Die Gemeinde Rochau liegt neunKilometer südlich von Osterburg und 17Kilometer nordwestlich von Stendal in der Altmark.
Rochau ist ein Straßendorf mit Kirche.
Zur Gemeinde Rochau gehören die fünf Ortsteile Rochau mit Wilhelminenhof (3 Kilometer südwestlich gelegen), Häsewig mit Alter Ziegelei, Klein Schwechten, Schartau und Ziegenhagen. Der „Schwarze Weg“ in Rochau erinnert heute daran, dass der östliche Teil von Rochau früher ein eigenes Dorf namens „Schwarzenhagen“ war.
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Das Dorf wird im Jahre 1238 erstmals als villa Rocgawe (vel Roggau) oder villa Rotgawe erwähnt, als Graf Siegfried von Osterburg Dörfer und Besitz in der Altmark, mit denen er vorher vom St. Ludgerikloster Helmstedt belehnt worden war, dem Abt Gerhard von Werden und Helmstedt überschrieb. Im Jahre 1349 wurde eine Wiese inter villas rogghow et Scynne an den Pfarrer von Schinne verkauft. Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Rochow aufgeführt. Weitere Nennungen sind 1687 Rochow und 1804 Dorf Rochau mit Schmiede und Windmühle.
Im Rahmen einer Andacht in der Kirche zu Rochau wurde am 14. Juni 2013 unter Begleitung des Kirchenchores und der Jagdhornbläsergruppe Dobberkau an das 775-jährige Bestehen des Ortes gedacht. Die Ansprache hielt die Pfarrerin Margret Lipschütz und erinnerte an die zahlreichen Kriege, z.B. den 30-jährigen und den Siebenjährigen Krieg, die über das Dorf hinwegzogen und daran, dass damals die Soldaten nicht zum Sandsäcke füllen gekommen seien. Die im Rahmen des Hochwassereinsatzes 2013 im Ort untergebrachten Soldaten des Panzergrenadierbataillons 411 aus Viereck bei Pasewalk legten am Gefallenenehrenmal auf dem Rochauer Friedhof Kränze nieder.
Eingemeindungen
AchterstraßeBreite Straße Rochau Anfang des 20. JahrhundertsBreite Straße
Am 1. April 1935 erfolgte der Zusammenschluss der Landgemeinden Rochau und Schwarzenhagen zu einer neuen Landgemeinde „Rochau“. Die Gemeinde Rochau wurde am 25. Juli 1952 in den Kreis Stendal umgegliedert. Am 1. Januar 1973 wurde die Gemeinde Schartau aus dem Kreis Stendal in die Gemeinde Rochau eingemeindet. Am 1. Juli 1994 kam Rochau zum heutigen Landkreis Stendal.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung Sachsen-Anhalts wurde die Nachbargemeinde Klein Schwechten zum 1. Januar 2011 per Gesetz nach Rochau eingemeindet.
Einwohnerentwicklung
Gemeinde
Jahr
Einwohner
1734
204
1772
238
1790
251
1798
260
1801
304
1818
239
1840
367
1864
413
1871
430
1885
546
1892
[00]598
Jahr
Einwohner
1895
0558
1900
[00]0535
1905
0562
1910
[00]0553
1925
0558
1939
0719
1946
1147
1964
0955
1971
0889
1981
0764
1985
0724
Jahr
Einwohner
1990
0676
1993
[0]0682
1995
0689
1997
0724
1999
0739
2000
0746
2002
0739
2004
0729
2006
0709
2008
0684
2010
0646
Jahr
Einwohner
2011
1126
2012
1098
2014
1049
2015
1025
2017
1027
2018
1015
2020
1001
2021
0988
2022
0989
2023
1000
Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1981 ab 1985
Ortsteil
Jahr
Einwohner
2014
552
2015
540
2017
535
2018
535
2020
516
2021
521
2022
518
2023
520
Religion
Dorfkirche RochauPortal Kirche Rochau
Die Volkszählung in Deutschland 2022 zeigte, dass von den 982 Einwohnern der Gemeinde Rochau rund 26% der evangelischen und rund 3% der katholischen Kirche angehörten.
Am 1. Juni 2007 wurden die Evangelischen Kirchengemeinden Rochau, Schartau und Schorstedt zum „Evangelischen Kirchspiel Rochau“ zusammengeschlossen. Am 1. Januar 2015 schied die Kirchengemeinde Schorstedt aus dem nun so genannten Evangelischen Kirchengemeindeverband Rochau aus. Das Kirchspiel gehört zum Pfarrbereich Klein Schwechten im Kirchenkreis Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Pfarrer in Rochau (seit dem 16. Jahrhundert)
um 1551: Jacob Grabow
um 1600: Franciscus Schwertfeger d.Ä.
um 1617: Franciscus Schwertfeger d.J.
1640–1670: Johannes Jordan
1670–1702: Simon Schlehenstein
1703–1732: Hennig Garthe
1733–1778: Gottlieb Schmidt d.Ä.
1778–1814: Gottlieb Schmidt d.J.
1814–1830: Johann Christoph Gottlieb Meinecke
1830–1845: Johann Dietrich Garlipp
1846–1858: Johannes Gottschick (Vater des Theologen)
1859–1863: Johann Friedrich Gottlieb Reinsdorf
1863–1883: Georg Eduard Rudolph Lipke
1883–1927: Johannes Wildberg (zudem Regionalhistoriker)
1928–1937: August Anton Thilo Roloff
1937–1946: Vakanz
1946–1950: Walter Machmüller
1950–1959: Paul Hoffmann
1961–1969: Armin Walter Haase
1969–1984: Wilhelm Hesse
1984–1998: Jeannette Schlase
danach Margaret Lipschütz
2019 bis 2023 Alexander Schwartz
ab 2023 Annegret Doms
Politik
Bürgermeister
Seit Januar 2016 ist Dirk Zeidler Bürgermeister der Gemeinde, 2022 wurde er wieder gewählt. 2009 bis 2015 war Uwe Großpietsch Bürgermeister, davor Dirk Zeidler.
6 Sitze Wählergruppe „Aktiv für die Gemeinde“ (4 Sitze)
4 Sitze Wählergemeinschaft Klein Schwechten (5 Sitze)
Zwei Gemeinderäte sind Frauen.
Von 834 Wahlberechtigten hatten 628 ihre Stimme abgegeben, die Wahlbeteiligung betrug damit 75,3 Prozent.
Im Vergleich zu 2019 hat sich die Anzahl der Sitze im Rat von 12 auf 10 reduziert. Die Wählergemeinschaft Rochau trat nicht mehr an.
Wappen
Genehmigung am 11. August 1998
Blasonierung: „Schräggeviert; oben in Silber 3 (2:1) schwarze Roche, unten in Silber eine schwarze ausgerissene Tanne. Vorn in Rot ein silberner Pflug, hinten in Rot ein silbernes Zahnrad.“
Das obere Viertel bezieht sich einmal auf das alte Grundherrengeschlecht (v. Rochow) und zum anderen ist es eine Anspielung auf den Ortsnamen (Roch = Rochau). Die schwarze Tanne erinnert an den eingemeindeten Ortsteil Schwarzenhagen. Pflug und Zahnrad geben die gegenwärtige Situation an und stellen Rochau als Agrargemeinde dar, in der Landwirtschaft und Landtechnik anzutreffen sind. Das Wappen wurde 1998 im Auftrag der Gemeinde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.
Die Gemeindefarben sind Weiß-Rot.
Flagge
Die Flagge ist Weiß – Rot (1:1) gestreift mit dem mittig aufgelegten Gemeindewappen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Gebäude
Evangelische Dorfkirche mit FriedhofKriegerdenkmal auf dem Friedhof
Die evangelische Dorfkirche Rochau ist ein spätromanischer Feldsteinbau inmitten eines Friedhofs, der mit einer Feldsteinmauer umgeben ist. Nördlich neben dem Hocheingang des Westturmes sind Eichenbalken in die Wand eingelassen, von denen einer im Innern mit einem Holzkeil verzapft ist. Wie an mittelalterlichen Wehrtürmen könnte hier ein hölzerner Anbau vielleicht in Form einer Hurde angebracht worden sein. Eine dendrologische Untersuchung datierte das Fälldatum des eichenen Kehlbalkendachwerks des Turmes auf 1198 ±10. Der Bau liegt auf dem höchsten Punkt am Nordrand des ehemaligen Straßendorfes. Der Turm hat ausgesprochenen Wehrcharakter.
In Rochau steht ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, dessen mittlerer Teil aus Granitblöcken in Form eines Tempels mit eingelassener Tafel besteht. Er ist flankiert von zwei schwarzen Granitsäulen.
Im benachbarten Klein Schwechten steht ebenfalls eine spätromanische Feldsteinkirche, die evangelische Dorfkirche Klein Schwechten.
Die Rochauer Carnevals Gemeinschaft (RCG) „Rochau es lacht“ organisiert seit 1965 jährlich den Karneval in der Rochauer Mehrzweckhalle. Das Lindenfest, welches jedes Jahr im Juni auf dem Sportplatz stattfindet, wird durch den Rochauer Sportverein organisiert.
Wirtschaft und Infrastruktur
Im Dorf gibt es eine Allgemeinarztpraxis, eine Physiotherapie, eine Kindertagesstätte, gefördert vom „Kinderland Rochau e.V.“ und eine Feuerwehr, die von „Förderverein Freiwillige Feuerwehr Rochau e.V.“ unterstützt wird.
Zwei Sportstätten werden von einem Sportverein genutzt.
Ein Landwirtschaftsbetrieb wird von einem Ehepaar seit dem Jahre 1992 bewirtschaftet. Sie beschäftigten im Jahre 2011 neun Mitarbeiter. Das Team bewirtschaftet etwa 700 Hektar Land und versorgt damit auch die etwa 200 Milchkühe.
Die Biogasanlage des Betriebes erzeugt Strom und versorgt das Dorf mit Wärme über ein Nahwärmenetz.
Friedrich Francke berichtete im Jahre 1885 im Kalender „Altmärkischer Hausfreund“ über eine schaurige Hinrichtung im Jahre 1774. Die Verurteilte Anna Dorothee Rocks hatte fünf Jahre zuvor einen Brand gelegt, zu dem sie angestiftet worden war. Sie galt im Dorf als unzurechnungsfähig. Da sie aber die 10 Gebote aufsagen konnte, kam sie auf den Scheiterhaufen. Die Geschichte wurde 1909 im „Altmärkischen Sagenschatz“ veröffentlicht und 1969 vom Altmärkischen Verein für Vaterländische Geschichte und Industrie nachgedruckt.
Der Stammsitz der Familie von Rochow war vermutlich in Rochau.
Literatur
Hans Wildberg (Pastor in Rochau):Altmärkische Sittenbilder aus der Zeit von 1670 bis 1786. Aufgrund der kirchlichen Urkunden der Parochien Rochau und Schorstedt. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 25. Jahresbericht, 1898, S.121–138 (auf altmark-geschichte.de[PDF]).
Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.109 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes:Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W.Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC1071081004, S.300, 71. Rochau (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
12Peter Wilhelm Behrens:Graf Siegfried von Osterburg und Altenhausen resigniert viele Dörfer und Grundstücke in der Altmark 1238. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 4. Jahresbericht, 1841, S.48 (altmark-geschichte.de[PDF]).
1234Wilhelm Zahn:Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.106 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen& Constanze Gliege).
↑
Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen (=Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102). ZDB-ID2921504-3 (destatis.de). (Jahr anklicken)
12Doreen Schulze:Erstmals Zuwachs in Arneburg-Goldbeck. In: Volksstimme Stendal. 15.Januar 2016.
↑Uwe Czubatynski:Evangelisches Pfarrerbuch für die Altmark – Biographische Daten und Quellennachweise als Hilfsmittel zur kirchlichen Ortsgeschichte der Mark Brandenburg und der Provinz Sachsen. 2., erweiterte Auflage (elektronische Ressource). Rühstädt 2006, DNB97946353X, S.71.
↑Thomas Hartwig:Alle Altmarkkirchen von A bis Z. Elbe-Havel-Verlag, Havelberg 2012, ISBN 978-3-9814039-5-4, S.567–568, Wehrtechnische Aspekte an hochmittelalterlichen Dorfkirchen in der Altmark.
↑Horst Scholke: Stille Schönheit - Romanische Feldsteinkirchen in der Altmark, Oschersleben 1993, S. 153.
↑Rochau, Landkreis Stendal.In:www.denkmalprojekt.org.Onlineprojekt Gefallenendenkmäler,1.Juni 2020,abgerufen am 1.Oktober 2022.
↑Dirk Andres:Kris und Rose geben 100000 Liter Milch. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 26.April 2014 (volksstimme.de[abgerufen am 21.März 2020]).
↑[Friedrich] Francke:Eine Hinrichtung zu Rochau. In: Verein für Innere Mission in der Altmark (Hrsg.): Altmärkischer Hausfreund. Band6, 1885, ZDB-ID974239-6, S.63–64.
↑Superintendent Horn, Gardelegen:Altmärkischer Sagenschatz. Eine Hinrichtung zu Rochau (=Lehrerverband der Altmark [Hrsg.]: Beiträge zur Volks- und Heimatkunde der Altmark. Band2). Klinkhardt, 1908, ZDB-ID1198714-5, S.237–238 (archive.org).
↑Hans-Egbert Klaeden:Eine Hinrichtung zu Rochau im Jahre 1774. In: Jahresberichte des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte. 60. Jahresbericht. Berlin 1969, S.114–116 (auf altmark-geschichte.de[PDF]).