Ritter Olaf ist ein Gedicht von Heinrich Heine, das als zehntes im Zyklus Romanzen als Teil der Neuen Gedichte 1844 erschienen ist.
Der Erstdruck der zwischen April 1838 und Frühjahr 1839 entstandenen Ballade erfolgte in der Zeitung für die elegante Welt vom 1. Juni 1839, nachgedruckt wurde sie 1840 im 4. Teil von Heines Sammelwerk Der Salon.
Die Ballade besteht aus 3 Teilen mit insgesamt 18 Strophen. Der erste Teil sind 8 ungereimte Vierzeiler aus trochäischen Vierhebern. der zweite Teil 4 paargereimte Fünfzeiler aus Vierhebern mit Refrain und der dritte Teil sind 6 mit halbem Kreuzreim gebundene Vierzeiler aus jambischen Vierhebern.
Die Geschichte beginnt damit, dass Ritter Olaf lächelnd aus der Kirche kommt, an seiner Seite die ihm frisch vermählte Königstochter, die er verführt hat. Vor der Kirche wartet aber schon der König und an seiner Seite der Henker mit dem Beil, da Ritter Olaf sein Leben verwirkt hat. Der erbittet sich vom König jedoch, wenigstens noch sein Hochzeitsfest feiern zu dürfen:
Leichenblaß und bang und traurig
Schaut die schöne Königstochter;
Keck und heiter schaut Herr Olaf,
Und sein rother Mund, der lächelt.
Und mit lächelnd rothem Munde
Spricht er zu dem finstern König:
„Guten Morgen, Schwiegervater,
Heut’ ist dir mein Haupt verfallen.
„Sterben soll ich heut — O, laß mich
Nur bis Mitternacht noch leben,
Daß ich meine Hochzeit fei’re
Mit Banquet und Fackeltänzen.
„Laß mich leben, laß mich leben,
Bis geleert der letzte Becher,
Bis der letzte Tanz getanzt ist —
Laß bis Mitternacht mich leben!"
Die Gunst wird ihm auch gewährt und das Hochzeitsfest wird dann im 2. Teil geschildert, wobei jede Strophe mit dem Refrain endet „Der Henker steht vor der Thüre.“
Herr Olaf sitzt beim Hochzeitschmaus,
Er trinkt den letzten Becher aus.
An seine Schulter lehnt
Sein Weib und stöhnt —
Der Henker steht vor der Thüre.
Dann ist es vorbei mit Schmaus und mit Tanz und Ritter Olaf muss im 3. Teil aufs Schafott.
Herr Olaf, es ist Mitternacht,
Dein Leben ist verflossen!
Du hattest eines Fürstenkind’s
In freier Lust genossen.
Herr Olaf aber lächelt, da das Genossene ihm keiner nehmen kann, Abschied nehmend segnet er Welt und Natur und am Ende segnet er dann auch noch die
„[…] Veilchenaugen meiner Frau,
Durch Euch verlier’ ich mein Leben!
Ich segne auch den Hollunderbaum,
Wo du dich mir ergeben.“
Das heißt, Ritter Olaf weiß nicht nur eine Niederlage in einen Sieg zu verwandeln, sondern auch aus der Verführten eine Schuldige zu machen.
Im Kommentar der Heine-Säkularausgabe wird darauf hingewiesen, dass bei dieser und der im Zyklus folgenden Ballade Die Nixen eine gewisse Nähe zu zwei Sagen besteht, die Heine in den Elementargeistern unmittelbar aufeinander folgend erzählt. Beide handeln von Verlockungen durch Elfen, die erste von einem hübschen Knaben, der auf Elvershöh einschläft und träumt und gerade noch rechtzeitig erwacht, die andere vom Herrn Oluf, der ausreitet, um die Gäste für seine Hochzeit zu laden, und im Wald auf Erlkönigs tanzende Töchter trifft, die ihm dies und das anbieten, um ihn zu verführen, Herr Oluf lehnt aber immer wieder ab mit den Worten „Morgen ist mein Hochzeitstag.“ Bis es den Elfenmädchen zu dumm wird und sie ihm einen tödlichen Schlag versetzen: „So reite denn heim zu deiner Braut.“ Die Sagen finden sich sowohl in Herders Sammlung Stimmen der Völker in Liedern (1807) als auch in Wilhelm Grimms Altdänischen Heldenliedern (1811). Unter dem Titel Herr Olof wurde die Sage auch in die Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Achim von Arnim und Clemens Brentano aufgenommen. Alle drei Titel waren Heine bekannt. Die beiden Sagen mögen Heine zu seinen Balladen angeregt haben, direkte Quellen für die Gedichte sind sie jedoch nicht.
Die Ballade wurde vielfach vertont, namentlich von:
Eine englische Übersetzung von Edward Breck und Francis Prange wurde von Charles Braun vertont.
Werkausgaben: