Remo Rossi
Leben und Werk
Remo Rossi stammte aus einer Tessiner Bildhauerfamilie in Arzo. Er besuchte das Gymnasium in Locarno und anschließend 1926 die Kunstgewerbeschule in Luzern. Von 1927 bis 1931 studierte er Anatomie, Design und Architektur an der Mailänder Kunstakademie Accademia di Belle Arti di Brera. 1932 und 1933 studierte er in Paris an der École des Beaux-Arts sowie an der Académie Scandinave bei dem Bildhauer Charles Despiau; dieser erkannte sein Talent und veranlasste ihn, die Akademie zu verlassen und allein in seinem Atelier weiterzuarbeiten, wo er ihn regelmäßig besuchte und beriet. Eine seiner ersten Bronzeskulpturen (Adolescente, entstanden 1934) wurde im Salon des Tuileries ausgestellt und in der Kunstzeitschrift Arts reproduziert. Bereits 1935 wurde er zu Ausstellungen nach Brüssel und Amsterdam eingeladen. 1936 kehrte er nach Locarno zurück und unternahm ausgedehnte Reisen durch Europa. 1943 heiratete er Bianca Bernasconi. 1945 wurde er Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege. Seit 1962 war er permanenter Kommissär und Beauftragter als Vertreter der Schweiz an der Biennale von Venedig.
Remo Rossis künstlerisches Werk kann man in die klassische Periode (bis 1962), in die geometrische Periode (bis 1975) und in die Periode der Verfeinerung einteilen. Es umfasst unter anderem Skulpturen, Plastiken, Reliefs, Kunst am Bau sowie Zeichnungen. Einen bedeutenden Bereich nimmt die sakrale Kunst ein. So schuf er beispielsweise 1951 für die Pfarrkirche von Courfaivre, für die Fernand Léger die Glasfenster und Jean Lurçat den Wandteppich erstellten, den Tabernakel und 1974 eine Gruppe von Bronze-Skulpturen für die Heilig-Kreuz-Kirche in Langnau im Emmental. Remo gewann zahlreiche Preise, unter anderem 1973 und 1977 den ersten Preis bei der „Internationalen Ausstellung für Skulptur“ in Madrid sowie Wettbewerbe, so 1943 für das Denkmal von Giuseppe Motta. Zusammen mit Battista Ratti gewann Rossi 1954 den Wettbewerb für das 25- und 50-Franken-Stück.
Rossi war u. a. befreundet mit dem italienischen Bildhauer Lucio Fontana, sowie mit Hans Arp und mit Jakob Probst, mit denen er zeitweilig in Locarno zusammenarbeitete.
2009 wurde in Locarno die „Stiftung Remo Rossi“ (Fondazione Remo Rossi) gegründet. Sie bietet jungen Talenten Stipendien und Arbeitsaufenthalte in den früheren Atelierräumen und fördert Studien über Werk und Person Remo Rossis.
Werke
Kunst im öffentlichen Raum
Statue des
Giuseppe-Motta-Denkmals (1942–1957), Granit, 4 m, Bahnhofplatz, Bellinzona
Robbenbrunnen (1945), Piazza Governo, Bellinzona
Madonna di Fatima (1946), Granit,
Gotthardpass, Airolo
Stier (1953), Bronze,
Zollikofen
Bronzeplastik (1953), vor dem
Museum Zofingen
Franco-Zorzi-Denkmal (1967), Airolo
Sepulkralskulptur
Bronzeplastik
Memento Mori (1930), Grab der Familie von Alfredo Mariotta,
Friedhof Santa Maria in Selva, Locarno
Plastik am Grab der Familie Alliata (um 1931), Friedhof Santa Maria in Selva
Bronzeplastik einer Trauernden am Grab von Corrado Müller-Patella (1933),
Monumentalfriedhof Lugano
Plastik am Grab der Familie Buetti (1939), Friedhof Santa Maria in Selva
Relief am Grab von Antonio Belloni (1941), Friedhof Santa Maria in Selva
Skulptur Toter Christus (1942), Grab der Familie Bonetti, Friedhof Santa Maria in Selva
Grabmal von Pompeo Maino (1944–1946), Monumentalfriedhof Lugano
Grabmal der Familie Poggioli (1945), Monumentalfriedhof Lugano (mit
Alberto Camenzind)
Hochrelief am Grab der Familie von Michelangelo Pedrazzini (1949), Friedhof Santa Maria in Selva
Hochrelief am Grab der Familie von Bruno Marazzi (1952), Friedhof Santa Maria in Selva
Relief am Grab der Familie Wyss-Lossli (1953), Friedhof St. Katharinen,
Solothurn
Blütenkreuz (Croce fiorita) (1955), eigenes Grab, Friedhof Santa Maria in Selva
Bronzeplastik am Grab der Familie Conti (1960), Monumentalfriedhof Lugano
Relief am Grab der Familie Carmine (um 1960), Monumentalfriedhof Lugano
Relief am Grab der Familie Piccioli (1964), Monumentalfriedhof Lugano
Relief am Grab der Familie Cotti (1965), Friedhof Santa Maria in Selva
Grabmal der Familie Patuzzo (1967), Monumentalfriedhof Lugano
Relief am Grab der Familie Fassbind (1970), Friedhof Paradiso
Grabmal von
Paride Pelli (1969), Monumentalfriedhof Lugano
Relief am Grab von Enea Sadis (um 1975), Monumentalfriedhof Lugano
Grabrelief,
Friedhof Rosenberg in Winterthur
Relief mit
Letztem Abendmahl, Grab der Familie Crivelli, Friedhof Lugano-Breganzona
Plastik am Grab der Familie Adamina, Friedhof Santa Maria in Selva
Relief am Grab der Familie von Giacomo Simona, Friedhof Santa Maria in Selva
Plastik am Grab der Familie Grandi-Soldati, Friedhof Santa Maria in Selva
Grabmal der Familie Taimi, Monumentalfriedhof Lugano
Weitere Werke im öffentlichen Raum
| Jahr |
Standort |
Objekt bzw. Titel |
Art, Höhe |
| 1951 |
Pfarrkirche Courfaivre |
Tabernakel |
Bronze, 160 cm |
| 1958 |
Revoltella-Museum, Triest |
Bozzetto Cenacolo |
Bronze, 115 cm |
| 1958 |
Museum der modernen Kunst, Venedig |
Toro ferito |
Bronze, 45 cm |
| 1974 |
Kirche Heilig Kreuz (Langnau im Emmental) |
Altar, Kruzifix, Tabernakel, Marienstatue und Ambo |
Bronzegruppe, unterschiedliche Höhen |
Literatur
- Diana Bettoni: Remo Rossi scultore interprete della cultura ticinese. In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr. 7, Tipografia Pedrazzini, Locarno 2004, S. 2l–34.
- Luigi Carluccio (Hrsg.): Remo Rossi. (Deutsch und Italienisch, Texte: Piero Bianconi und Paul Erni). Edizioni Casagrande Bellinzona, ABC Verlag, Zürich 1978, ISBN 3-85504-051-6.
- Paul Erni: Tage mit Remo Rossi. Skizzen und Aufzeichnungen. Verlag Locarno: Carlo Speziali, Locarno 1975, ISBN 3-518-38600-X.
- Matthias Oberli: Remo Rossi. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 5. Januar 2012.
- Diana Rizzi: Remo Rossi. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 909, Serie 91). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2012, ISBN 978-3-03797-060-7.
- Celestino Trezzini: Remo Rossi. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 8, Macheret–Z, Attinger, Neuenburg 1935, S. 144 (PDF Digitalisat), abgerufen am 9. Oktober 2017