Richard F. Thompson

Richard F. Thompson (erste Reihe links) und die NSB Group (2012)

Richard Frederick Thompson (* 6. September 1930 in Portland; † 16. September 2014 in Nipomo) war ein US-amerikanischer Professor für Psychologie und Biowissenschaften an der University of Southern California.

Leben

Er wurde als Sohn von Frederick Albert und Margaret St. Clair (geb. Marr) Thompson geboren. Sein Vater ging im Ersten Weltkrieg freiwillig zur Armee. Er wurde Leutnant und Scharfschützenausbilder. Nach dem Krieg bewirtschaftete er eine Zeit lang einen Bauernhof und wurde nach seiner Heirat Buchhalter. Seine Mutter war auf einem Bauernhof aufgewachsen. Sie absolvierte eine Lehrerausbildung und unterrichtete anschließend in New Brunswick. Danach ließ sie sich zur Krankenschwester ausbilden und zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sie sich freiwillig zum britischen Krankenschwesternkorps und verbrachte Zeit in Frontlazaretten in Frankreich.

Während seiner Schulzeit interessierte er sich für die Naturwissenschaften, insbesondere für Physik. 1948 begann er sein Studium am Reed College mit dem Ziel, theoretischer Physiker zu werden. Nach einem Einführungskurs in Psychologie und der Lektüre der Bücher des Psychologen und Behavioristen Karl Lashley wechselte er jedoch zu diesem Studienfach. Sein Psychologiestudium schloss er hier 1952 mit einem Bachelor ab. Einen Master of Sciences erwarb er 1953 an der University of Wisconsin–Madison. Hier promovierte er 1956 zum Doktor der Philosophie, wo er auch seine Postdoktorandenforschung im neurophysiologischen Labor durchführte. Eine weitere Postdoktorandenstellen hatte er im Labor für Neurophysiologie der Universität Göteborg inne.

Seine berufliche Laufbahn begann 1959 als Assistenzprofessor für Medizinische Psychologie und Psychiatrie an der Medial School der University of Oregon. 1967 nahm er eine Professur an der Fakultät für Biowissenschaften an der University of California, Irvine an. Hier arbeitete er eng mit Gardner Lindzey und Calvin S. Hall zusammen; zu dritt verfassten sie als Lehrbuch eine Einführung in die Psychologie. 1973 wechselte er an das Department of Psychology and Social Relations der Harvard University, wo er den Lehrstuhl von Karl Lashley übernahm. 1975 ging er wieder zurück an die University of California, Irvine, wo er bis 1980 blieb. 1978 bis 1979 verbrachte er ein Jahr am Center for Advanced Study in the Behavioural Sciences in Stanford. 1980 nahm er eine Stelle an der Stanford University als Bing-Professor für Humanbiologie mit einer Haupttätigkeit im Fachbereich Psychologie an. 1987 erhielt er ein Angebot von der University of Southern California (USC), das er nicht ablehnen konnte. Dort wurde ein neurowissenschaftliches Programm aufgebaut und ein neues Forschungsgebäude errichtet. Er wurde hier zum Keck-Professor für Psychologie und Biologie und von Leiter des Neurowissenschaftsprogramms mit einer geringen Lehrverpflichtung ernannt. Von 1989 bis 2001 leitete er das Programm für neuronale, informationswissenschaftliche und verhaltenswissenschaftliche Wissenschaften der USC. Anschließend war er noch als leitender wissenschaftlicher Berater am Neurowissenschaftlichen Forschungsinstitut der USC tätig. Zudem hatte er Professuren für Neurologie an der Medizinischen Fakultät und eine Position als leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Gerontologie inne.

Werk

Seine wissenschaftlichen Interessen galten dem breiten Feld der Verhaltensneurowissenschaften mit Schwerpunkt auf die neurobiologischen Grundlagen des Lernens und des Gedächtnisses. Seine Forschung konzentrierte sich auf die Identifizierung von Orten im Gehirn, an denen Erinnerungen für bestimmte Formen der klassischen Konditionierung gespeichert werden. Zusammen mit seinem Doktoranden David A. McCormick entdeckte er, dass das Kleinhirn eine entscheidende Rolle bei der klassischen Konditionierung spielt; bis dahin galt das Kleinhirn als motorisches Zentrum, also als Schaltzentrale willkürlicher, koordinierter Körperbewegungen. Er war der erste Neurowissenschaftler, der die für die klassische Konditionierung verantwortlichen neuronalen Schaltkreise identifizierte und kartierte. Er konnte auch zeigen, dass das Gehirn eine Erinnerung speichert, indem es die Synapsen, also die Verbindungen zwischen den Neuronen, stärkt. Neuronen bilden während des Lernprozesses auch neue Synapsen, was er als Gedächtnisbildung definierte. Er untersuchte auch die Auswirkungen von Verhaltensstress, Östrogen und Alterung auf das Lernen.

Ehrungen/Positionen

Privates

An der medizinischen Fakultät der University of Oregon lernte er seine spätere Frau, die aus Dänemark stammende Judith Pedersen, kennen, wo beide in der psychiatrischen Abteilung arbeiteten. Sie wurde Dozentin an der Krankenpflegeschule der Universität von Oregon. Mit seiner Ehefrau Judith Thompson war er 54 Jahre verheiratet; aus der Ehe stammten die Kinder Kathryn Thompson-Clancy (* 1962), Elizabeth Collins (* 1964) und Virginia Thompson-DeWinter (* 1968). Er verstarb mit 84 Jahre in seinem Haus in Nipomo; er litt an Herzinsuffizienz und war kurz vor seinem Tod gestürzt.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
Commons: Richard F. Thompson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Joseph E. Steinmetz: Remembering Richard F. Thompson auf Association for Psychological Science vom 31. Dezember 2014, abgerufen am 18. April 2026.
  2. ↑ Susan Bell: In memoriam: Richard F. Thompson, 84 auf USC Today vom 20. September 2014, abgerufen am 19. April 2026.
Personendaten
NAME Thompson, Richard F.
ALTERNATIVNAMEN Thompson, Richard Frederick (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Neuropsychologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 6. September 1930
GEBURTSORT Portland
STERBEDATUM 16. September 2014
STERBEORT Nipomo