Reinhold Carle (* 18. Dezember 1950 in Künzelsau) ist ein deutscher Naturwissenschaftler und Hochschullehrer mit Spezialisierung auf Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel.
Reinhold Carle studierte Biologie, Chemie (Lehramt) und Pharmazie an der Universität Tübingen, an der er 1979 über Steroidalkaloide und Sapogenine in Nachtschattengewächsen mit „summa cum laude“ promovierte. Von 1982 bis 1994 leitete der approbierte Apotheker die Naturstoffforschung und Entwicklung pflanzlicher Pharmazeutika bei der ASTA Medica in Frankfurt am Main. Nachdem er 1993 seine Habilitation in pharmazeutischer Biologie an der Universität Regensburg erlangt hatte, leitete er zwischen 1994 und 1996 die Abteilung Pharmazeutische Chemie, Biologie und Technologie am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Berlin. Reinhold Carle folgte 1996 nach einem Ruf auf die C4-Professur für Pharmazeutische Biologie an der Universität Jena einem Ruf auf eine C4-Professur an die Universität Hohenheim in Stuttgart und hatte den Lehrstuhl für Technologie und Analytik pflanzlicher Lebensmittel inne.
Bereits als Student forschte Carle im Sonderforschungsbereich 19 „Tübinger Atlas des Vorderen Orients“. Zwischen 2000 und 2012 war er am Sonderforschungsbereich 564 über „Nachhaltige Landnutzung und ländliche Entwicklung in Bergregionen Südostasiens“ beteiligt. 2005 erhielt er einen Ruf auf eine W3-Professur für Lebensmittelsystemtechnik an der Technischen Universität München sowie einen weiteren Ruf als Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising. Seine Forschungsleistungen wurden 2007 mit der Ehrendoktorwürde der University of Food Technologies in Plowdiw, Bulgarien sowie 2008 mit der Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universidad Salvadoreña Masferrer in El Salvador geehrt. Seit 2014 ist Carle zudem Distinguished Adjunct Professor an der König-Abdulaziz-Universität in Jeddah, Saudi-Arabien.
Das Thomson Reuters Institute of Scientific Information kürte Carle 2014 zu den weltweit einflussreichsten Wissenschaftlern im Bereich agrikultureller Forschung. Seine Hauptforschungsgebiete sind neben der Gewinnung von Wertstoffen aus Reststoffen der Lebensmittelproduktion die Verarbeitung tropischer und subtropischer Früchte, die Gewinnung und Stabilisierung pflanzlicher Farbstoffe, die Authentizitäts- und Qualitätsbestimmung pflanzlicher Lebensmittel sowie ernährungsphysiologische Eigenschaften von Frucht- und Gemüseprodukten. Carle veröffentlichte in seiner 22-jährigen Tätigkeit an der Universität Hohenheim über 360 Originalarbeiten und 32 Übersichtsartikel in begutachteten Fachjournalen zum Thema pflanzliche Lebensmittel. Außerdem gab er drei Bücher heraus und publizierte 44 Buchbeiträge, 16 Patente sowie 80 weitere wissenschaftliche Beiträge. In seiner bisherigen Laufbahn betreute er über 400 Diplom- und Masterarbeiten, promovierte 62 Doktoranden und vier seiner Schüler habilitierten sich an der Universität Hohenheim. Zehn seiner Schüler sind derzeit als Hochschullehrer in Deutschland, Costa Rica und Thailand tätig. Große Beachtung erlangten im Sommer 2015 seine Studien, wonach bestimmte Vitamine aus Orangensaft für den menschlichen Körper besser bioverfügbar sind als aus der ganzen Frucht. Auch seine Untersuchungen über die FODMAPs in Brotgetreide mit der Forderung nach einer Rückbesinnung auf längere Gärzeiten von Teigen zur Verbesserung der Verträglichkeit von Backwaren bei Reizdarm-Patienten fanden große Resonanz. Sein Urteil hatte in der Fachwelt großes Gewicht, so auch im erfolgreichen Rechtsstreit von Ritter Sport gegen Stiftung Warentest.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Carle, Reinhold |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Naturwissenschaftler, Lebensmitteltechnologe und Hochschullehrer |
| GEBURTSDATUM | 18. Dezember 1950 |
| GEBURTSORT | Künzelsau |