Richard Kiwit

Richard Martin Karl Kiwit (* 1888 in Dorpat, heute Tartu; † 1981 in Kornwestheim) war ein Maler, Illustrator und Karikaturist. Er arbeitete unter anderem als Zeichenlehrer, Buchillustrator und Landschaftsmaler. In Württemberg schuf er Orts- und Landschaftsansichten sowie naturkundliche Dioramen.

Leben

Kiwit wuchs als einziger Sohn einer siebenköpfigen Familie auf. Sein Vater Johann Kiwit war Schuster. Wegen der schwierigen finanziellen Lage der Familie musste Richard Kiwit das Gymnasium verlassen und eine kaufmännische Lehre beginnen. Diesen Beruf übte er später jedoch nicht aus; stattdessen bildete er sich praktisch zum Kunstmaler aus. Er verdiente früh Geld mit Buchillustrationen, Landschafts- und Porträtmalerei. Außerdem illustrierte er Fibeln sowie Schul- und Kinderbücher und verfasste teilweise auch die Texte dazu. Er sprach Deutsch, Estnisch und Russisch.

1912 heiratete er die Ärztin Salme Martin (1891–1962); kurz darauf wurde die gemeinsame Tochter Dagmar (1912–2002) geboren. Während des Ersten Weltkriegs wurde Kiwit nicht an der Front eingesetzt, sondern arbeitete in einem Kriegsindustrie-Komitee.

Nach der Unabhängigkeit Estlands 1920 unterrichtete Kiwit Zeichnen in Dorpat und leitete Fortbildungskurse für bereits tätige Zeichenlehrer. Für diese Tätigkeit wurde ihm der Professorentitel verliehen. Daneben arbeitete er als Illustrator, Landschaftsmaler, Karikaturist und Porträtist. 1922/23 vertiefte er seine Malereikenntnisse in Berlin bei dem Landschafts- und Genremaler Hans Herrmann.

Ende August 1944 verließ Kiwit mit seiner Frau und seiner Tochter Dorpat angesichts des Vorrückens der Roten Armee. Die Familie kam im Januar 1945 in Ludwigsburg an. Kiwit musste sein bisheriges künstlerisches Werk und seinen Besitz zurücklassen.

Seinen neuen Lebensmittelpunkt fand Kiwit im Raum Ludwigsburg, Oßweil und Kornwestheim. Zunächst arbeitete er als technischer Zeichner bei der Maschinenfabrik Stotz in Kornwestheim, machte sich aber nach etwa einem Jahr selbstständig. In Deutschland konnte er an seine früheren Erfolge als Buchillustrator nur begrenzt anknüpfen. Er unterrichtete Privatschüler und nahm Aufträge von Privatpersonen, Städten und Museen an. Die Landschaftsmalerei wurde zu seinem wichtigsten Tätigkeitsfeld.

Werk

Kiwits Arbeiten umfassen Zeichnungen, Gemälde, Buchillustrationen, Plakatvorlagen und Exlibris. Er verwendete unter anderem Tusche, Bleistift, Buntstift, Pastellkreide, Aquarell, Grafit, Kohle und Rötel sowie Wasser-, Öl- und Deckfarben. Als Malgründe dienten ihm vorwiegend Papier und Pappe; seinen Arbeiten gingen Skizzen voraus.

In den 1960er-Jahren beauftragte der Herba-Driess-Verlag in Plochingen Kiwit mit der Gestaltung von Bildern für fünf Sammelbände. Dafür malte er zahlreiche Orts- und Landschaftsansichten aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Neben solchen naturalistischen Motiven schuf er auch Menschenbilder und sozial- beziehungsweise zeitkritische Arbeiten. Diese Werke setzen sich thematisch mit Leben, Tod sowie Krieg und Frieden auseinander.

Naturkundliche Arbeiten und Auszeichnungen

Von 1958 bis 1971 schuf Kiwit in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler Karl Dietrich Adam naturkundliche „Lebensbilder“ für das Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart. Sie zeigen Tiere der Eiszeit und den Urmenschen Homo steinheimensis in ihrer natürlichen Umgebung. Für diese Darstellungen arbeitete Kiwit ohne bildliche Vorlagen, ausgehend von Fossilien und Knochenfunden. Er gestaltete außerdem Hintergründe für Dioramen in den Naturkundemuseen in Stuttgart und Karlsruhe.

1975 wurde Kiwit mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Rezeption und Nachlass

Kleinere Werk- und Verkaufsausstellungen mit Kiwits Arbeiten fanden zwischen 1971 und 1982 unter anderem in Ludwigsburg, Heilbronn, im Stuttgarter Rosensteinmuseum und an verschiedenen Orten in Kornwestheim statt.

Sein Nachlass befindet sich in großen Teilen in der Kunstsammlung des Museums im Kleihues-Bau in Kornwestheim. Weitere umfangreiche Bestände werden dem Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart, dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe sowie dem Stadtmuseum und Stadtarchiv Ludwigsburg und den Museen der Stadt Heilbronn zugeordnet.

Literatur und Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Ruth Kappel: Der Maler, Illustrator und Karikaturist Richard Kiwit. In: Hie gut Württemberg. 77. Jahrgang, Nr. 2, Mai 2026, S. 10–11.
Personendaten
NAME Kiwit, Richard
ALTERNATIVNAMEN Kiwit, Richard Martin Karl (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG estnisch-deutscher Maler, Illustrator und Karikaturist
GEBURTSDATUM 1888
GEBURTSORT Dorpat, heute Tartu
STERBEDATUM 1981
STERBEORT Kornwestheim