
Ein Niederschlagsradar (auch Regenradar genannt) ist die am häufigsten verwendete Form eines Wetterradars. Mithilfe des Niederschlagsradars kann in einem begrenzten Umkreis der Wassergehalt einer Wolke gemessen werden, welcher wiederum Rückschlüsse auf eventuellen Niederschlag (Regen, Hagel oder Schnee) zulässt. Durch Auswertung von Dopplerfrequenzen können zugleich Windgeschwindigkeiten ermittelt werden. In der Meteorologie werden Niederschlagsradare genutzt, um aktuelle Daten für eine Wetterwarnung oder eine Wettervorhersage zu sammeln. In der Luftfahrt wird das Niederschlagsradar hauptsächlich genutzt, um Flüge durch Gewittergebiete vermeiden und die zu erwartenden Turbulenzen einschätzen zu können.
Ein Niederschlagsradar basiert auf dem Primärradarprinzip. Das Niederschlagsradar sendet Mikrowellen aus und empfängt den Teil dieser Wellen, der auf seinem Weg durch die Atmosphäre reflektiert wird. Operative, bodengebundene Niederschlagsradare in Europa arbeiten meistens im C-Band, d. h. mit Frequenzen um die 5,6 GHz (ca. 5,4 cm Wellenlänge).
Je mehr Wassertropfen, Schneekristalle oder Eiskörner die Atmosphäre pro Volumen enthält, desto mehr wird vom Mikrowellensignal durch sie zurückgeworfen. Aus dem Zeitunterschied zwischen dem Senden des Radarsignals und dem Empfang seiner Reflexion kann der Abstand der Niederschlagspartikel von der Radaranlage berechnet werden. Aus der Intensität der empfangenen Echosignale können beschränkt Rückschlüsse auf Größe und Aggregatzustand getroffen werden. Damit erhält man ein Bild über Abstand und Niederschlagsgehalt der Wolke.
Bei dem Messvorgang selbst kommt es zu einigen physikalisch bedingten Problemen:

Im gleichen Frequenzband wie das Niederschlagsradar arbeiten auch die 5-GHz-WLAN-Stationen als Sekundärnutzer. Um Störungen zu vermeiden, müssen diese eine automatische Kanalwahl- und Sendeleistungskontrolle (Dynamic Frequency Selection) verwenden. Dies wird nicht überall konsequent umgesetzt, wie man in Wetteradarbildern regelmäßig sehen kann (z. B. Abbildung „Störungen durch 5-GHz-WLAN im Regenradar“).
Niederschlagsradar in Deutschland, Österreich und der Schweiz |
In Deutschland betreibt der Deutsche Wetterdienst einen Radarverbund mit 17 Niederschlagsradarstationen. Das erste Niederschlagsradar wurde 1967 in Leipzig eingesetzt. Bis 2005 handelte es sich dabei überwiegend um Radargeräte vom Typ Meteor 360 der Firma Gematronik (Neuss). Diese wurden alle ersetzt durch polarimetrische Radarsysteme der Firma Enterprise Electronics Corporation (USA) mit der Typenbezeichnung „DWSR/5001/SDP/CE“. Um zu verhindern, dass sich zwei Antennen gegenseitig anstrahlen und so einen Störsektor auf dem Bildschirm erzeugen, arbeiten die neuen Geräte in der Drehung zeitsynchron.
| Radarstandorte | Typ | Turmhöhe | Bauart |
|---|---|---|---|
| Boostedt | DWSR 5001 | 30 | Stahl-Gittermast-Turm |
| Dresden-Klotzsche | DWSR 5001 | 38 | Beton und Stahlturm |
| Eisberg | DWSR 5001 | 26 | Stahl-Gittermast-Turm |
| Emden-Knock | DWSR 5001 | 56 | Betonturm |
| Essen-Schuir | DWSR 5001 | 30 | Betonturm |
| Feldberg (Schwarzwald) | DWSR 5001 | 21 | Betonturm |
| Flechtdorf | DWSR 5001 | 73 | Stahl-Gittermast-Turm |
| Hannover | DWSR 5001 | 44 | Betonturm |
| Memmingen | DWSR 5001 | 55 | Betonturm |
| Neuhaus a. R. | DWSR 5001 | 30 | Betonturm |
| Neuheilenbach | DWSR 5001 | 32 | Stahl-Gittermast-Turm |
| Offenthal | DWSR 5001 | 45 | Betonturm |
| Prötzel | DWSR 5001 | 51 | Betonturm |
| Rostock | DWSR 5001 | 34 | Betonturm |
| Schnaupping (Isen) | DWSR 5001 | 45 | Betonturm |
| Türkheim (Geislingen) | DWSR 5001 | 32 | Stahl-Gittermast-Turm |
| Ummendorf | DWSR 5001 | 21 | Stahl-Gittermast-Turm |
Verantwortlich für den Betrieb der Radaranlagen in Österreich ist die Austro Control. Der erste operationelle Betrieb eines Niederschlagsradars startete im Jahr 1965 in Rauchenwarth beim Flughafen Wien-Schwechat. Seit 2011 werden polarimetrische Radargeräte eingesetzt. Das Niederschlagsradarnetzwerk in Österreich umfasst 5 Standorte (Rauchenwarth, Feldkirchen, Zirbitzkogel, Patscherkofel, Valluga) und ermöglicht damit eine vollständige Abdeckung des Staatsgebietes. Seit 2001 beträgt die räumliche Auflösung 1 × 1 × 1 Kilometer, die zeitliche Auflösung 5 Minuten.
Seit dem 20. Mai 2020 befindet sich am Sendemast am Stradner Kogel auf 41 Meter ein FURUNO WR 2120 X-Band Wetterradar des Wegener Centers für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz, welches für die kleinräumige Erforschung des Klimas im Raum Feldbach dient. Ein weiteres X-Band Radar des Typs FURUNO WR2100 wurde 2019 installiert und befindet sich am Dach des Chemiegebäudes der Universität Graz. Es dient der Wetterbeobachtung in Graz und seiner näheren Umgebung bis rund 30 km. Beide Geräte werden durch die Universität Graz betrieben. Sie haben eine zeitliche Auflösung von 2,5 Minuten und erreichen mittels Oversampling sowie weiterer Korrekturmaßnahmen die räumliche Auflösung eines Würfels mit einer Kantenlänge von 100 m. In der Feldforschung betreibt die Universität für Bodenkultur Wien seit 2019 ebenfalls ein FURUNO WR2100 welches sowohl stationär als auch mobil auf einem Fahrzeug eingesetzt werden kann.
MeteoSchweiz betreibt fünf Wetterradarstationen auf der Dôle, auf dem Albis, auf dem Monte Lema, auf der Pointe de la Plaine Morte (seit Winter 2013/2014) und seit Ende 2016 auch auf dem Weissfluhgipfel.
Andere Länder mit Doppler-Radar: