Reiner-Friedemann Edel

Reiner-Friedemann Edel (* 18. März 1930 in Erfurt; † 9. September 2022 in Lüdenscheid) war ein deutscher Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen, Verleger und Autor.

Leben und Wirken

Reiner-Friedemann Edel absolvierte eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann. Später studierte er Evangelische Theologie, sieben Sprachen, Philosophie, Musik und Psychologie. In Lüdenscheid promovierte er 1961 mit seiner Arbeit über den Theologen Heinrich Wilhelm Josias Thiersch. Als Pfarrer arbeitete er in Friedberg (Hessen) und Dauborn. Durch seine Initiative wurde 1965 erstmals eine „Tagung für charismatischen Gemeindeaufbau“ in Königstein im Taunus veranstaltet. 1966 wurde ein „Ökumenischer Dienst e.V.“ mit Albrecht Fürst zu Castell-Castell als Vorsitzendem gegründet, der diese Tagungen bis 1969 als „ökumenische Kirchentage“ durchführte. Die Beiträge der Tagungen sind in der von Edel herausgegebenen Reihe „ökumenische Texte und Studien“ erschienen. Dieser Verein war auch Träger des 1968 auf Schloss Craheim entstandenen „Ökumenischen Lebenszentrum für die Einheit der Christen“, eine überkonfessionelle Lebensgemeinschaft, wo auch Mitgründer Edel wohnte.

1970 übernahm Edel die Kreuzkirchengemeinde in Lüdenscheid, wo er bis 1986 als Pfarrer tätig war. In der Allgemeinen apostolischen Mission wurde er zum Priester in apostolischer Sukzession geweiht. In den 60er Jahren gehörte er zu den Begründern der charismatischen Bewegung in Deutschland. Gleichzeitig wirkte er stark überkonfessionell, gründete an seinem Wohnsitz in Lüdenscheid-Horringhausen das Gästehaus Lobetal, die Stiftung „ökumenisches Institut“ und eine kleine Gemeinde in der dort erbauten „Not-Gottes-Kapelle“.

Er ist Autor und Herausgeber vieler theologischer Sach- und Fachbücher, dokumentierte das Entstehen der charismatischen Bewegung, verlegte eine Gesamtausgabe der Psalmen und Andachtsbücher und brachte in seinem in Marburg gegründeten Ökumenischen Verlag 2012 eine Übersetzung des Neuen Testamentes heraus. Er reiste regelmäßig in die Länder östlich des Eisernen Vorhangs, um Bibeln und christliche Literatur zu schmuggeln, was ihm als Verleger unkontrolliert möglich war. 2020 wurde seine Tätigkeit als „West-IM“ für die DDR-Staatssicherheit unter dem Decknamen „IM Verleger“ in der Zeit von 1967 bis zur Grenzöffnung 1989 bekannt.

Reiner-Friedemann Edel war verheiratet und hatte mit seiner Frau Ingeborg fünf Kinder. Sein Großvater war Eugen Edel, eine der führenden Persönlichkeiten der frühen deutschen Pfingstbewegung, Prediger in Brieg in Schlesien, später in Erfurt.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Sachbücher
als Herausgeber

Einzelnachweise

  1. ↑ Die »Geistliche Gemeinde-Erneuerung« in der Bundesrepublik, Materialdienst 11/1986, S. 7.
  2. ↑ Schloss Craheim: Für eine spirituelle Erneuerung der Kirchen (Memento vom 17. November 2020 im Internet Archive)
  3. ↑ Nachruf: Dr. Reiner-Friedemann Edel, evangelisch-im-sauerland.de, Nachruf vom 22. September 2022.
  4. ↑ Gästehaus Lobetal, lobetal.org
  5. ↑ Helmut Matthies: Pfarrer, Bibelschmuggler und Stasi-IM: Reiner-Friedemann Edel †, idea.de, Nachruf vom 6. Oktober 2022.
  6. ↑ Ann-Kathrin Reichardt: Schmuggler, Spitzel und Tschekisten: wie Stasi und KGB den Bibelschmuggel in die Sowjetunion bekämpften, BStU, Berlin 2020, ISBN 978-3-946572-27-5, Seite 77.
  7. ↑ Reiner-Friedemann Edel: Traueranzeige, trauer.nrw
  8. ↑ Die Pfingstler vom Petersberg 1925-1951, S. 4.
Personendaten
NAME Edel, Reiner-Friedemann
KURZBESCHREIBUNG evangelischer Pfarrer und Verleger
GEBURTSDATUM 18. März 1930
GEBURTSORT Erfurt
STERBEDATUM 9. September 2022
STERBEORT Lüdenscheid