Rita Bake

Rita Bake bei einer Veranstaltung im Garten der Frauen 2023

Rita Bake (* 16. Januar 1952 in Bremerhaven) ist eine deutsche Wirtschafts- und Sozialhistorikerin, Diplom-Bibliothekarin, Autorin und Gründerin des Gartens der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg.

Biografie

Bake wuchs als Tochter einer Binnenschifferin und eines Fischgroßhändlers in Bremerhaven auf. Während des Zweiten Weltkriegs waren ihre Mutter, ihr Großvater und ihre beiden Tanten vor der heranrückenden Roten Armee von Königsberg nach Bremen geflohen. Nach dem Krieg heiratete Ritas Mutter einen verwitweten Fischgroßhändler. Rita wurde 1952 in diesem familiären Umfeld geboren, das von Unabhängigkeit und Bildung geprägt war.

Bake studierte an der Fachhochschule Hamburg, FB Bibliothek und Information Bibliothekswesen mit Abschluss Diplom-Bibliothekarin. Danach studierte sie an der Universität Hamburg Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Volkskunde und Vor- und Frühgeschichte und schloss ihr Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Sie war u. a. Lehrende (Frauengeschichte) am Studiengang Frauenstudien/Frauenforschung der Universität Hamburg, Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Hamburg Fachbereich Bibliothek und Information und am Historischen Seminar der Universität Hamburg. 1990 begann sie ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Referentin in der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und war dort von 2004 bis Ende Juli 2017 als stellvertretende Direktorin tätig.

Sie veröffentlicht zur politischen Institutionenkunde Hamburgs und zur Sozial- und Regionalgeschichte, insbesondere zur Frauengeschichte, konzipiert historische Stadtrundgänge und szenische Aufführungen und führt diese durch.

Garten der Frauen

2000 gründete Bake unter Mithilfe von Silke Urbanski und Helga Diercks-Norden den weltweit einzigen Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Sie ist seitdem Vorsitzende des ehrenamtlich tätigen Vereins Garten der Frauen. Der Garten der Frauen ist ein Ort der Erinnerung mit historischen Grabsteinen von Gräbern bedeutender Frauen und eine letzte Ruhestätte für Frauen.

Von 2006 bis 2018 hatte Bake gemeinsam mit Beate Meyer vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg die Projektleitung und Redaktion der Publikationsreihe Stolpersteine in Hamburgs Stadtteilen. Biographische Spurensuche. Bis 2022 erschienen 24 Bände. Dieses Projekt erhielt im April 2010 die Lappenbergsmedaille des Vereins für Hamburgische Geschichte.

2012 entwickelte sie die erste Frauenbiografien-Datenbank für Hamburg. 2015 initiierte Rita Bake für Hamburg eine Datenbank „Die Dabeigewesenen. Eine Hamburg Topographie der NS-Täter, Mitläufer, Denunzianten, Profiteure, Karrieristen“.

Von 2017 bis 2020 war Bake Vorstandsmitglied des Landesfrauenrates Hamburg. 2019 entwickelte sie einen interaktiven Stadtplan für Hamburg mit 300 „Frauenorten“, d. h. Gedenkorten der Hamburger Frauenbewegungen von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1990er Jahre (frauenorte-hamburg.de).

2025 ging Bake mit der für die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg erarbeiteten Datenbank, in der alle nach Personen benannten Straßennamen in Hamburg erklärt werden, online.

Auszeichnungen

2009 wurde Bake für ihr frauenpolitisches Engagement die Hammonia 2000 vom Landesfrauenrat Hamburg verliehen.

2018 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Werke (Auswahl)

Monographien

Aufsätze

Hör-CDs und DVDs

Szenische Rundgänge als Downloads zum Anhören und Ansehen

Rundfunksendungen

Ausstellungen

Presseberichte über Rita Bake

Commons: Garten der Frauen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 Garten der Frauen
  2. 1 2 3 Landesfrauenrat Hamburg e. V.: Hammonia 2009: Dr. Rita Bake. (PDF) 2009, abgerufen am 7. August 2017.
  3. ↑ Petra Schellen: Forscherin Bake über Frauenbiografien: „Platz im öffentlichen Gedächtnis“. In: taz.de. 30. Januar 2024, abgerufen am 30. Januar 2024.
  4. 1 2 Rita Bake, Birgit Kiupel (Hrsg.): Margarethe E. Milow: Ich will aber nicht murren. Hamburg 1993, S. 478. ISBN 3-926174-62-5
  5. 1 2 Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke: Hamburgische Biografie: Personenlexikon. Bd. 6. Göttingen, 2012, S. 396. ISBN 978-3-8353-1025-4
  6. ↑ Rita Bake, Helga Kutz-Bauer, Dirk Jörke: Halb so alt wie das Grundgesetz. 25 Jahre Landeszentrale für politische Bildung – eine Chronik. Hamburg 1999, S. 79, ISBN 3-929728-41-9
  7. ↑ Rita Bake: Der Garten der Frauen. Ein Ort der Erinnerung mit historischen Grabsteinen von Gräbern bedeutender Frauen und eine letzte Ruhestätte für Frauen. Hamburg 2013. ISBN 978-3-00-042176-1
  8. ↑ Stolpersteine in Hamburg: Projekt biografische Spurensuche. Abgerufen am 7. August 2017.
  9. ↑ Medaille für Hamburger Stolperstein-Projekt. In: Hamburger Abendblatt. 30. März 2010, abgerufen am 7. August 2017 (Nur für registrierte Nutzer online lesbar).
  10. ↑ Hamburger Frauenbiografien. Landeszentrale politische Bildung Hamburg, abgerufen am 7. August 2024.
  11. ↑ Biografien-Datenbank: NS‑Dabeigewesene. hamburg.de, abgerufen am 23. März 2025.
  12. ↑ Rita Bake: 300 Frauenorte der Hamburger Frauenbewegungen von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1990er-Jahre - eine Auswahl auf frauenorte-hamburg.de
  13. ↑ Hamburger Straßennamen - nach Personen benannt. In: hamburg-strassennamen.de. Abgerufen am 13. März 2025.
  14. ↑ https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Berichte/DE/Frank-Walter-Steinmeier/2018/12/181204-Verdienstorden-Ehrenamt.html?nn=2236336
Personendaten
NAME Bake, Rita
KURZBESCHREIBUNG deutsche Wirtschafts- und Sozialhistorikerin, Bibliothekarin, Autorin
GEBURTSDATUM 16. Januar 1952
GEBURTSORT Bremerhaven