Romano Mussolini

Romano Mussolini (* 26. September 1927 in Forlì; † 3. Februar 2006 in Rom) war ein italienischer Jazz-Pianist und Künstler.

Leben und Wirken

Romano Mussolini war der jüngste Sohn von Benito Mussolini, dem Diktator des faschistischen Italien. Seine Mutter war Rachele Mussolini, geborene Guidi. Er hatte noch zwei Brüder und zwei Schwestern.

Schon im faschistischen Italien fand Romano Mussolini großes Interesse an Jazz-Musik. Er entwickelte sich zu einem der großen Kenner der Jazzszene und schrieb für renommierte Magazine. Mussolini brachte sich das Klavierspielen selbst bei.

Mit seinem Vater, der Geige spielte, musizierte er jedoch ausschließlich klassische Stücke. Über seinen Bruder Vittorio, einen Jazzfan und -autor, kam er mit der Musik des amerikanischen Kriegsgegners in Berührung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges spielte er in Ischia, wohin sich seine Mutter Rachele zurückgezogen hatte, später in Neapel und Rom als Jazzmusiker in verschiedenen Bands und unter verschiedenen Namen.

Erst mit seiner Band „Romano Mussolini All Stars“ wurde er in Italien ein gefeierter Jazzer. Durch sein 1963 veröffentlichtes Album „Jazz Allo Studio 7“ wurde er international bekannt und spielte daraufhin auch mit Chet Baker, Caterina Valente, Dizzy Gillespie, Duke Ellington und Lionel Hampton zusammen. Romano Mussolini war ein engagierter Vertreter des traditionellen Big-Band-Jazz wie auch des intimen Zusammenspiels in Combos. Er förderte den Nachwuchs mit zahlreichen gemeinsamen Plattenaufnahmen, darunter den Posaunisten Guido Pisticchi und den Tenorsaxophonisten Massimo D'Avola.

Neben seiner Tätigkeit als Musiker war Romano Mussolini auch sonst als Künstler aktiv, wobei sein Schwerpunkt auf gegenständlicher Malerei lag. Oft verwendete er Clownsmotive, malte jedoch auch surrealistische Landschaften.

Familie

Romano Mussolini wurde in der Familiengruft in Predappio beigesetzt

Romano Mussolini heiratete 1962 Anna Maria Scicolone, die Schwester von Sophia Loren. Aus dieser Ehe gingen seine älteren Töchter Alessandra (* 1962) und Elisabetta hervor. Das Paar trennte sich Anfang der 1970er Jahre. In zweiter Ehe heiratete Romano Mussolini 1976 die Schauspielerin Carla Maria Puccini, mit der er zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits eine Tochter hatte. Seine jüngste Tochter (* 1974) wurde nach ihrer Großmutter Rachele Mussolini benannt, von der überliefert ist, sie habe noch radikaler gedacht als ihr Mann.

In der Öffentlichkeit war Romano Mussolini nicht politisch aktiv – im Gegensatz zu seiner jüngsten Tochter Rachele und seiner ältesten Tochter, Alessandra Mussolini, die als Europaabgeordnete und Vorsitzende der rechtsextremen Splitterpartei Alternativa Sociale in Erscheinung trat und 2006 für das Bürgermeisteramt in Rom kandidierte. Darüber hinaus war sie als Senatorin für Berlusconis Forza Italia im Parlament und von 2022 bis 2024 im Europaparlament.

Die zwölf Jahre jüngere Rachele Mussolini jun. trat 2021 als Kandidatin der Fratelli d’Italia gegen ihre ältere Halbschwester Alessandra an, die für die Forza Italia ins Kommunalparlament von Rom wollte; dabei erhielt sie die meisten Stimmen aller Kandidaten. Als Mitglied des Stadtrats von Rom wechselte sie aus realpolitischen Gründen 2024 ins Lager der konservativen Forza Italia.

Sein Enkelsohn Romano Floriani Mussolini (* 2003) ist Fußballprofi, u. a. bei Lazio Rom.

Romano Mussolini äußerte sich lange Zeit nicht zu seinem Vater. 2004 jedoch veröffentlichte er das Buch: „Il Duce, mio padre“ (deutsch: Der Führer, mein Vater).

Nach seinem Tod, 2006, im Alter von 78 Jahren, wurden Romano ebenso wie seine Eltern sowie seine Geschwister Vittorio, Bruno und Anna Maria in einem Marmorsarkophag in der Familien-Krypta in Predappio beigesetzt. Die Gruft gilt als Pilgerstätte für italienische Rechtsextreme.

Diskografie

(Auswahl)

Literatur

Commons: Romano Mussolini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Romano Mussolini Kunstmuseum Walter, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  2. ↑ MUSSOLINI, Romano Treccani, aufgerufen am 10. Oktober 2021. (italienisch)
  3. 1 2 Er ist wieder da Süddeutsche Zeitung, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  4. ↑ 70 Jahre nach Mussolini. Wie es um die extreme Rechte in Italien steht Deutschlandfunk, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  5. ↑ Zwei Mussolini Enkelinnen kämpfen um die Macht in Rom Morgenpost, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  6. ↑ Kommunalparlament in Rom. Enkelin von Mussolini erhält die meisten Stimmen Der Spiegel, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  7. ↑ Thomas Schmid: Warum die Mussolini-Enkelin mit den Rechten bricht. In: Die Welt. 16. September 2024 (welt.de).
  8. ↑ Romano Mussolini. Il Duce, mio padre. Di Mano in Mano, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  9. ↑ Sohn von Mussolini gestorben Neue Zürcher Zeitung, aufgerufen am 10. Oktober 2021
  10. ↑ Italien. "Die ganze Welt denkt, wir seien Faschisten" Der Standard, aufgerufen am 10. Oktober 2021