Reimershausen Gemeinde Lohra | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 42′ N, 8° 38′ O |
| Höhe: | 207 m ü. NHN |
| Fläche: | 1,86 km² |
| Einwohner: | 135 (Mai 2011)[Ohne Beleg] |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1972 |
| Postleitzahl: | 35102 |
| Vorwahl: | 06426 |
Ansicht vom Ufer der Vers | |
Reimershausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Lohra im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt auf etwa 200 m Höhe nahe der Mündung der Vers in die Salzböde.
Auf dem „Kapp“, einer überwiegend bewaldeten Bergkuppe direkt nördlich von Reimershausen, wurden zwei römische Marschlager aus augusteischer Zeit (ca. 25 v. Chr. bis Chr. Geb.) nachgewiesen. Die Kuppe fällt nach Südosten steil zum Salzbödetal ab und bietet mit ihrer guten Wasserversorgung sowie einem weiten Fernblick – unter anderem zum Dünsberg, ins Biebertal und Aartal, zum Rimberg bei Caldern sowie zu den Kuppen der Lahnberge – eine strategisch günstige Lage. Die Entdeckung beruht auf Laserscan-Aufnahmen, geomagnetischen Prospektionen und Ausgrabungen der Hessischen Landesarchäologie.
Die beiden Lager entstanden nicht zur selben Zeit. Das Marschlager Reimershausen Nord umfasst eine Fläche von rund 8,6 Hektar und weist überwiegend das für römische Marschlager typische Spielkartenformat auf, jedoch mit der drususzeitlichen Variante einer erweiterten südwestlichen Ecke. Der Lagergraben wurde teilweise mit der Dolabra, dem Schanzwerkzeug römischer Soldaten, in den anstehenden Fels des Gipfelplateaus geschlagen; er ist noch bis zu 74 cm tief und 180 cm breit erhalten. Das Lager ist seit 2017 bekannt; im Jahr 2023 erfolgten fünf Profilschnitte sowie geomagnetische Prospektionen. Am nördlichen Rand des Lagers wurde eine perfekt erhaltene Dolabra gefunden.
Das Marschlager Reimershausen Süd konnte auf einer Länge von 585 m und Breite von 530 m nachgewiesen werden und nimmt mindestens 10 Hektar Fläche ein. Seine südliche und südöstliche Ausdehnung lässt sich aufgrund von Erosion durch mittelalterlichen und neuzeitlichen Ackerbau nicht mehr bestimmen.
Im von beiden Lagern überlappt genutzten Bereich des Gipfelplateaus kamen 10 römische Münzen zutage, überwiegend Nemausos-Asse. Hinzu kommt eine Münze aus der Zeit Trajans, bei der es sich möglicherweise um eine spätere einheimische Grabbeigabe handelt. Daneben wurden vier keltisch-gallische Bronzemünzen geborgen. Weitere Funde umfassen einen perfekt erhaltenen römischen Zelthering, mehrere Katapultbolzen, eine Lanzentülle sowie 129 Sandalennägel römischer Legionäre.
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Reimershausen erfolgte unter dem Namen Reyrnerßhusen im Jahr 1261. Es werden Güter der Adelsfamilie von Rodheim genannt.
Zum 1. Juli 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Reimershausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Lohra eingemeindet. Für Reimershausen wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Reimershausen angehört(e):
Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Reimershausen zuständig. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen. Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Sein Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeordnet.
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Reimershausen 135 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 24 Einwohner unter 18 Jahren, 30 zwischen 18 und 49, 30 zwischen 50 und 64 und 21 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 51 Haushalten. Davon waren 9 Singlehaushalte, 12 Paare ohne Kinder und 24 Paare mit Kindern sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 9 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 36 Haushaltungen lebten keine Senioren.
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1502: | 4 Männer |
| • 1577: | 13 Hausgesesse |
| • 1630: | 10 Hausgesesse (4 dreispännige, 1 zweispännige Ackerleute, 5 Einläuftige) |
| • 1681: | 8 hausgesessene Mannschaften |
| • 1838: | 72 Einwohner (7 nutzungsberechtigte, 2 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen). |
| Reimershausen: Einwohnerzahlen von 1745 bis 2011 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1745 | 50 | |||
| 1800 | ? | |||
| 1834 | 72 | |||
| 1840 | 74 | |||
| 1846 | 78 | |||
| 1852 | 79 | |||
| 1858 | 77 | |||
| 1864 | 83 | |||
| 1871 | 73 | |||
| 1875 | 64 | |||
| 1885 | 86 | |||
| 1895 | 66 | |||
| 1905 | 69 | |||
| 1910 | 68 | |||
| 1925 | 59 | |||
| 1939 | 60 | |||
| 1946 | 104 | |||
| 1950 | 119 | |||
| 1956 | 107 | |||
| 1961 | 89 | |||
| 1967 | 96 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 135 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS; Zensus 2011 | ||||
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1861: | alle Einwohner evangelisch-lutherisch |
| • 1885: | 86 evangelische (= 100,00 %) Einwohner |
| • 1961: | 75 evangelische (= 84,27 %), 14 katholische (= 15,73 %) Einwohner |
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1745: | Erwerbspersonen: drei Müller, zwei Schmiede, ein Leineweber. |
| • 1838: | Familien: 7 Ackerbau, 4 Gewerbe, eine Tagelöhner. |
| • 1961: | Erwerbspersonen: 27 Land- und Forstwirtschaft, 18 Produzierendes Gewerbe, 6 Handel und Verkehr, 1 Dienstleistungen und Sonstiges. |
Für Reimershausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Reimershausen. Der Ortsbeirat Reimershausen besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 75,26 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Dorfgemeinschaft Reimershausen“ an. Der Ortsbeirat wählte Günter Kraft zum Ortsvorsteher.
Reimershausen verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr, deren Räumlichkeiten durch ein hohes Maß an Eigeninitiative im Jahr 2007 renoviert und ausgebaut wurden.
Anmerkungen
Einzelnachweise