Robert Audi

Robert Audi (* 19. November 1941 in New York City) ist ein US-amerikanischer analytischer Philosoph, der zu Themen der Ethik und praktischen, besonders politischen Philosophie (etwa zum Verhältnis von Kirche und Staat) sowie der Erkenntnistheorie, der Philosophie des Geistes und der Sozialwissenschaften und der Religion arbeitet.

Leben und Wirken

Audi studierte an der Colgate University (B.A. 1963 magna cum laude) und der University of Michigan (M.A. 1965). Seinen PhD erwarb Audi 1967 an der University of Michigan. Danach hatte er Anstellungen als Assistant Professor of Philosophy an der University of Texas (1967–1973) und an der University of Nebraska (1973–1976). Hier erhielt er einen Lehrauftrag (1974–1977) und wurde zum Professor für Philosophie berufen (1976–2003). Von 2003 bis 2010 lehrte er an der University of Notre Dame als Professor of Philosophy, Professor of Management, und als David E. Gallo Professor für Business ethics, wo er dem Department für Wirtschaftsethik kooptiert war. Anschließend wechselte er auf den Lehrstuhl des John A. O’Brien Professor für Philosophie und Professor für Management.

Bekannt ist Audi durch die Herausgabe des Cambridge Dictionary of Philosophy (erste Aufl. 1995, zweite 1999). Ferner gibt er die „Modern Readings in Epistemology“ und „Modern readings in Metaphysics“ heraus.

Audi war 1987–88 Präsident der American Philosophical Association (Central Division) und Präsident der Society of Christian Philosophers. Im Jahr 2016 erhielt er von der APA den Philip L. Quinn Prize. Zudem ist er Fellow an der Australian Catholic University.

Lehre

Audi vertritt sowohl einen erkenntnistheoretischen als auch einen moralischen Intuitionismus. In seinem Artikel über die Quellen des Wissens, welches im Oxfords Handbuch der Epistemologie erschienen ist, argumentiert Audi für vier Quellen der Rechtfertigung: Wahrnehmung, Erinnerung, Bewusstsein (auch: Introspektion) und Vernunft. Sie können gebraucht werden, um behauptetes Wissen zu rechtfertigen. Diese Quellen sind seiner Meinung nach, mit der Ausnahme der Erinnerung, auch Quellen des Wissen, mit denen man tatsächlich zu Wissen gelangen kann. Das so gewonnene Wissen ist nicht-inferentiell, und unabhängig von anderen Quellen. Die Erinnerung ist für ihn eine Ausnahme, da sie aus sich heraus nicht als Wahrheitsquelle dienen kann. Denn zuvor muss jemand etwas gesehen, oder erlebt haben, damit er/sie sich daran erinnern kann. Daher ist sie keine eigenständige Quelle des Wissens, dient aber als Bewahrerin des Wissens Überzeugungen anderer Art basieren auf Schlussfolgerungen, die wiederum auf Schlussfolgerungen beruhen können usf. bis man zu den Überzeugungen kommt, die sich aus den ursprünglichen Überzeugungen ableiten lassen. Durch die Annahme unmittelbarer, intuitionistisch zugänglicher Quellen des Wissens vermeidet Audi das Problem des infiniten Regresses. Audi argumentiert dabei wie folgt:

  1. Wenn jemand Wissen hat, beruht dieses auf einer erkenntnistheoretischen Kette von Schlussfolgerungen (im besonderen Fall ggf. nur mit einem Glied, das der Erfahrung oder der Vernunft [reason] entstammt)
  2. Erkenntnistheoretische Ketten sind entweder unendlich, zirkulär oder werden willkürlich unterbrochen oder basieren auf einer Überzeugung, die auf einer unmittelbaren Quelle beruht.
  3. Wissen kann nur im letzten Glied der Kette entstehen.
  4. Daraus folgt, dass nur eine auf einer unmittelbaren Quelle beruhende Überzeugung Wissen erzeugen kann.

Unmittelbare Erfahrung als Grundlage einer Überzeugung ist für Audi geeignet, dass eine solche Überzeugung wahr sein kann. Audi bezeichnet seine erkenntnistheoretische Position dabei als fallibilistischen Fundamentalismus, weil er zugesteht, dass die Überzeugungen in Hinblick auf unmittelbares Wissen falsch sein können oder ihre Rechtfertigung nicht haltbar ist.

Audis 2004 erschienenes Buch The Good in the Right erneuert einen intuitionistischen Ansatz der Ethik und entwickelt eine Erkenntnistheorie ethischer Wahrheiten. Hiermit versucht Audi das Konzept von William David Ross mit der Ethik Immanuel Kants zu verbinden.

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Philip L. Quinn Prize (Memento vom 16. März 2017 im Internet Archive) auf der Homepage der APA
  2. ↑ Als Überblick: Robert Audi: Contemporary Foundationalism
  3. ↑ Robert Audi, The Sources of Knowledge, erschienen im Handbuch: "The Oxford Handbook of Epistemology", Vgl. 90
  4. ↑ Robert Audi, The Sources of Knowledge, erschienen im Handbuch: "The Oxford Handbook of Epistemology", Vgl. 74-5