen dieser Äußerung wurde Rieger 2006 vom Landgericht Verden zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Dezember 2004 wurde im Umfeld des von Jürgen Rieger betriebenen Heisenhofs ein Fotograf der Recherche-Nord mit einem Auto angefahren und verletzt. Der Täter wurde später wegen gefährlicher Körperverletzung und eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilt.
Beim sogenannten „Nationalen 1. Mai“ der NPD in Hamburg-Barmbek im Jahr 2008 kam es zu gezielten Übergriffen auf Journalisten. Medienvertreter wurden beschimpft, bedroht und körperlich angegriffen. In einem Fall soll das damalige NPD-Bundesvorstandsmitglied Thomas Wulff einen Journalisten der Recherche-Nord über ein Megafon namentlich hervorgehoben und damit einen Angriff ausgelöst haben. Der Neonazifunktionär Christian Worch kommentierte die Übergriffe auf Journalisten später mit der Bezeichnung „Berufsrisiko“.
Im Januar 2024 schlug und trat der damalige hessische Landesvorsitzende der Jungen Nationalisten am Rand einer Veranstaltung der rechtsextremen Partei Die Heimat auf Journalisten des Projekts und deren Ausrüstung ein. Bereits 2019 hatte ein Fotojournalist der Recherche-Nord einen Drohbrief der neonazistischen Organisation Combat 18 an seine Privatadresse erhalten und daraufhin aus Sicherheitsgründen seinen Wohnort gewechselt. Im Zusammenhang mit dem Prozess um den rechtsextremen Brandanschlag auf ein Bremer Jugendzentrum wurde im Januar 2025 das Auto eines Recherche-Nord-Journalisten beschädigt. Die Nebenklage wertete dies als möglichen Einschüchterungsversuch; bereits 2020 hatten Zeugen zwei mutmaßliche Täter anhand von Recherche-Nord-Fotos identifiziert.
Im Februar 2025 wurde ein von Recherche-Nord veröffentlichtes Video bekannt, das zeigt, wie der rechtsextreme Aktivist Götz Kubitschek, der zu den zentralen Akteuren der Neuen Rechten zählt, einen Journalisten der Recherche-Nord bedrängt, schubst und ihm die Kamera aus der Hand schlägt. Die Polizei leitete daraufhin Ermittlungen wegen Körperverletzung ein. Ende Januar 2026 wurden Journalisten von Recherche-Nord bei einem rechtsextremen Netzwerktreffen in Schnellroda erneut angegriffen. Nach Polizeiangaben wurden sie bedrängt, beleidigt, mit Wasser bespritzt, weggestoßen und getreten; zudem wurden Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Diebstahls eingeleitet.
Im April 2026 stellte die Staatsanwaltschaft Halle die Ermittlungen ein. Das Bespritzen mit Wasser wurde als „straflose Provokation“ bewertet. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten Union kritisierte die Einstellung des Verfahrens scharf und wertete den Vorfall als „gezielten, koordinierten Angriff auf Medienschaffende zur Unterdrückung der Berichterstattung“. Moritz Matton, der zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretär für Sachsen-Anhalt, erklärte dazu: „Täter können sich bestätigt fühlen, dass Angriffe auf Medienschaffende folgenlos bleiben. Journalist*innen hingegen müssen sich fragen, ob das Recht auf Pressefreiheit sie im Ernstfall wirklich schützt.“
Im August 2026 veröffentlichte Recherche-Nord ein unter dem Titel „Neonazi-Sommerfest in Sachsen“ ein Video, das Angriffe auf Mitarbeitende des Projekts während des Sommerfests der Partei „Die Heimat“ im sächsischen Riesa dokumentiert. In den Aufnahmen sind unter anderem Schläge gegen Kameras und die Ausrüstung der Mitarbeitenden zu sehen.