Gustave Fayet

Gustave Fayet (* 20. Mai 1865 in Béziers; † 24. September 1925 in Carcassonne) war ein französischer Weingutbesitzer, Weinhändler, Kunstsammler und Künstler.

Gustave Fayet

Leben und Werk

Er wurde als Sohn einer reichen Weingutbesitzer-Familie in Béziers geboren. Die Familie bewirtschaftete neben Konsumwein-Gütern renommierte Châteaus wie Domaine de la Tour, Domaine de Milhau, La Fontneuve und die Domaine de Védilhan. Sein Vater und sein Onkel waren beide begeisterte Maler neben ihrem Beruf als Winzer. Sein Vater Gabriel nahm ihn zu seinen Besuchen der großen Museen in vielen europäischen Städten mit.

Die Familie war reich und besaß ein Landhaus in ihren Weingütern und ein Stadthaus in Béziers. 1893 heiratete er Madeleine d’Andoque de Sériège, Tochter einer reichen Landbesitzerfamilie aus Béziers. Seine Braut brachte eine Mitgift von 3 Mio. Gold-Francs in die Ehe ein. Zum Vergleich: Für die Abtei Sainte-Marie de Fontfroide bezahlte er später ca. 50.000 Francs.

Plakette in Béziers

Nach dem Tod seines Vaters 1899 übernahm Gustave Fayet die Leitung des Weinguts und den Weinhandel. Als Anhänger des Saint-Simonistischen Fortschrittsprojekts durch Industrialisierung modernisierte er seine Betriebe. Er errichtete einen neuen Wein- und Lagerkeller mit 40.000 hl Fassungsvermögen und setzte für den Weinvertrieb auf die neue Eisenbahn, vorher war der Canal du Midi ein wichtiger Transportweg. Dadurch konnte er sein Vetriebsgebiet auf ganz Frankreich ausweiten. Um die Schwankungen des Weinverkaufs abzumildern, baute er Destillerien und vertrieb den Weinbrand. Insgesamt bewirtschaftete er ca. 1.000 ha Weinreben.

Zu Beginn seiner Ehe verreiste er mit seiner Frau in die großen Städte Europas und besuchte Museen und Opern. Er selbst malte viel, inspiriert vom Impressionismus.

Gustave Fayet - Vue de Saint-Mandrier

In dieser Zeit begann er auch, Gemälde zu sammeln. Er erwarb eine Sammlung 41 impressionistischen Gemälden, damals bereits eine anerkannte Kunstrichtung. Er nahm Kontakt mit anderen Sammlern moderner Kunstrichtungen wie Jugendstil, Art déco und Japonismus auf. Er begann seine Keramik Sammlung. Er erwarb Bilder von Gauguin, der zu dieser Zeit in Tahiti lebte, nach und nach erwarb er 20 Bilder von Van Gogh. Er selbst begann bunt zu malen im „Fauvismus-Stil“, Farbe wurde wichtig für ihn. Er engagierte sich im Kulturleben von Béziers und organisierte Musikveranstaltungen, Ausstellungen etc.

Nach dem Tod seiner Mutter zog er mit seiner Familie nach Paris, wo sich schnell ein Künstlerkreis bildete. Er kaufte bei den führenden Kunsthändlern wie Durand-Ruel und Bernheim-Jeune. Obwohl er sehr reich war, verhandelte er hart über die Preise, manchmal tauschte er auch eigene Gemälde gegen neue. Er machte die Bekanntschaft mit Matisse und kaufte einiger Bilder. In der Krise des Weinbaus in den 1910/1920er Jahren begann er sein Vermögen zu diversifizieren. Er investierte in Minen, Eisenbahnen und kaufte eine Pariser Bank. 1906 stellt er mehrere seiner Bilder in der großen Gauguin Ausstellung aus, damit war er als hochkarätiger Sammler etabliert.

1908 wurde die Abtei Sainte-Marie de Fontfroide, ganz im Westen des Gebiet der Stadt Narbonne gekauft, auf den Namen seiner Frau und mit dem Geld aus ihrer Mitgift. Er hatte sie als Kind oft mit seinem Vater besucht.

Abtei Fontfroide

Er bezog die Abtei mit seiner Familie und ließ das Kloster restaurieren, kaufte Antiquitäten zur Möblierung und gab Glasfenster bei Richard Burgsthal in Auftrag. Kreuzgang und Gärten wurden wieder hergerichtet.

Abbaye de Fontfroide - Große Rosette

Zur Finanzierung verkaufte er einige Gemälde Cezannes. Sainte-Marie de Fontfroide wurde sein Gesamtkunstwerk. Viele Künstlerfreunde besuchten ihn dort und arbeiteten z. T. hier. Die Töchter spielten Theater in den alten Mauern und im Garten. Durch Odilon Redon lernte er das „Unterbewusste“ der Kunstwerke kennen, den verborgenen, spirituellen Sinn. Er beauftragte Redon mit Porträts seiner Familie. Sowohl Redon als auch Fayet hatten einen Sohn im Krieg an der Front und sie erhielten keine Nachricht von ihm. Redon malte ein großes Triptychon in Fontfroide, welches wichtig für ihn selbst war, mit dem Thema „Angst vor der Nacht, Freude am Tag“.

1912 verließ Fayet Paris und zog in die Perche, südwestlich von Paris. Er erwarbt das Chateau d’Igny. Er gründete mit Burgsthal eine Glasmanufaktur in Bièvres, in der die Fenster für Fontfroide hergestellt wurden. Er wandelte das Chateau in ein Museum mit seinen Bildern um. Mehr und mehr wurde er vom Kunstsammler zum Künstler. Ein französischer Stoffhersteller sah Fayets Gemälde und kaufte sie als Druckvorlagen, z. T. für das Kaufhaus Printemps. 1916 kaufte er die Abtei St Andre in Villeneuve-lès-Avignon und überließ sie Elsa Koeberlé und Génia Lioubow.

1920 gründete Fayet die Werkstatt La Dauphine in Paris, um Teppiche nach seinen Aquarellen weben zu lassen, er beschäftigte 15 Weberinnen. Er stellte seine Teppiche in Galerien und Museen aus. Sie wurden gelobt und reiche Pariser kauften sie.

Gustave Fayet - Buvards - Entwurf für Teppich

1920 kaufte er die Villa Costebrune an der Côte d’Azur bei Toulon. Er selbst bemalte die Räume mit Landschaftsszenen des Südens. Er illustrierte Bücher wie Les Fleurs du Mal, das Hohe Lied Salomon, die Bhagavad Gita. Für Illustration der Bücher von Frédéric Mistral bereiste er die Provence und machte Skizzen. Er übertrug seinen Besitz seinen Kindern um sich ganz der Kunst zu widmen. 1924 besuchte er Mallorca. 1925 gab er das Buch Fleurs (Blumen) heraus, inspiriert von Franz von Assisis Fioretti. 1925 starb er überraschend in Carcassonne. Er wurde in Béziers in der Familiengruft begraben. 1926 wurden seine Teppiche in einer Ausstellung im Louvre gezeigt und fanden Anerkennung.

Familie und Nachspiel

Er hatte fünf Kinder, seine älteste Tochter Yseult stand ihm am nächsten. Seine Frau warf ihm manchmal vor, mit seiner Leidenschaft für Bilder die Familie zu ruinieren. Er wies ihr nach, dass er durch kluge An- und Verkäufe sogar noch einen Gewinn erwirtschaftete.

1909 starb der Sohn Gabriel an einer Bauchfellentzündung, ein Ereignis, dass die Eheleute entfremdete. Ein weiterer finanzieller Streit führte 1923 zur Scheidung. Da Fontfroide ihr gehörte, warf sie ihn heraus. Er versuchte, die von ihm bezahlten Renovierungen und Installationen ersetzt zu bekommen. Die Trennung von Fontfroide schmerzte ihn mehr als das Scheitern der Ehe.

Nach seinem Tod zwang die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre die Erben, die Sammlungen und Immobilien zu verkaufen. 39 Bilder gingen an den Kunsthändler Paul Rosenberg. Im 21. Jahrhundert sind die Gemälde verstreut und können nur noch bei speziellen Ausstellungen besichtigt werden. Gustave Fayet selbst war als Künstler fast vergessen, eine Reihe von Ausstellungen, z. B. in der Fondation Louis Vuitton, erzeugten erneut Interesse an ihm. Ein Teil der Weingüter der Familie existiert noch, z. B. Château de Raissac in Béziers, dort befindet sich auch ein Museum seiner Keramiken. In Fontfroide gibt es ein Museum Gustave Fayet: Association du Musée d’Art Gustave Fayet.

Literatur

Commons: Gustave Fayet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Florence Monferran: Les mille vies de Gustave Fayet, homme de vin et d’art. In: Le Point. 26. August 2025, abgerufen am 24. Oktober 2026 (französisch).
  2. 1 2 3 4 5 Nadege de Peganauw: Gustave Fayet: Ein Leben für die Kunst. In: ARTE TV. 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026.
  3. 1 2 3 Julie Coe: Gustave Fayet Reemerges from the History Books. In: archdigest.com. ARCHITECTURAL DIGEST, 20. Oktober 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026 (englisch).
  4. 1 2 Arnaud Boucomont: Fayet, Gaugin, van Gogh et les autres. In: Midi Libre Narbonne. 25. Oktober 2026, S. histoire (französisch).
  5. ↑ Gustave Fayet. In: Château de Raissac. 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Gustave Fayet - Une vie pour l'art. In: gustavefayet.fr. Association du Musée d’Art Gustave Fayet à Fontfroide, 2026, abgerufen am 24. Oktober 2026 (französisch).
Personendaten
NAME Fayet, Gustave
KURZBESCHREIBUNG französischer Weingutbesitzer, Weinhändler, Kunstsammler und Künstler
GEBURTSDATUM 20. Mai 1865
GEBURTSORT Béziers
STERBEDATUM 24. September 1925
STERBEORT Carcassonne