Reschdobl-Denkmal

Ansicht des Reschdobl-Denkmals von Süden

Das Reschdobl-Denkmal wurde 1950/51 auf einer Anhöhe nördlich von Reschdobl in der Gemeinde Egglham zum Gedenken an Opfer der Schlacht von Aidenbach (8. Januar 1706) errichtet und am 17. Juni 1951 von Franz Xaver Eggersdorfer (Bistum Passau) geweiht. Gäste waren u. a. Rupprecht von Bayern und der bayerische Landtagspräsident Alois Hundhammer.

Beschreibung

Die regelmäßig durchfensterte Rundkapelle trägt ein ziegelgedecktes polygonales Zeltdach. Sockel und aufgehendes Ziegelmauerwerk sind außen mit örtlichem Quarz-Konglomeratgestein verkleidet, Laibungen und Innenwände sind verputzt und gekalkt. Im betonierten Sockel befindet sich eine gemauerte Grablege, in die Gebeine eingelegt sind, die bei Feldarbeiten aus den umliegenden Massengräbern ausgeackert wurden.

Im Inneren steht auf einem flachen Granitsockel eine geschnitzte, farbig gefasste Figur eines Bauern mit bayerischer Rautenfahne und wehrhaft erhobenem Morgenstern. Die Sockelinschrift bezieht sich auf die umliegenden Grabgruben, in die nach der Schlacht nicht namentlich bekannte Tote eingelegt wurden: Hier ruhen | gebettet in sechs Gruben 640 Landesverteidiger aus den Tälern | der Donau, Vils und Rott, welche den Heldentod | für ihr Vaterland starben | Am 8. Januar 1706.

Das Denkmal steht im Gemeindebereich von Egglham, es ist jedoch der Pfarrei Beutelsbach zugehörig.

Errichtung, Einweihung und Gedenkkultur

Bauherr des Reschdobl-Denkmals war Josef Steinhuber (1877–1963), Altbauer des Resch-Hofs, zu dessen Flurbesitz der Hügel mit den Massen-Grabstätten gehörte. Die Schlacht von Aidenbach, die im südöstlichen Niederbayern tiefe und anhaltende wirtschaftliche und soziale Folgen zeitigte, ist als traumatisches Ereignis in das lokale Gedächtnis eingegangen. Von überregionaler Bedeutung ist, dass mit dieser Schlacht die Erhebung des bayerischen Landvolkes gegen die Besetzung Bayerns durch Truppen des Habsburger Kaisers Joseph I. zum Erliegen kam.

Bei Aidenbach wurden zum Gedenken an die Schlacht weitere Denkmäler geschaffen, 1866 auf dem Handlberg bei Aidenbach, 1932/33 auf dem Kleeberg bei Beutelsbach, 1960 auf dem Veitlberg bei Unterhörbach (Gemeinde Haarbach). Das Reschdobl-Denkmal bei Martinstödling und das Denkmal auf dem Veitlberg gedenkt der Opfer der Massaker an flüchtenden Landesverteidigern.

Die Vereinnahmung des Reschdobl-Denkmals für nationalistische Zwecke scheiterte stets an dem allgemeinen Wissen, dass es reguläre Truppen waren, die das Massaker an den aufständischen Bauern und Landhandwerkern verübten, dass der verantwortliche Führer Bayerns, Kurfürst Max Emanuel, sich unter Zurücklassung von Volk und Familie ins Ausland absetzte und dass der Aufstand mit frühen parlamentarischen Initiativen begleitet war.

Trivia

Das Wohnhaus des Bauernhofs, vulgo „beim Reschn“ oder „Resch im Dobl“, zu dem das Reschdobl-Denkmal 1951 gehörte, ist als Baudenkmal ausgewiesen: Reschdobl 1, Gemeinde Egglham, „Wohnhaus eines großen Vierseithofs, dreigeschossiger Massivbau mit flachem Walmdach, Mittelrisalit und reicher Putzgliederung, gegen 1900“.

Joseph Pamler berichtet, der Reschhof sei der letzte verteidigte Rückzugsort flüchtender Landesdefensoren gewesen. Der Hof wurde am 8. Januar 1706 von den habsburgischen Soldaten gebrandschatzt.

Das Verzeichnis der Teilnehmer der Schlacht nennt unter den Getöteten: „Georg, ein(en) Reschensohn von Dobl“.

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Im Zuge einer Sanierung wurde die Decke in Beton, der ursprünglich glatte Putz in Rauputz erneuert.
  2. ↑ Die Figur ist in bäuerliche Festtagstracht des 19. Jahrhunderts gekleidet. Hergestellt hat sie der Holzschnitzer Jakob Probst in der Werkstatt Heuschneider in Aidenbach.
  3. ↑ Von dem Vierseithof sind 2026 noch zwei Seiten erhalten.

Einzelnachweise

  1. Johann Geier: Die Schlacht bei Aidenbach. In: Markt Aidenbach (Hrsg.): Der Markt Aidenbach. Gedächtnisschrift zur 275. Wiederkehr der Bauernschlacht bei Aidenbach. Aidenbach 1981, S. 53–58.
    1. ↑ S. 55: „Von einer Schlacht kann (…) überhaupt keine Rede sein, es war vielmehr ein Abschlachten von nahezu Wehrlosen.“
  2. ↑ Joseph Pamler: Die Schlacht bei Aidenbach am 8. Januar 1706. Aus der handschriftlichen Chronik Aidenbachs. Passau 1859, (Digitalisat Staatliche Bibliothek Passau).
  3. Verzeichnis der Teilnehmer der Schlacht. In: Marktgemeinde Aidenbach (Hrsg.): Festschrift der Marktgemeinde Aidenbach zum Gedenken an den 300. Jahrestag der Bauernschlacht. Aidenbach 2006, S. 159–187.
    1. ↑ S. 165.

Koordinaten: 48° 32′ 49,31″ N, 13° 5′ 31,96″ O