Roger Stein

Roger Stein, vor 2015

Roger Stein (* 29. März 1975 in Männedorf am Zürichsee in der Deutschschweiz) ist ein Schweizer Autor, Musiker, Liedermacher, Singer-Songwriter und Komponist.

Leben

Roger Stein wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters als Einzelkind in Männedorf am Zürichsee auf und erhielt mit acht Jahren seinen ersten Klavierunterricht. Sein erstes Lied schrieb er mit sechs Jahren auf einer Ukulele. Nach der Matura an der Kantonsschule Stadelhofen in Zürich, studierte er ein Semester Germanistik an der Universität Zürich und übersiedelte anschliessend nach Wien.

Roger Stein – live beim 3Sat-Festival 2014

Er absolvierte ein klassisches Gesangsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Adelheid Schmid-Hornich sowie ein Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der Universität Wien und promovierte bei Ulf Birbaumer und Wynfrid Kriegleder über Das deutsche Dirnenlied im literarischen Kabarett von 1901–1933 (Böhlau Verlag 1. Aufl. 2006; 2. Aufl. 2007). Die Buchfassung fand ein breites Presseecho, u. a. in Der Spiegel, Die Zeit und der Frankfurter Rundschau, die von einer „gelehrten Bestandsaufnahme über Geschichte und Form des Dirnenliedes“ sprach.

Während seiner Studienzeit wirkte er bei zahlreichen Opernproduktionen und Theaterstücken mit, arbeitete als Gag-Autor für Comedy-Fernsehformate und spielte die Titelrolle im Stück Der nackte Schubert. Er schrieb und komponierte Lieder, Chansons und Bühnenmusiken für zahlreiche Kabarettisten und Bühnenkünstler und vertonte u. a. auch Gedichte von Else Lasker-Schüler für Streichquartett und Sprechstimme. Er wirkte u. a. bei Monteverdis L’incoronazione di Poppea an der Jungen Oper Wien mit, hatte die musikalische Leitung von Villa Valium im Wiener Metropol und arbeitete an Paulus Mankers Alma bei den Wiener Festwochen. Für die Ausstellung Update im Künstlerhaus Wien schrieb er 2004/05 den Soundtrack, darin den Jelinek-Song über die Vereinnahmung der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek durch Österreich.

Mit seinen eigenen Liedern trat er in Bars, Clubs und auf Kleinkunstbühnen auf – u. a. in der Broadway Piano Bar, wo er auch Sandra Kreisler kennenlernte, mit der zusammen er 2006 die Musikformation Wortfront gründete.

Das Debüt-Album von Wortfront Lieder eines Postmodernen Arschlochs, das auf dem Label Extraplatte erschienen ist, wurde auf Anhieb durch den Preis der deutschen Schallplattenkritik (03/2006) ausgezeichnet. Neben Text und Musik ist Roger Stein bei Wortfront auch als künstlerischer Produzent verantwortlich. Live trat Wortfront auch in grosser Besetzung mit Streichern und Schlagzeug auf.

Roger Stein Live in Goslar 2012

2012 war Roger Stein als einer von vier Trägern des Songpoetenpreises der Hanns-Seidel-Stiftung zum ersten Mal als Solist auf dem legendären Liedermacherfestival Songs an einem Sommerabend auf Kloster Banz zu sehen. Am 27. September 2013 veröffentlichte er auf dem Label Sturm und Klang von Konstantin Wecker seine erste Solo-CD Lieder ohne mich, deren 15 Lieder er im eigenen Studio aufnahm und selbst produzierte. Wecker, den er nach einem Konzert in der Berliner Philharmonie kennengelernt hatte, hatte ihn zu diesem Soloalbum ermutigt. 2014 war Stein mit Wecker auf Tournee. Zu seinen bekanntesten Stücken zählt die Sprechballade 1890 (Berner Oberland) über das Leben seines Grossvaters, die er live mit Loop-Gerät vorträgt. 2016 trat er beim Politischen Aschermittwoch der Liedermacher in Fürstenfeldbruck mit Konstantin Wecker, Prinz Chaos II., Cynthia Nickschas, Christoph Weiherer und Sarah Lesch vor rund 600 Zuschauern auf.

2018 erschien sein zweites Solo-Album Alles vor dem Aber – ebenfalls bei Sturm und Klang. Im selben Jahr erschien sein Lyrikband «Business-Lyrik – Komische Poesie am Rande des Absurden».

2019 trat er zum dritten Mal bei Lieder auf Banz auf – diesmal nicht solo, sondern mit Band. Im März 2019 moderierte er im Deutschlandfunk eine Ausgabe der Reihe «Am Mikrofon» der Sendung Klassik-Pop-et cetera.

Neben der Arbeit mit Wortfront schrieb Stein Liedtexte für die Höhner und stand mit Konstantin Wecker auf der Bühne. Seine Soloprogramme der letzten Jahre waren u. a. Alles vor dem Aber … ist egal (ab 2018), Flegeljahre (2019), Gesungen, gelacht, gedichtet (2021), Was soll’s? (2024), Von Narren und Normen (2025) und Ist es nicht schön hier (2026). Auf der Bühne begleitet er sich am Flügel und arbeitet zusätzlich mit E-Piano und Loop-Gerät, mit dem er Chöre aus der eigenen Stimme aufbaut.

2026 erschien bei Sturm und Klang sein drittes Soloalbum Ist es nicht schön hier…. Der Belgische Rundfunk widmete ihm einen Themenschwerpunkt, Deutschlandfunk Kultur eine Live Session in der Sendung Tonart.

Von 2020 bis 2026 war Stein Dozent und Lehrbeauftragter am Institut für Germanistik der Universität Duisburg-Essen im Bereich Neuere deutsche Literaturwissenschaft.

Roger Stein lebt in Berlin, Wien und Zürich.

Rezeption

Die Abendzeitung bezeichnete Stein 2013 als „Weckers größte Entdeckung“. Die Kritiken zu Lieder ohne mich stellten ihn in die Tradition von Wader, Wecker, Degenhardt und Hirsch und zogen Vergleiche u. a. mit Georg Kreisler, Rainhard Fendrich, Georg Danzer, Wolfgang Ambros und Udo Jürgens. Die Leipziger Volkszeitung lobte „fabulöse Songpoetry, sprühend vor Humor, Spott, Zärtelei und Klugheit“. Die Salzgitter Zeitung verglich ihn mit Reinhard Mey – „im Stil ähnlich, inhaltlich verwandt, aber mit ganz eigener Handschrift“. Die Eberbacher Zeitung schrieb: „Roger Stein passt in keine Schublade. Und immer bekommt er rechtzeitig die Kurve, ehe es banal zu werden droht.“

Alexander Kinsky sah Stein „textlich im Anspruch und Niveau an Tucholsky, Kästner und Kreisler anschließend“. Konstantin Wecker nannte ihn „einfach große Klasse. […] Klug und poetisch und höchst musikalisch.“ Das Landsberger Tagblatt beschrieb ihn als „genialer Geschichtenerzähler, Sänger, Wortakrobat, Rapper, Klavierspieler, Looper, Unterhalter“, kein „seichter Comedian“, sondern „ein Intellektueller, der nicht nur Zuhören, sondern auch Mitdenken fordert“. Die Badische Zeitung nannte ihn einen „feinen Moralisten“, der Schweizer, Wiener und Berliner „nicht plump und direkt, sondern feinsinnig“ aufs Korn nehme.

Zum Album Ist es nicht schön hier… schrieb BRF1, jede Silbe greife „wie die Zähne in einem Schweizer Uhrwerk“. Die Berliner Morgenpost sprach von „betörende[n] Lieder[n] zwischen Schubert und Pop“.

Zitate

«Künstler, die zu viel reflektieren, sind heute verdächtig.» In: Die Zeit, Nr. 50, 7. Dezember 2006, S. 50 (Gesang im Bordell, ein Artikel von Kai Michel über Roger Stein)

Humor ist die einzige Waffe, mit der man dem Schmerz entgegentreten kann […].

Werke

Auszeichnungen

Roger Stein beim Volksstimmefest 2010 in Wien
Roger Stein mit Wortfront Live in Linz 2011

Einzelnachweise

  1. ↑ Autor, Komponist & Sänger, Dr. phil. In: Wortfront Pressetext (Biographie). 2018, abgerufen am 2. Mai 2020.
  2. ↑ Kai Michel: Liederlich. In: Der Spiegel, 4. Dezember 2006.
  3. ↑ Kai Michel: Gesang im Bordell. In: Die Zeit, Nr. 50, 7. Dezember 2006.
  4. ↑ Hans-Jürgen Linke: Über den Mut der Bohème. In: Frankfurter Rundschau, Nr. 85, 12. April 2007.
  5. ↑ Karl Bellenberg: Else Lasker-Schüler, ihre Lyrik und ihre Komponisten. wvb Wissenschaftlicher Verlag Berlin. Berlin: 2019 ISBN 978-3-96138-132-6. S. 68.
  6. ↑ Programm Filmkunstfest Schwerin, Mai 2005.
  7. ↑ Das Rap-Couplet vom Totknutschen. In: Der Standard, 28. Dezember 2004.
  8. ↑ Roswitha Grosse: Starke Nummern. In: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2009.
  9. ↑ Florian Christner: Sieben Stunden beste Unterhaltung. In: Bayernkurier, 14. Juli 2012.
  10. 1 2 CD Review. In: Rocktimes. 2013, abgerufen am 2. Mai 2020.
  11. ↑ Hörenswert! In: Plärrer, Dezember 2013.
  12. 1 2 Biggi Müller: Der Liedermacher Roger Stein zu Gast bei BRF2. BRF2, 12. April 2019.
  13. 1 2 Ronald J. Autenrieth: Gebrauchsanleitung für das Leben. In: Eberbacher Zeitung, 3. November 2015.
  14. ↑ Lauter verdächtige Menschen. In: Neue Presse Coburg, 2. Juni 2015.
  15. ↑ Julia Bergmann: Mit bittersüßer Stimme. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2016.
  16. ↑ Alles vor dem Aber (Review). In: Musikreviews.de. 2018, abgerufen am 3. Mai 2020.
  17. ↑ Roger Stein: Business-Lyrik. edition Freiflug Berlin: 2019 ISBN 978-3-96443-284-1.
  18. ↑ Die Geschichte eines Zaubers: Lieder auf Banz. In: Obermain-Tagblatt. 7. Juli 2019, abgerufen am 3. Mai 2020.
  19. ↑ Am Mikrofon: Der Liedermacher Roger Stein. Deutschlandfunk, 23. März 2019.
  20. ↑ Annegret Ries: Schweizer Beobachter. In: Die Rheinpfalz, 24. November 2025.
  21. 1 2 Närrisches und Normvorstellungen aus dem Bonndorfer Schloss. In: Badische Zeitung, 12. November 2025.
  22. ↑ Axel Steiner: Roger Stein verzaubert das Glashaus. Gleitz Online, 10. September 2026.
  23. 1 2 Ulrike Borowczyk: Roger Stein macht betörende Lieder zwischen Schubert und Pop. In: Berliner Morgenpost. 5. September 2026, abgerufen am 27. Oktober 2026.
  24. 1 2 Chansons, Lieder und Folk. BRF1, 7. September 2026.
  25. ↑ Tonart – Live Session. Deutschlandfunk Kultur, 4. September 2026.
  26. ↑ Mitarbeiter*innen. Abgerufen am 18. Oktober 2026.
  27. ↑ Lehrtätigkeit an der Uni Duisburg-Essen – Dr. Roger Stein. 15. Oktober 2026, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  28. ↑ Jasmin Menrad: Konstantin Weckers Erben. In: Abendzeitung, 4. Oktober 2013.
  29. ↑ Udo Güldner: Humor hat bei ihm eine bittere Note. In: Fränkischer Tag, November 2013.
  30. ↑ Ein großes Album. In: Alternativ Musik, Oktober 2013.
  31. ↑ Adolf Goriup: Rezension Lieder ohne mich. In: FolkWorld, Oktober 2013.
  32. ↑ Ein Genuss! In: Leipziger Volkszeitung, Oktober 2013.
  33. ↑ Gabriele Knoll-Policha: Das Semester beginnt mit einem Konzert. In: Salzgitter Zeitung, 5. September 2015.
  34. ↑ Alexander Kinsky: CD-Tipp der Woche. In: Hinter den Schlagzeilen, 8. September 2018.
  35. ↑ Romi Löbhard: Der promovierte Unterhalter mit Tiefgang. In: Landsberger Tagblatt, 6. November 2021.
  36. ↑ Rolf Reißmann: Ein Sack voller Ironie in Schweizerdeutsch. In: Badische Zeitung, März 2024.
  37. ↑ «Ich schmiere mir Hoffnung aufs Frühstücksbrot!» – Der Schweizer Liedermacher Roger Stein. In: Deutschlandfunk – Corso. 12. September 2018, abgerufen am 3. Mai 2020.
  38. ↑ Warum? In: scheisstypen.de. Archiviert vom Original am 3. März 2009; abgerufen am 4. Januar 2015.
  39. ↑ Peter Anderson: Meißen hat einen Sängerkönig. In: sz-online.de. 10. Mai 2010, abgerufen am 18. April 2016.
  40. ↑ Musik: Roger Stein gewinnt drei Preise beim deutsch-französischen Chanson- und Liedermacherpreis «Die Sulzbacher Salzmühle» 2011. In: pr-gateway.de. 24. Oktober 2011, abgerufen am 18. April 2016.
  41. ↑ Herborner Schlumpeweck: Preisträger 2011. In: kusch-herborn.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. August 2019; abgerufen am 18. April 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  42. ↑ Fränkischer Kabarettpreis 2011 – 3. Preis: Roger Stein aus Berlin. In: fraenkischer-kabarettpreis.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. April 2016; abgerufen am 18. April 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  43. ↑ Troubadour 2013
  44. ↑ 4. Stockstädter Liedermacherfestival 2014 – Gewinner: Rooger (sic!) Stein. In: kleinkunstbuehne-alte-knabenschule.de. Abgerufen am 18. April 2016.
  45. ↑ Das TiEz präsentiert den Kabarettpreis: Das Paderborner Einohr. In: theater-im-esszimmer.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Dezember 2013; abgerufen am 18. April 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  46. ↑ Die Titel 2016 sind vergeben. In: die-kroenung.ch. Abgerufen am 18. April 2016.
  47. ↑ Annika Frei: Die begehrte Königskrone. infowilplus.ch, 10. März 2016.
  48. ↑ sda: Hazel Brugger und Roger Stein für Prix Pantheon nominiert. In: TagesWoche, 21. Januar 2016.
  49. ↑ Christoph Heer: Zwei Könige und genug Niveau. In: Tagblatt, 13. März 2022.
  50. ↑ Gerti Binz: Lachen und Staunen noch nicht verlernt. In: D’Region, 15. März 2022.