Rehabeam

Rehabeam (hebräisch רְחַבְעָם) regierte der biblischen Darstellung zufolge als erster König des Reiches Juda während der Eisenzeit im östlichen Mittelmeerraum von 931 bis 914 v. Chr.

Das vereinigte Königreich Israel löste sich nach dem Tod Salomos 926 v. Chr. in das von Jerobeam I. regierte Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria (das blau gefärbte Areal) und das Gebiet von Rehabeam, dem Herrscher von Juda, mit der Hauptstadt Jerusalem im Süden auf (das ocker gefärbte Areal).

Biblisches Zeugnis

Die Bücher 1. Könige und 2. Chronik berichten über Rehabeam. In das Neues Testament hat Rehabeam Einzug gehalten als Vorfahre Jesu (Matthäus 1,7 EU).

Sein Vater war König Salomo, seine Mutter die Ammoniterin Naama. Nach Salomos Tod gelang es ihm nicht, das laut Bibel von König David begründete Großreich zu bewahren. Kristin Weingart beschreibt anschaulich die Anitpathie des biblischen Erzählers gegenüber Rehabeam:

„So wie die Episode erzählt ist, kann kein Zweifel bestehen, wo die Sympathien des Erzählers liegen bzw. wer als positive Identifikationsfigur angeboten wird: ganz sicher nicht der großspurige, beratungsresistente, politisch ungeschickte und sich mit ebenso inkompetenten wie vulgären [...] Zeitgenossen umgebende Rehabeam“

– Kristin Weingart: König David und das vereinte Königreich

Außer seinem eigenen Stamm Juda und dem Stamm Benjamin fielen alle Stämme vom davidischen Königshaus ab und erwählten sich Jerobeam I. zum König des Nordreichs Israel.

Nach 1. Könige 12 ließ Rehabeam auf ein prophetisches Wort hin von dem Plan ab, das Nordreich durch einen Krieg zurückzuerobern. Außerdem wurden unter Rehabeam Götzen verehrt. Seine Untertanen machten auf allen hohen Hügeln und unter grünen Bäumen „Höhen, Steinmale und Ascherabilder“ (1 Kön 14,23 EU). Im fünften Jahr seiner Regierung wurde das Südreich Juda von Ägypten unter dem Pharao Schischak, der allgemein mit Scheschonq I. gleichgesetzt wird, angegriffen und Teile des Tempelschatzes geplündert. Nach der Bibel eine Strafe Gottes.

„Im fünften Jahr des Königs Rehabeam zog Schischak, der König von Ägypten, herauf gegen Jerusalem und nahm die Schätze aus dem Hause des Herrn und aus dem Hause des Königs, alles, was zu nehmen war.“

– (1 Kön 14,25f. EU)

Die Chronik nennt über die Darstellung in den Königebüchern hinaus noch Bautätigkeiten Rehabeams (2. Chronik 11,5–12 EU) sowie das Asyl für die von Jerobeam I. vertriebenen Priester und Leviten (2. Chronik 11,13–17 EU).

Rehabeams Sohn war König Abija, der nur drei Jahre regierte (1 Chr 3,10 EU); sein Enkel war König Asa, der 41 Jahre regierte.

Archäologie

In Karnak, im großen Säulensaal des Amun-Tempels, wurde ein Tempelrelief des Pharao Scheschonq I. 22. Dynastie (Dritte Zwischenzeit) gefunden, das einen Eroberungszug nach Kanaan darstellt. Die ägyptische Chronologie beruft sich auf jenen Feldzug, bei dem Scheschonq als Schischak im Alten Testament im Zusammenhang mit Rehabeams fünftem Regierungsjahr erwähnt wird.

Es ist jedoch ungewiss, ob dabei die Städte Judas zerstört wurden, da gerade diese Ortschaften einschließlich Jerusalems auf dem Relief nicht genannt werden. Auch ist bisher nicht genau festzustellen, ob der oder die Feldzüge in der Regierungszeit des Rehabeam stattfanden. Des Weiteren befindet sich eine Hieroglypheninschrift vom Feldzug des Scheschonq auf einer Stele nördlich von Jerusalem sowie in Megiddo.

Danach wurden hauptsächlich die Städte des so genannten Nordreiches Jerobeams, unter anderem das alte Stammesgebiet des Königs Saul, zerstört sowie die mächtigen Städte der fruchtbaren Jesreʿel-Ebene unterworfen.

Historische Beurteilung

Bereits der archäologische Befund lässt Zweifel an der historischen Richtigkeit des biblischen Berichts aufkommen lassen. Die Nichtnennung Jerusalems auf Scheschonqs Relief könnte darauf hindeuten, dass es sich beim so genannten „Südreich“ Juda lediglich um ein kaum bedeutsames Filial- oder Vasallenkönigtum des einflussreicheren Nordens handelte.

Christian Frevel nimmt aufgrund der Namensähnlichkeit Rehabeams („Volksweiter“) zu Jerobeam („Volksstreiter“) und weiterer historischer Ungenauigkeiten innerhalb der Erzählung der so genannten „Reichsteilung“ an, dass es sich bei der Gegenüberstellung der beiden Könige um eine spätere Konstruktion handelt. Innerhalb der Biblischen Archäologie ist die Frage nach der Historizität Rehabeams derzeit jedenfalls recht umstritten.

Die Inschriften auf der Tempelwand ( Bubastiten-Halle im Tempel des Amun-Re) zeigt eine Liste der Stadtstaaten die Pharao Scheschonq I. durch seine nahöstlichen Kriegszüge erobert hatte.

Sonstiges

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Kristin Weingart: König David und das vereinte Königreich. Überlegungen zu einer scheinbar erledigten Frage. In: Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft. Band 136, Nr. 1. De Gruyter Brill, 2024, S. 73–91 (hier S. 82).
  2. 1 2 Joachim J. Krause: Rehabeam. In: WiBiLex. Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet. Deutsche Bibelgesellschaft, Juni 2017, abgerufen am 29. Oktober 2026.
  3. Christian Frevel: Geschichte Israels (= Christian Frevel, Gisela Muschiol, Dorothea Sattler, Hans-Ulrich Weidemann [Hrsg.]: Kohlhammer Studienbücher Theologie. Band 2). 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. W. Kohlhammer, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-17-035421-0.
    1. ↑ S. 190 f.
    2. ↑ S. 187.
VorgängerAmtNachfolger
SalomoKönig von Juda
ca. 931–914 v. Chr.
Abija