
eisenerZ*ART ist ein Kunst- und Kulturprojekt in der österreichischen Stadt Eisenerz in der Steiermark. Es wurde 2010 im Rahmen des aktuellen Stadtentwicklungsprogramms zur Förderung von Kunst und Kultur in der von Strukturproblemen betroffenen „Montan-Stadt“ gegründet und bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Mit „unüblichen Programmformaten“ erlangte es überregionale Bekanntheit.
Eisenerz liegt inmitten der aufragenden Felsen der Eisenerzer Alpen im Südwesten und des Hochschwab im Nordosten. Die umliegenden mächtigen Felsformationen dominieren das Stadtbild. Dazu kommen die rötlich gefärbten Stufen des Erzbergs, dem größten Eisenerz-Tagebau von Mitteleuropa. Der Erzabbau am Erzberg hat eine lange, mindestens bis ins 11. Jahrhundert zurückreichende Tradition und die florierende Montanindustrie bildete die Grundlage des wirtschaftlichen Aufschwungs der Region Eisenwurzen und der östlichen Obersteiermark vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Der Bergbau am Erzberg prägte den aufstrebenden Ort Eisenerz als „Bergmannsstadt“ und der Zuzug von Arbeitskräften und deren Familien verhalf ihm 1948 zu den Stadtrechten.
Durch technische Neuerungen im Abbaubereich selbst, aber auch durch die weltweite Krise in der Eisen- und Stahlindustrie in den 1980er Jahren schrumpfte die Bevölkerung im Verlauf eines halben Jahrhunderts auf weniger als ein Drittel: 2017 lebten in Eisenerz rund 4.200 Menschen, in den 1950er Jahren waren es noch fast 15.000. Seit Jahrzehnten kämpft die „einst stolze steirische Bergbaustadt mit Abwanderung, Leerstand und Überalterung“. Zur Bewältigung ihrer Strukturprobleme führt die Stadt seit 2005 das auf 15 Jahre angelegte[veraltet] Stadtentwicklungsprogramm „re-design Eisenerz“ durch, um „der alten Bergstadt Eisenerz ein neues, zukunftsorientiertes Image zu verleihen“.
Die aus Eisenerz stammende Kunstberaterin und Kulturmanagerin Gerhild Illmaier (alias GIL), die in Graz eine Beratungsagentur betreibt, schlug Mitte der 2000er Jahre die Einbeziehung von Kunst und Kultur in die Stadtentwicklung ihres Geburtsortes vor. Im Jahr 2006 gab der Bürgermeister von Eisenerz bei ihr ein künstlerisches Konzept für die Stadt in Auftrag, das Illmaier unter teilweiser Mitarbeit des Soziologen Rainer Rosegger entwickelte und 2008 vorlegte. Das Konzept zeigte Grundlagen der Möglichkeiten zur Entwicklung von Kunst- und Kulturprojekten in und um Eisenerz auf. Eine daraufhin gegründete Kulturinitiative engagiert sich seither für das daraus entstandene Kunst- und Kulturprojekt eisenerZ*ART, das 2010 offiziell gestartet wurde. Das von Illmaier entwickelte Konzept für eisenerZ*ART wird von dem gleichnamigen Verein in Kooperation mit der Stadtgemeinde Eisenerz umgesetzt. Gerhild Illmaier ist verantwortlich für die künstlerische Leitung und das Produktionsmanagement. Die Stadt wies dem Projekt die Aufgabe zu, im Rahmen des bis 2020 angelegten[veraltet] Stadtentwicklungsprogramms „re-design Eisenerz“ durch Kulturförderung „zur Steigerung der Lebensqualität“ beizutragen.
Seit Anfang 2010 wird die Bergmannsstadt im Rahmen von eisenerZ*ART jährlich unter wechselnden Programmschwerpunkten künstlerisch bespielt. Zu den verschiedenen künstlerischen und kulturellen Angeboten gehören unter anderem Kunstausstellungen, Installationen, Performances und andere Kunstaktionen, Kunstwettbewerbe, Theater- und Amateurfilmproduktionen sowie Künstler- und Buchpräsentationen.
Die teilnehmenden Künstler kommen sowohl aus der Region als auch von auswärts, zu ihnen gehören unter anderem:
Beteiligt wurden zudem aus dem Ort stammende Künstler wie der Schriftsteller Stephan Eibel Erzberg oder der Maler des Neo-Pop-Symbolismus Harald von Munichthal sowie das in Eisenerz ansässige Metal-Plattenlabel Napalm Records und die Schulband Best Of Real Good Music des Eisenerzer Gymnasiums.
Aufsehen erregte laut Medienberichten unter anderem die bei der eisenerZ*ART 2012 aufgeführte Performance GANGART von lawine torrèn am Eisenerzer Erzberg, bei der Tänzer neben „riesenhaften Bergbaumaschinen“ auftraten. Die „montanistische Performance zum Jubiläum 1300 Jahre Erzabbau am steirischen Erzberg“ wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Als wiederkehrender Bestandteil von eisenerZ*ART wurde von 2012 bis 2016 jährlich das dreitägige Festival Rostfest (Eigenschreibweise ROSTFEST) durchgeführt. Das „Festival für regionale Impulse“ bespielte leerstehende Räume in Eisenerz und thematisierte regionale Entwicklungsmöglichkeiten. Ein Angebot mit inzwischen über 100 Programmpunkten wie Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Performances bespielte die gesamte Stadt und befasste sich unter Beteiligung der ansässigen Bevölkerung mit der Region und ihren Herausforderungen. Die Festivals lockten jährlich bis zu 5.000 Besucher an; etwa 800 vorwiegend junge Menschen bezogen während der Festivals als „Urban Camping“ leerstehende Arbeiterwohnungen in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung Münichtal am Eisenerzer Stadtrand. Der Eintritt zu den ersten Festivals war frei, die Besucher konnten aber „Rostanteile“ erwerben und so die Veranstaltung finanziell unterstützen. Verschiedene Projekte in der Region wurden im Rahmen des Rostfests gestartet, so konzipierte Günther Friesinger (mit monochrom) etwa den Bauplan für ein Hacklab im Ort.
Träger und Organisator des Festivals ist der Verein Rostfrei – Verein für regionale Impulse. Im Jahr 2017 veranstaltete der Trägerverein kein Festival und erklärte, dass die Unterbrechung notwendig sei, um „die Organisationsstruktur und die programmatische Ausrichtung an den Wachstumsprozess der letzten Jahre anpassen“ zu können. 2021 und 2022 wurde es wegen der Coronasituation im Ortsteil Münichtal abgehalten. 2026 kehrt das ROSTFEST wieder in die Eisenerzer Innenstadt zurück.
| # | Jahr | Termin | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 1 | 2012 | 24.–26. August | |
| 2 | 2013 | 22.–24. August | Rahmenprogramm ab 19. August, Eintritt frei, Urban Camping |
| 3 | 2014 | 21.–24. August | |
| 4 | 2015 | 20.–22. August | mit Rahmenprogramm Kreativwoche 17.–21. August, Eintritt frei |
| 5 | 2016 | 17.–21. August | Eintritt 9 € bei 2 Vorführungen eines Films am 20.+21.8. |
| 6 | 2018 | 16.–18. August | Eintritt, Sa ausverkauft, Eröffnungstag am Erzberg |
| 7 | 2019 | 16.–17. August | |
| 8 | 2021 | 19.–21. August | Wegen Coronasituation im Münichtal |
| 9 | 2022 | 18.–20. August | Wegen Coronasituation im Münichtal |
| 10 | 2026 | 13.–15. August | Rückkehr in die Eisenerzer Innenstadt |