
Das Redoxpotential (korrekte Bezeichnung nach DIN 38404-6 Redox-Spannung) bezeichnet eine Messgröße in der Chemie zur Beschreibung von Redoxreaktionen. Bei der Messgröße handelt es sich um das Reduktions-/Oxidations-Standardpotential eines Stoffes, gemessen unter Standardbedingungen gegen eine Standard-Referenz-Wasserstoffhalbzelle.
Es ist zu unterscheiden (s. Abschnitt Grundlagen) zwischen
In biochemischen Systemen ist das Standardredoxpotential definiert beim pH 7,0 gegen eine Standard-Wasserstoffelektrode und bei einem Partialdruck von Wasserstoff von 1 bar.
Das Redoxpotential entspricht dem Elektronenunterschied an der Grenzoberfläche eines Stoffes innerhalb eines Lösungsmittels aus der Hydration gegensätzlich geladener Ionen.
Während bei Säure-Base-Reaktionen H+-Ionen (Protonen) von einem Partner zum anderen wechseln, wechseln bei Redox-Reaktionen Elektronen den Partner.
Jede Redoxreaktion kann in zwei Halbreaktionen und damit in zwei Redox-Paare aufgeteilt werden:
Und umgekehrt:
Gemäß einer Konvention wird als Redoxpotential einer Substanz ihr Reduktionspotential (und nicht ihr Oxidationspotenial) bezeichnet.
Das Redoxpotential der beiden Partner bzw. der Gesamtreaktion ergibt sich als Summe von Oxidationspotential und Reduktionspotential. Je „leichter“ ein Partner oxidiert und der andere Partner reduziert wird, desto höher der Wert des gemeinsamen Redoxpotentials.
Elektronen fließen vom Redoxpaar mit negativerem Potential zum Redoxpaar mit dem positiveren Potential Anschaulich entspricht das Redoxpotential dem Elektronenmangel- oder -überschuss an der Grenzoberfläche einer eingetauchten Elektrode in einem polaren Lösungsmittel; meist handelt es sich bei diesem Lösungsmittel um Wasser.
So werden z. B. an einer Zink-Oberfläche durch Wassermoleküle Zink-Kationen hydratisiert und herausgelöst, wodurch überschüssige Elektronen in der Elektrode zurückbleiben und ein negatives Redoxpotential bilden. In einem Gesamtsystem wie einer Batterie können die überschüssigen Elektronen wiederum zur Gegenelektrode eines weniger negativen Redoxpotentials fließen.
Da Redoxpotentiale von äußeren Bedingungen wie Druck, Temperatur oder dem pH-Wert abhängen, wurde zur besseren Vergleichbarkeit ein Standardzustand definiert, in dem sich die in der Elektrochemischen Spannungsreihe stehenden Halbelemente befinden. In diesem Zustand herrschen die Standardbedingungen:
Beispiel: Kaliumpermanganat ist ein starkes Oxidationsmittel; die Oxidationskraft und damit das Redoxpotential hängen aber beträchtlich vom pH-Wert ab. Wird Kaliumpermanganat mit einem Reduktionsmittel versetzt, so entstehen:
Die Umrechnung vom Standardzustand zu jedem beliebigen anderen Zustand gelingt über die Nernst-Gleichung.
Neben der oben erwähnten Berechnung über die Nernst’sche Gleichung stehen noch verschiedene Messmethoden zur Bestimmung von Redoxpotentialen zur Verfügung:

Das Standard-Redoxpotential eines Halbelements lässt sich ermitteln durch Aufbau eines Galvanischen Elements mit der Wasserstoffelektrode und Messung der elektrischen Spannung. Dafür müssen aber beide Systeme im Standardzustand vorliegen.
Redoxpotentiale sind auch zugänglich durch Ermittlung der Spannung beim Zusammenschalten mit anderen Halbelementen, deren Redoxpotential bereits bekannt ist. Aus diesem Grund wird in der Praxis oft auf andere Halbelemente als Bezugselemente zurückgegriffen. Gängig ist z. B. die Kalomel-Elektrode, da mit ihr Potentialschwankungen durch Temperaturänderungen zu geringeren Messfehlern als bei der Wasserstoffelektrode führen.
| Temperatur | Potentialdifferenz |
|---|---|
| + 18 °C | + 0,2511 V |
| + 20 °C | + 0,2496 V |
| + 22 °C | + 0,2481 V |
Wie aus der Tabelle ersichtlich, schwanken die Redoxpotentiale an einer Kalomel-Elektrode bei Erhöhung oder Erniedrigung um 2 K jeweils nur um rund 0,6 %.
Für biochemische Vorgänge rechnet man mit den auf pH 7 bezogenen Potentialen Eo'. Für Reaktionen, an denen Protonen beteiligt sind, ergibt sich somit eine Potentialdifferenz von 0,413 V, wie in der nachfolgenden Tabelle angegeben.
| Oxidierte Form / Reduzierte Form | Äquivalentzahl n | Eo in V bei pH 0 | Eo' in V bei pH 7 |
|---|---|---|---|
| Ferredoxin Fe3+/Fe2+ | 1 | −0,43 | −0,43 |
| 2 H+/ H2 | 2 | 0 | −0,413 |
| NAD+, 2H+/NADH,H + | 2 | +0,09 | −0,32 |
| Liponsäure: Lipons., 2 H+/Lipons.-H2 | 2 | +0,21 | −0,29 |
| Acetaldehyd 2 H+/Ethanol | 2 | +0,21 | −0,20 |
| Flavin-Nukleotide (FAD, FMN): F, 2H+/F–H2 | 2 | +0,22 | −0,19 1) |
| Glutathion: (GS)2, 2 H+/2GSH | 2 | +0,31 | −0,10 |
| Fumarat, 2 H+/Succinat | 2 | +0,38 | +0,03 |
| Dehydroascorbat/Ascorbat, 2 H+ | 2 | +0,35 | +0,08 |
| Ubichinon, 2 H+/Hydrochinon | 2 | +0,51 | +0,10 |
| ½O2, 2 H+/H2O | 2 | +1,23 | +0,82 |
| Häm-Eisen-Proteine | |||
| Katalase Fe3+/Fe2+ | 1 | −0,5 | −0,5 |
| Peroxidase Fe3+/Fe2+ | 1 | −0,2 | −0,2 |
| Cytochrom b562 Fe3+/Fe2+ | 1 | −0,1 | −0,1 |
| Cytochrom b Fe3+/Fe2+ (Mitochondrien) | 1 | +0,077 | +0,077 |
| Cytochrom b5 Fe3+/Fe2+ | 1 | +0 | +0 |
| Hämoglobin, Myoglobin Fe3+/Fe2+ | 1 | +0,1 | +0,1 2) |
| Cytochrom c1 Fe3+/Fe2+ | 1 | +0,22 | +0,22 |
| Cytochrom c Fe3+/Fe2+ | 1 | +0,235 | +0,235 |
| Cytochrom a Fe3+/Fe2+ | 1 | +0,29 | +0,29 |
| Cytochrom a3 Fe3+/Fe2+ | 1 | +0,385 | +0,385 |