Reinhard zu Solms

Reiterstatue von Graf Reinhard zu Solms am Kavalier Hepp in Ingolstadt, ausgeführt v. Ernst Mayer (1796–1844)
Ein Fresco in der Straße Am Münzbergtor zu Ehren von „Graf Solms u Münzenberg“ als Erbauer des Donautors

Reinhard zu Solms (auch Reinhard Graf Solms, Reinhart von Solms usw.; * 1491; † 1562) war ein deutscher Heerführer, Militäringenieur und Militärtheoretiker der Renaissance. Er war zudem kaiserlicher Rat und Feldmarschall unter Karl V.

Leben

Reinhard zu Solms wurde im Jahr 1491 als Sohn des Grafen Philipps zu Solms (Linie Solms-Lich) (1468–1544) auf Schloss Lich geboren und am 12. Oktober 1491 in der Stiftskirche der Stadt Lich getauft. Er teilte sein Interesse an militärtheoretischen Themen mit seinem Vater, der in Mainz, Heidelberg und Erfurt studiert hatte und als kaiserlicher Rat unter Maximilian I. und Karl V. und als Geheimer Rat beim sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen in hohem Ansehen stand.

Zwischen 1516 und 1522 befand sich der junge Reinhard im Gefolge des Franz von Sickingen, zog sich dann aber zunächst aus den politisch-konfessionellen Spannungen der Zeit zurück. Erst mit dem Feldzug 1534 gegen die Täufer in Münster nahm Reinhard zu Solms wieder an einer größeren militärischen Auseinandersetzung teil. Zusammen mit seinem Vater konnte er bei der Belagerung von Münster Einblicke in die neusten militärischen Entwicklungen nehmen.

Schon sein Vater hatte 1507 begonnen, die Befestigung der gräflichen Residenzstadt Lich zu modernisieren; eine Arbeit, die Graf Reinhard fortführte. 1528 oder 1531 begann er mit dem Ausbau der Artilleriebefestigung von Hanau: vor die mittelalterliche Stadtmauer wurde ein Erdwall (Schütt) auf gemauertem Fundament gelegt, fünf Erdrondelle verstärkten die Anlage.

Von 1539 bis 1542 und noch einmal um 1560 beschäftigte sich der Graf Reinhard zu Solms mit dem Ausbau der bayerischen Landesfestung Ingolstadt unter den Bedingungen des modernen Artilleriekampfes; hier wurde das Hanauer System der Erdwälle weiterentwickelt. Unter seiner Leitung wurden zwischen 1539 und 1542 die Basteien und der der Stadtmauer vorgelagerte Wall im Osten und Norden errichtet (Donaubastei vor dem Neuen Schloss, die teilweise erhaltene Ziegelbastei, Harderbastei und vermutlich der Umbau der Bastei vor dem Heiligen Tor). Um 1560 lieferte er vielleicht die Pläne für den damaligen Bau der Kugelbastei. Wall und Basteien im Westen der Stadt (Münzbergbastei, Frauenbastei) wurden zwischen 1550 und 1560 errichtet, als Solms anderweitig beschäftigt war.

Für weitere Orte wurde er zu Beratungen herangezogen: in Augsburg, Landshut, Friedberg, Königshofen, Forchheim und vielleicht für Schloss Mansfeld.

Ab den frühen 1540er Jahren wurde Reinhard zu Solms immer mehr auf die Seite Kaiser Karls V. gezogen und geriet in immer größeren Gegensatz zur Fürstenopposition. Er leitete beim kaiserlichen Feldzug gegen Frankreich 1544 die Bombardierung und Unterminierung von St. Dizier an der Marne. Anschließend sollte er die Reichsritter in Franken, Thüringen und am Rhein für die kaiserliche Sache gewinnen.

Kriegsmemorial des Grafen Reinhard zu Solms und des Ritters Konrad von Beimelborg für Kaiser Karl V., 1546

1546 wurde er kaiserlicher Feldmarschall und 1547 kaiserlicher Oberkommandierender von Frankfurt am Main. 1557 wurde er Obrist des oberrheinischen Kreises, 1558 kaiserlicher Rat.

Reinhard zu Solms starb am 23. September 1562 und wurde in der Stiftskirche von Lich beigesetzt.

Literarisches Werk

Seit den 1530er Jahren beschäftigte sich Graf Reinhard auch mit schriftstellerischen Projekten, vor allem zur Militärtheorie und zum Festungsbau. 1535 erschien Eyn gesprech ... welcher massen eyn vester bawe fürzunemen in Mainz, das 1556 in erheblich erweiterter Fassung als Ein Kürtzer Auszug unnd ueberschlag, Einen Baw anzustellen neu herausgegeben wurde. An der 1559 erschienenen Kriegsordnung (von Max Jähns als Kriegsregierung bezeichnet), einem enzyklopädischen Werk zum Kriegswesen, arbeitete er ab 1544.

Schriften

Artilleriekolonne. Aus einem Werk des Reinhard zu Solms, 1559
Reinhard zu Solms: Vom Ursprung anfang und herkhomen des Adels, 1563

Einzelnachweise

  1. ↑ Reinhard Fuchs: Die Befestigung Ingolstadts bis zum 30-jährigen Krieg. Würzburg 1939, S. 33–53.
  2. ↑ Vgl. dazu Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit. Probleme und Lösungsansätze (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51). Königshausen & Neumann, Würzburg 1991, ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 191–199 (Die 'Kriegsregierung' des Reinhart von Solms mit der 'Burgundischen Kriegsordnung').

Literatur

Commons: Reinhard zu Solms – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Solms, Reinhard zu
ALTERNATIVNAMEN Solms, Reinhard Graf zu (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Heerführer, Militäringenieur und Militärtheoretiker der Renaissanceepoche
GEBURTSDATUM getauft 12. Oktober 1491
STERBEDATUM 1562