Richard Burgsthal

Richard Burgsthal (* 22. Juli 1884 in Nizza; † 27. Oktober 1944 in Juan-les-Pins), eigentlich René Billa, war ein französischer Künstler, der besonders für seine Glasmalerei und Glasvasen berühmt war.

Leben und Werk

Richard Burgsthal, der eine musikalische Ausbildung als Pianist begonnen hatte, trat 1895 in das Pariser Konservatorium ein. Als Wagner-Anhänger lernte er 1903 die Komponistin Rita Strohl kennen, die unter anderem Opern sowie keltische und vedische Legenden im Geiste Wagners schuf. Beide standen der Theosophie nahe. Auf Anregung von Rita Strohl wandte sich Richard Burgsthal der Malerei zu und setzte die Visionen, zu denen ihn die Musik anregte, in großformatige, farbenprächtige Aquarelle um. 1908 heirateten die beiden.

Richard Burgsthal - Salammbô - Il parut

Die Begegnung mit Gustave Fayet im Jahr 1910 in der Pariser Galerie Barbazanges, wo er seine Werke ausstellte, sollte sich als entscheidend erweisen. Der wohlhabende Kaufmann, Mäzen und Sammler beauftragte ihn mit der Ausgestaltung der Abtei Sainte-Marie de Fontfroide bei Narbonne, die er kurz vorher erworben hatte. Er wollte sie renovieren und mit künstlerischen Werken ausstatten. So schuf Burgsthal 1912 verschiedene Dekorationen: fünf große Triptychen im Parloir (Auditorium), die legendäre oder mythologische Themen in einer märchenhaften, üppigen Natur darstellen; zwei Fresken für den Dortoir des Moines (Mönchsschlafsaal), der zum Musikzimmer umgewidmet wird, das eine inspiriert von Richard Wagners Der fliegende Holländer, das andere stellt die geistliche Musik dar; eine Reihe von Aquarellen auf Chinapapier, die von Dem Ring des Nibelungen inspiriert waren.

(Narbonne) Paysage aux oiseaux 1920 - Richard Burgsthal - Musée des Beaux-Arts de Narbonne

Frayet beauftragte ihn auch, neue Glasfenster zu schaffen. Burgsthal begnügte sich nicht damit, nur die zeichnerischen Vorlagen zu erstellen, sondern vertiefte sich in die Kunst der Glasmacherei. Ab 1912 ließ sich Richard Burgsthal in Bièvres nieder, nachdem Gustave Fayet dort im Tal von Chevreuse die Glashütte „Les Sablons“ erworben hatte. Er entwickelte seinen eigenen Schmelzofen und eigene Fertigungstechniken, wobei er sich auf eine Abhandlung des Mönchs Theophilus Presbyter aus dem Jahr 1125 sowie auf eine weitere Schrift aus dem Jahr 1202 stützte. In der Glashütte „Les Sablons“ führte er zahlreiche Versuche durch, bis ihm im April 1913 die Wiederentdeckung des „Chartres-Blaus“ und im Juli die des Rubinrots gelang. Hier schuf er seine berühmtesten Werke: die Rosette und mehrere Fenster der Kirche in Fontfroide, die biblische Themen mit moderner Kunst darstellen.

Vitrail de l’Abbaye de Fontfroide

Nach 1925 schuf Richard Burgsthal weiterhin moderne Glasfenster, widmete sich jedoch vor allem der Restaurierung alter Glasmalereien, z. B. für die Kathedralen von Albi, Carcassonne, Narbonne und Saint-Bertrand-de-Comminges. Trotz ihrer beachtlichen plastischen Kraft und ihrer visionären Dimension sind Burgsthals Werke einem breiteren Publikum kaum bekannt und in Museen sowie öffentlichen Sammlungen nur selten vertreten. Den umfangreichsten Bestand bewahrt das Museum in Béziers auf; es beherbergt mehr als 4.000 Werke des Künstlers, bei denen es sich überwiegend um grafische Arbeiten handelt. Das Museum von Narbonne besitzt vier Gemälde des Künstlers. Im Jahr 2015 erwarb das Musée d’Orsay das Leinwandgemälde Paysage fantastique, cirque de montagnes avec lac (1910–1914), dies führte zu einer größeren Anerkennung von Burgsthals Schaffen.

Bei den Vasen und Lampen, die die Signatur „Richard“ tragen, handelt es sich hingegen um Erzeugnisse der Firma Joh. Loetz Witwe in Böhmen. Das Unternehmen pflegte bereits seit Beginn des Jahrhunderts die Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern, deren Stil zur eigenen Entwicklung passte. Während ihrer kurzen Zusammenarbeit in den Jahren 1925–26 steuerte Burgsthal sein „Chartres-Blau“ bei; in der Glashütte wurden diese Stücke unter der Bezeichnung „Style Gallé“ geführt. Die Produktion beschränkte sich jedoch nicht allein auf diesen Zeitraum. Die Objekte von Loetz wurden in hohen Auflagen gefertigt, so dass auch im 21. Jahrhundert bei Auktionen Einzelstücke günstig erworben werden können, meist unter 500 €.

Joh. Loetz Witwe, Vase

Literatur

Commons: Richard Burgsthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Burgsthal, Richard (1884 - 1944). Musée d’Orsay, 2026, abgerufen am 1. November 2026 (französisch).
  2. ↑ Au-delà des étoiles Le paysage mystique de Monet à Kandinsky. Musée d'Orsay, 2017, abgerufen am 1. November 2026 (französisch).
  3. 1 2 Hervé CASINI: Richard BURGSTHAL (1884-1944) : niçois, artiste symboliste et wagnérien. Cercle Richard Wagner, Paris, 2026, abgerufen am 1. November 2026 (französisch).
  4. ↑ Sylvie Decottignie: ensemble des décors peints par Richard Burgsthal. La Région Occitanie, 2026, abgerufen am 1. November 2026 (französisch).
  5. ↑ Richard BURGSTHAL (1884-1944), vase en verre à décor floral. Signé Richard. In: Le Verre et le Cristal. 2026, abgerufen am 1. November 2026 (französisch).
  6. ↑ Vase. Richard Burgsthal (1884-1944) für Johann Loetz Witwe, Klostermühle. Kastern Autionen, 2025, abgerufen am 1. November 2026.