Mühlbach (Südtirol)

Mühlbach
ital.: Rio di Pusteria
Wappen
Wappen von Mühlbach
Wappen von Mühlbach
Karte
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Eisacktal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2025)
2.914/3.330
Sprachgruppen: 93,54 % deutsch
05,81 % italienisch
00,66 % ladinisch
Koordinaten 46° 48′ N, 11° 40′ OKoordinaten: 46° 48′ N, 11° 40′ O
Meereshöhe: 695–3132 m s.l.m. (Zentrum: 777 m s.l.m.)
Fläche: 84,12 km²
Dauersiedlungsraum: 8,4 km²
Fraktionen: Meransen, Spinges, Vals
Nachbargemeinden: Franzensfeste, Freienfeld, Natz-Schabs, Pfitsch, Rodeneck, Vintl
Partnerschaft mit: Volders
Postleitzahl: 39037
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 021074
Steuernummer: 81007110216
Bürgermeister (2025): Heinrich Seppi

Mühlbach (italienisch Rio di Pusteria) ist eine Marktgemeinde in Südtirol im Norden von Italien mit 3330 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025).

Geographie

Das Gemeindezentrum von Mühlbach von Südosten gesehen, dahinter der Eingang ins Valler Tal

Die Gemeinde befindet sich in Südtirol am Übergang vom Pustertal ins Eisacktal. In landeskundlichen Beschreibungen wird die Gemeinde dementsprechend mal der einen, mal der anderen Talschaft zugerechnet; aufgrund ihrer Nähe zu Brixen ist sie jedoch der modernen Bezirksgemeinschaft Eisacktal zugeteilt. Das Gemeindezentrum, Mühlbach (750–830 m s.l.m.), liegt direkt am Mühlbacher Stausee, in dem die aus dem Pustertal kommende Rienz gestaut wird und durch den die Grenze zur südöstlichen Nachbargemeinde Rodeneck verläuft. Hinter dem Ortskern liegt der Eingang des Valler Tals, das sich nordwärts in die Pfunderer Berge genannte Untergruppe der Zillertaler Alpen hinaufzieht. Auf einer Mittelgebirgsterrasse östlich über dem Valler Taleingang unter dem Gitschberg befindet sich die Fraktion Meransen (1380–1510 m), auf einer Mittelgebirgsterrasse westlich des Taleingangs an der Südgrenze zur Nachbargemeinde Natz-Schabs die Fraktion Spinges (1090–1190 m).

Das vom Valler Bach entwässerte Valler Tal nimmt zusammen mit seinem bedeutendsten Seitental, dem nach Nordosten abzweigenden Altfasstal, den größten Teil der Mühlbacher Gemeindefläche von insgesamt 84,12 km² ein. Es bietet der Fraktion Vals (1340–1410 m) Platz und ist von Gebirgskämmen umgeben, die im Westen die Grenzen zu den Wipptaler Gemeinden Franzensfeste und Freienfeld tragen, im Nordwesten die Begrenzung zum Pfitscher Tal (Gemeinde Pfitsch) und im Osten zum Pfunderer Tal (Gemeinde Vintl) darstellen. Über dem Talschluss im Norden erheben sich die beiden höchsten Mühlbacher Gipfel: die den Wilden See überragende Wilde Kreuzspitze (3135 m) und die Wurmaulspitze (3022 m).

Geschichte

Die älteste Erwähnung von Mulibah findet sich in einer Brixner Traditionsnotiz, aus der Zeit um 1050. Der deutsche Name des Ortes legt jedoch, verglichen mit den vordeutschen Namen von Spinges, Vals, Meransen und Rodanc-Rodeneck, die Vermutung nahe, dass diese bairisch-deutsche Jungsiedlung in das Gemeindegebiet eines dieser Orte eingepflanzt worden ist bzw. das Mühlenviertel eines dieser Orte gebildet hat. Nachdem nun der Hauptort Mühlbach ebenso wie die Fraktionen Spinges, Vals und Meransen durch Jahrhunderte (bis 1891) zur Pfarre Rodeneck gehörte, darf angenommen werden, dass Rodank-Rodeneck die ursprüngliche Muttergemeinde von Mühlbach gewesen ist. Die Schutzpatronin ist die Helena, die am ersten Sonntag nach dem 18. August mit einer traditionellen Prozession gefeiert wird.

Etwas nordöstlich des Hauptorts Richtung Pustertal steht die Mühlbacher Klause. Die einstige Tal- und Straßensperre, die zur Zolleinhebung diente, wurde zum ersten Mal am 12. Januar 1269 erwähnt. Erhalten hat sich das sechseckige Oberteil eines aus Granitstein gefertigten und mit Wappen versehenen Zahltisches (Zahlsteins) von 1477. Dieser befand sich bis 1920 im Privatbesitz und ging dann in den Besitz der Marktgemeinde Mühlbach über. Diese übergab den Zahltisch dem Verein „Mühlbacher Klause“ (gegründet 1997), welcher ihn in der renovierten Mühlbacher Klause 2005 aufstellte.

Aufgrund der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg und des Vertrages von Saint-Germain kam der Ort zusammen mit Südtirol 1920 zum Königreich Italien.

1929 wurde Mühlbach um die bis dahin eigenständigen Gemeinden Meransen, Spinges und Vals vergrößert. Das im selben Jahr ebenfalls eingemeindete Rodeneck wurde 1956 wieder zur selbstständigen Gemeinde erhoben.

Das Wasserkraftwerk Mühlbach ging 2012 in Betrieb.

Politik

Bürgermeister seit 1952:

Bevölkerung

Mühlbach ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine weitgehend deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen.

Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen
Sprache19811991200120112024
Deutsch 95,01 % 95,44 % 95,31 % 95,34 % 93,54 %
Italienisch 4,63 % 4,13 % 4,03 % 3,93 % 5,81 %
Ladinisch 0,36 % 0,43 % 0,66 % 0,73 % 0,66 %

Bildung

Mühlbach ist Sitz eines deutschen Schulsprengels. Dieser umfasst auf dem Gemeindegebiet die vier Grundschulen im Hauptort Mühlbach, in Meransen, Spinges und Vals, sowie die Mittelschule im Hauptort. Dem Schulsprengel angeschlossen ist auch die Grundschule der Nachbargemeinde Rodeneck. In Mühlbach besteht zudem die private Mittelschule „Herz-Jesu-Institut“.

Sehenswürdigkeiten

Ansitz Freyenthurn
Kirchplatz
Mühlbacher Kirchplatz

Verkehr

Mühlbach wird von der Pustertaler Staatsstraße, der Pustertalbahn, die am Bahnhof Mühlbach eine Zugangsstelle bietet, und der Radroute 3 „Pustertal“ durchquert. Zwischen dem Hauptort und Meransen verkehrte bis März 2025 die Meransner Bahn.

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Mühlbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Mühlbacher Marktblatt, Jg. 23, 1. Juli 2009, S. 36f.
  2. ↑ Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindenverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  3. ↑ Volkszählung 1981 – Die amtliche Bürgerzahl und die Sprachgruppen in Südtirol nach Gemeinde und Bezirk. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, März 1983, abgerufen am 9. Dezember 2024.
  4. 1 2 Volkszählung 2001 – Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Provinz Bozen-Südtirol. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, August 2002, abgerufen am 9. Dezember 2024.
  5. 1 2 Ergebnisse Sprachgruppenzählung 2024 – Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, Dezember 2024, abgerufen am 9. Dezember 2024.
  6. ↑ Schulsprengel Mühlbach. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  7. ↑ Gleichgestellte Mittelschule Mühlbach 'Herz Jesu Institut'. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.
  8. ↑ Denkmalpflege Provinz Bozen