Reinhard Spitzner (* 27. April 1863 in Dresden; † 9. Februar 1922 ebenda; vollständiger Name: Justus Friedrich Reinhard Spitzner; Pseudonym: Reinhard Volker) war ein deutscher Richter, Schriftsteller, Genealoge und Kunstfreund.
Reinhard Spitzner wuchs in einem gutbürgerlichen und bildungsbeflissenen Elternhaus in der Inneren Neustadt Dresdens auf. Sein Vater war der praktische Arzt und Porzellansammler Carl Spitzner, seit 1862 verheiratet mit der Fabrikantentochter Adele geb. Just aus Sebnitz. Reinhard war das erste von fünf Kindern und der erste Sohn aus dieser Ehe. Von Ostern 1874 bis Ostern 1882 besuchte er das Königliche Gymnasium in Dresden-Neustadt. Den sich nach dem Abitur anschließenden Militärdienst absolvierte er in Dresden beim 1. königlich-sächsischen Leibgrenadier-Regiment Nr. 100, aus dem er als Oberleutnant der Landwehr verabschiedet wurde.

Am 26. April 1883 immatrikulierte sich Reinhard Spitzner erstmals an der Universität Leipzig für ein Studium der Rechtswissenschaften, wechselte jedoch schon zum Sommersemester des folgenden Jahres nach Heidelberg, wo er zugleich Lehrveranstaltungen in Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie belegte. Wieder nach Leipzig zurückgekehrt, setzte er ab dem 27. Oktober 1884 sein rechtswissenschaftliches Studium fort und bestand am 4. Juli 1887 die Erste juristische Staatsprüfung mit der Note gut. Noch im gleichen Jahr vertiefte er sein Philosophiestudium in Berlin. Am 7. Februar 1891 promovierte Reinhard Spitzner in Leipzig mit einem strafrechtlichen Thema zum Dr. iur.
Nach dem sich anschließenden Referendariat in Dresden und Döbeln, der Ablegung der Zweiten juristischen Staatsprüfung am 15. Dezember 1894 und einer kurzzeitigen Tätigkeit als Assessor am Landgericht Dresden sowie im sächsischen Justizministerium wurde er per 1. Mai 1895 zum Richter am Landgericht seiner Heimatstadt ernannt, dessen 1. Strafkammer er angehörte.
Reinhard Spitzner, der am 23. Juli 1898 in Dresden die zwölf Jahre jüngere Hedwig Maria Klothilde Balke (* 15. Oktober 1875 in Niederschönhausen; † 22. Juli 1946 in Loschwitz) heiratete und mit ihr als einziges Kind die Tochter Annemarie Spitzner (1899–1934) hatte, trat ab 1899 unter dem Pseudonym Reinhard Volker auch als Schriftsteller hervor. Die Gründe für die Wahl gerade dieses Pseudonyms sind nicht überliefert.
In Anerkennung der geleisteten Dienste empfing Spitzner am 15. Mai 1916 das Ritterkreuz 1. Klasse des königlich-sächsischen Albrechts-Ordens. Er verstarb 1922 als Landgerichtsrat im Dienst im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt. Seine Witwe lebte noch bis zu ihrem Tode in Dresden-Loschwitz im Spitznerschen Hause Schevenstraße 10 b (Einbenennung bis 1921: Carolastraße 10 b), in dem sie zeitweise ein Töchterheim betrieb.
Die Tätigkeit als Richter im königlich-sächsischen Staatsdienst war nur eine Seite der gesellschaftlichen Wirksamkeit des Dresdner Juristen, denn „in seinem schönen Heim auf den Loschwitzer Bergen versammelte und förderte er oft künstlerische Talente Dresdens“. Aber nicht nur als Kunstfreund und lokaler Kunstförderer, sondern auch als Erzähler, Lyriker und Illustrator gelangte Spitzner ab 1899 unter seinem gewählten Pseudonym nach zeitgenössischem Urteil „zu Bedeutung und Anerkennung“.
Das zu seinen Lebzeiten veröffentlichte literarische Werk erstreckt sich auf den Zeitraum von 1899 bis 1921. Es erschien vor allem in dem Münchner Verlag Braun & Schneider sowie in den Zeitschriften Deutsche Dichtung (1899/1900), Jugend. Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben (1899–1918), Die Gesellschaft. Münchener Halbmonatsschrift für Kunst und Kultur (1900), Der Türmer. Monatsschrift für Gemüt und Geist (1903–1910), Feierstunden. Illustriertes Unterhaltungsblatt für jedermann (1903/04, 1906, 1908/09 und 1911), Fliegende Blätter (1910–1921) sowie im Simplicissimus (1909) und zeichnet sich im Allgemeinen „durch feines Empfinden und Sinn für Humor und Satire aus“. Demgegenüber fallen seine national-konservativen Kriegsgedichte, wie sie u. a. in den Fliegenden Blättern und in Das größere Deutschland. Wochenschrift für deutsche Welt- und Kolonialpolitik abgedruckt wurden, literarisch deutlich ab.
Reinhard Volker verfasste über 170 Erzählungen, Gedichte, Liedertexte, Glossen, Schwänke und Fabeln. Sein literarisches Werk ist damit umfangreicher, als es die bisherige Literaturgeschichtsschreibung nahelegt. Der quantitative Schwerpunkt des literarischen Schaffens des nach eigenem Bekunden „säch’schen Badrioden“ (1904) lag dabei in den Zeiträumen 1903/05 und 1910/11; die ersten selbständigen Publikationen erschienen 1904/1909 mit Cis-Moll. Lieder, Gottes Teppich. Märchen und doch nicht Märchen sowie Prinzessin Haschanascha. Schwänke und Lieder. Eine größere Anzahl Arbeiten gelangte nach seinem Tode nicht mehr zur Veröffentlichung. Der Verbleib dieser Manuskripte ist im Allgemeinen unbekannt. 1937 jedoch vertonte Carl Englert das bis dahin unveröffentlichte Gedicht Mädchenbronnen. 1971 schließlich erschien noch eine frei erzählte und mit Illustrationen von Reinhard Volker versehene Ausgabe des Romans Robinson Crusoe von Daniel Defoe.
Reinhard Spitzner, dessen jüngerer Bruder Karl Spitzner in Dresden als Bergbeamter tätig war, begründete ferner zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen mit dem Dresdner Rechtsanwalt und Notar Franz Georg Spitzner (* 28. Juli 1871 in Dresden; † 1. November 1935 in Dresden) die systematische Erforschung der Geschichte der evangelisch-lutherischen Familie Spitzner aus dem sächsischen Vogtland. Der gemeinsame direkte Vorfahre der beiden Dresdner Juristen und Familienforscher war Pfarrer Johann Adam Spitzner (* 4. April 1650 in Blankenhain, † 16. April 1723 in Blankenhain), dessen Vater Balthasar Spitzner (* 23. März 1609 in Auerbach; † 2. April 1681 in Blankenhain), ebenfalls Pfarrer, ein handschriftlicher Familienstammbaum zugeschrieben wird. Im Sommer 1936, 14 Jahre nach dem Ableben Reinhard Spitzners und dem plötzlichen Tode von Georg Spitzner im Vorjahr, veröffentlichte der anverwandte Erich Weise (* 14. Juli 1873 in Reichenberg; † 19. Dezember 1945 in Radeberg), Rechtsanwalt in Radeberg, die Forschungsergebnisse der beiden Genealogen im Auftrag des damaligen Familienverbandes Spitzner unter dem Titel Familienchronik des Geschlechtes Spitzner.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Spitzner, Reinhard |
| ALTERNATIVNAMEN | Volker, Reinhard (Pseudonym); Spitzner, Justus Friedrich Reinhard (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Richter und Schriftsteller |
| GEBURTSDATUM | 27. April 1863 |
| GEBURTSORT | Dresden |
| STERBEDATUM | 9. Februar 1922 |
| STERBEORT | Dresden |