Rein Raud

Rein Raud (2021)
Rein Raud 2007

Rein Raud (* 21. Dezember 1961 in Tallinn) ist ein estnischer Schriftsteller und Japanologe.

Leben

Rein Raud legte 1980 in Tallinn sein Abitur ab. Anschließend studierte er bis 1985 an der Universität Leningrad Japanologie. Von 1989 bis 1995 war Raud Dozent für japanische Sprache und Kultur am Humanitaarinstituut in Tallinn, anschließend Professor für japanische Sprache und Kultur an der Universität Helsinki. Von 1992 bis 1996 war Raud Präsident des estnischen P.E.N.-Clubs, von 2006 bis 2011 war er Rektor der Universität Tallinn.

Rein Raud ist seit 1985 Mitglied des Estnischen Schriftstellerverbandes.

Privates

Rein Raud wurde als Sohn der estnischen Schriftsteller Eno Raud (1928–1996) und Aino Pervik (1932–2025) geboren. Sein Großvater war der Schriftsteller Mart Raud (1903–1980). Die Künstlerin und Kinderbuchautorin Piret Raud ist seine Schwester, der Musiker, Politiker und Schriftsteller Mihkel Raud sein Bruder.

Rein Raud ist mit der Litauerin Rosita Raud verheiratet. Das Paar hat einen Sohn und eine Tochter.

Literarisches Werk

Rein Raud debütierte bereits 1973 als Schüler mit Prosastücken und legte noch vor seinem 20. Geburtstag seinen ersten Gedichtband vor. Nach drei weiteren Gedichtbänden und zwei Schauspielen wechselte er 1990 zur Prosa.

Hier begann er mit einem historischen Roman über den Livenfürsten Kaupo, der im Mittelalter als einer der ersten Liven zum Christentum wechselte. Es folgten Bücher in nahezu allen Genres: Erzählungen, philosophische Essay und Romane. Insbesondere mit letzteren hat er seine größten Erfolge erzielt, wenn man Auszeichnungen und Übersetzungen in Fremdsprachen zum Maßstab nimmt.

Der Bruder (2008) ist als Spaghettiwestern bezeichnet und auch vom Autor selbst so charakterisiert worden Die Rekonstruktion (2012), mit dem Prosapreis des Kulturkapitals prämiert, untersucht die Ursachen, warum eine junge Frau in den Bann einer Sekte gerät und an einem Kollektivselbstmord teilnimmt. Gleichzeitig wird ein Bild von der sowjetischen und der postsowjetischen Gesellschaft gezeichnet. Der Tod des vollendeten Satzes (2015), der auf der Shortlist für den Prosapreis des Kulturkapitals stand, ist ein mit Krimi-Elementen ausgestatteter Kurzroman über die letzten Jahre der Sowjetzeit in Estland. Er arbeitet dabei in beklemmender Weise die Vorgehensweise des sowjetischen Geheimdienstes in der Phase der Singenden Revolution heraus.

Rein Raud hat auch Übersetzungen aus dem Japanischen vorgelegt und sorgt, ähnlich wie Jaan Kaplinski, „für die Einbringung des asiatischen Elements in die estnische Kultur, ohne dabei die abendländische Tradition zu vergessen.“

Auszeichnungen

Bibliographie

Deutsche Übersetzungen

Ferner sind verstreut einige wenige Gedichte auf Deutsch erschienen, außerdem die Erzählung „Gräfin de Richter“ (aus dem Band Kuckucksnacht), übersetzt von Irja Grönholm, in Estonia 2007, S. 195–238.

Übersetzungen in andere Sprachen

Außerdem gibt es eine Gedichtauswahl auf Finnisch.

Sekundärliteratur

Einzelnachweise

  1. ↑ Eesti Elulood. Tallinn: Eesti Entsüklopeediakirjastus 2000 (= Eesti Entsüklopeedia 14) ISBN 9985-70-064-3, S. 411
  2. ↑ Eesti kirjanike leksikon. Koostanud Oskar Kruus ja Heino Puhvel. Tallinn: Eesti Raamat 2000, S. 449.
  3. ↑ Marek Tamm: Stiilne vestern suurtel teemadel, in: Vikerkaar 1–2/2009, S. 166.
  4. ↑ Cornelius Hasselblatt: Geschichte der estnischen Literatur. Berlin, New York 2006 (ISBN 3-11-018025-1), S. 785.
  5. ↑ 2011 Autumn Conferment of Decorations on Foreign Nationals, Internetseite des japanischen Außenministeriums (englisch)
  6. ↑ „Wasser“ und „Krieg...“, übersetzt von Viktor Sepp, in Sowjetliteratur 1/1989, S. 106–197; „Ein wenig von dir“ und „Wasser“, übersetzt von János-Miklós Beckl, in Estonia 2/1990, S. 72–73.
  7. ↑ Lumeen hautautunut. Suomentanut Johanna Laakso. Oulu: Pohjoinen 1987. 108 S.