Renate Bürg wuchs mit drei Geschwistern in einer Goldschmiedefamilie in Naumburg (Saale) auf. Ihr Großvater Paul Brand führte seit 1903 ein Goldschmiedegeschäft mit eigener Werkstatt, in dem auch ihre Eltern Raimund Bürg (Goldschmiedemeister) und Dora Bürg, geb. Brand (Goldschmiedin) arbeiteten. So war ihr und ihren Geschwistern diese Tätigkeit von Kindheit her vertraut. Nach der achtjährigen Schulzeit begann sie 1950 eine dreijährige Lehre zum Goldschmied bei ihrem Großvater. Auch zwei weitere Geschwister lernten später im großväterlichen Betrieb. In der Zeit der Ausbildung erfuhr sie von der Möglichkeit, in Halle (Saale) am damaligen Institut für künstlerische Werkgestaltung Burg Giebichenstein die Ausbildung fortzusetzen. 1953 wurde sie in die Metallklasse unter Leitung von Karl Müller aufgenommen. Nach bestandener Sonderreifeprüfung 1956 studierte sie weiter bei Karl Müller und nach dessen Emeritierung 1958 bei Joachim Fitzermann (* 1915). 1959 erhielt sie das Diplom als Formgestalterin auf dem Gebiet der Schmuckgestaltung. Dem Studium schloss sich eine postgraduale Qualifikation in Form einer Aspirantur an der Hochschule an. Von 1960 bis 1962 arbeitete sie als Gestalterin im VEB Gablona Neuheim. Eine ihrer Kolleginnen war Monika Winkler. Sie war von 1960 bis 1990 Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR.
Im Jahr 1962 heiratete sie den Diplom-Formgestalter Manfred Heintze, 1964 kam die gemeinsame Tochter Lisa und 1967 die gemeinsame Tochter Anna zur Welt. 1984 wurde die Ehe geschieden.
Von 1966 bis 1973 arbeitete sie als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Schmuck der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein. 1974 übernahm Renate Heintze die Leitung der Schmuckklasse und wurde 1984 als Hochschullehrerin (Dozentin) berufen.
„Renate Heintze ist eine Art Schlüsselfigur im Schmuckschaffen der DDR. […] Die Verwendung von Gießharz, Messing, Aluminium oder auch gar Pappmaché neben dem klassischen Gold und Silber soll den Beweis erbringen, daß Kunst und die Gesetze der Form nicht an ein bestimmtes Material gebunden sind. In ihren Arbeiten spürt man deutlich eine sensible eigenwillige Art, beispielsweise mit der figurativen Thematik umzugehen, sich ihr fast vorsichtig, meist vom Umriss her zu nähern. Doch ist auch immer die burgtypische Herbheit, besonders seit den siebziger Jahren, nach der Phase liebenswürdiger Naturthematik, präsent.“
„An der Hochschule in Halle an der Saale war die Schmuckausbildung von Anfang an eingebunden in die Gemeinschaft einer Kunstschule, an der Schmuck nicht als dekorative Zutat galt, sondern als ernst zu nehmende künstlerische Aufgabe. Das mit Sicherheit wichtigste Merkmal für das, was den Ruf der Halleschen Schmuck-Schule begründete, war die Konzentration auf das kunsthandwerkliche Einzelstück. In Halle hat Renate Heintze, von Anfang an gemeinsam mit Dorothea Prühl, neue Wege beschritten, ohne Tradiertes grundsätzlich zu verlassen. Materialien wurden neu interpretiert und auf ihre Brauchbarkeit für die künstlerische Idee hin getestet. Geprägt und eingebunden in die Tradition einer Schule, für die Kunst immer auch Zweckhaftigkeit bedeutete, blieb der Schmuck auch weiterhin auf den menschlichen Körper bezogen. In diesem Sinne steht Renate Heintzes Werk exemplarisch für ein heute gängiges Selbstverständnis und das weit ausdifferenzierte Bild zeitgenössischer Schmuckkunst.“
1988 „Zeitgenössisches Kunsthandwerk der DDR“, Handwerkskammer Hannover
1988 „Amulett und Talisman“, Hanau
1989 „Schmuckszene ´89“, Sonderschau der Internationalen Handwerksmesse München
1990 „Schmuck Made in DDR“, Galerie Knauth & Hagen, Bonn (Galerie Schmuck-Forum, Zürich)
1991 „Ambiente“, Sonderschau „Plus Fünf – Kunsthandwerk aus den neuen Bundesländern“, Internationale Messe Frankfurt/Main
1991 Configura 1, Kunst in Europa, Erfurt
2022 Schmuck + Image: Das GRASSI schmückt, GRASSI Museum für Angewandte Kunst, Leipzig
Vertreten bei Ausstellungen in:
Kairo, Damaskus, Moskau, Katowice, Leningrad, Tallinn, Bratislava, Prag, Bukarest, Budapest, Stockholm, Havanna, Rom
Literatur
Renate Heintze, Dorothea Prühl: Tradition und Neuerertum in der künstlerischen Schmuckgestaltung an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle-Burg-Giebichenstein, Teil 1. In: Uhren und Schmuck. Berlin 19 (1982) 2., S. 39–43.
Renate Heintze, Dorothea Prühl: Tradition und Neuerertum in der künstlerischen Schmuckgestaltung an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle-Burg-Giebichenstein, Teil 2. In ebd. 3., S. 66–70
Renate Heintze, Dorothea Prühl: Die Ausbildung von Schmuckgestaltern an der Hochschule Burg Giebichenstein. In: ebd. 25 (1988) 5., S. 136/137.
Fritz Kämpfer: Hallesche Goldschmiedekunst. Die Goldschmiedinnen Renate Heintze-Bürg, Dorothea Hofmeister und Irmtraud Ohme. In: Bildende Kunst. Berlin 1967, Heft 3, S. 139–143.
Walter Funkat: Kunsthandwerk in der DDR. Berlin 1970, S. 303–305.
Hans Ulrich Lehmann: Kunsthandwerklicher Schmuck von Renate Heintze. In: Bildende Kunst. Berlin 1980, Heft 2. S. 78–80.
Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Berlin 1984, S. 202–204.
Configura 1. Kunst in Europa. (Ausst.-Kat.). Hrsg.: Galerie am Fischmarkt. Erfurt 1991, S. 97.
Dorothea Prühl, Andrea Richter, Heinz Schönemann, Peter Skubic: Schmuck Burg Giebichenstein 1970-1992, Stuttgart 1992, S. 18–47, S. 193, ISBN 978-3-925369-27-8.
Christiane Keisch: Renate Heintze – Schmuck. Hrsg.: Renate Luckner-Bien und Dorothea Prühl, Ed. Stekofoto, Halle an der Saale 1993, ISBN 978-3-929330-11-3.
Renate Heintze: Fazit. Hrsg.: Renate Luckner-Bien, Margit Jäschke, Dößel 2017. ISBN 978-3-89923-375-9.
Heintze (-Bürg), Renate. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 332/333
Schmuck + Image: Das GRASSI schmückt. Olaf Thormann / Sabine Epple, GRASSI Museum für Angewandte Kunst (Hg.), Leipzig 2022, ISBN 978-3-89790-662-4
↑Christiane Keisch: Kunsthandwerk der Gegenwart. Zeitgenössische Arbeiten aus der DDR in der Sammlung des Berliner Kunstgewerbemuseums. Berlin 1989, S. 88
↑Katja Scheider: Renate Heintze – eine Wegbereiterin des Autorenschmucks. In: Renate Heintze. Fazit. Dößel 2017, S. 6