Hans Platzgumer (* 1969 in Innsbruck; eigentlich Johann Platzgummer) ist ein österreichischer Schriftsteller, Komponist, Musiker und Produzent.
Bereits ab 1983 spielte er Gitarre und sang in Innsbrucker Punkbands wie Funktaxi, Nylon, Capers, später KÖB (Wien) oder „Platzlinger“ mit Peter Hollinger (Berlin). Nachdem er am Innsbrucker Konservatorium Gitarre studiert hatte, schloss er in den späten 1980er-Jahren ein Diplomstudium der Elektroakustik in Wien ab und zog nach West-Berlin. 1989 übersiedelte er mit dem Bassisten Frank Puempel (eigentlich Andi Pümpel) nach New York und gründete dort die Rockband H.P. Zinker, die er mit wechselnden Mitmusikern als Sänger und Gitarrist bis 1995 betrieb. Anschließend war er Teil der Hamburger Band Die Goldenen Zitronen.
Seit 1999 arbeitete er verstärkt in den Bereichen Theatermusik und Hörspiel. Von seinen Erlebnissen zwischen 1987 und 2004 erzählt Platzgumer detailliert in dem autobiografischen Roman Expedition. Die Reise eines Underground-Musikers in 540 KB. Seit den 2000er-Jahren arbeitet Platzgumer neben seiner Komponistentätigkeit vor allem als Autor. Er lebt mit Frau und zwei Kindern größtenteils in Lochau bei Bregenz.
Über seine Musik zu Hörspielen fand Platzgumer zum Schreiben. Neben Zeitschriften-Artikeln und Beiträgen zu Sammelbänden sind mehrere Romane und Prosawerke (Novelle, Essay) erschienen.
Im Gegensatz zu Platzgumers erstem Roman Expedition, der deutlich autobiografische Züge hatte, ist sein zweiter Roman Weiß eine fiktive Geschichte. Das Buch handelt von einem Aussteiger aus der westlichen Leistungsgesellschaft, der in der Arktis seinen inneren Frieden sucht. Zur Recherche reiste Platzgumer selbst in die Arktis. Parallel dazu entstand das Hörspiel Etwa 90 Grad, das drei Nordpolexpeditionen beschreibt. Sein dritter Roman Der Elefantenfuß, der 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl spielt, erschien zufällig am 11. März 2011, dem Tag, als Erdbeben und ein Tsunami in Japan zu der Nuklearkatastrophe von Fukushima führten. Der Roman erfuhr dadurch besondere Beachtung.

Im Frühjahr 2012 erschienen die Novelle Trans-Maghreb (Limbus), die ein Eisenbahnprojekt in Libyen beschreibt, das von den Wirren des Arabischen Frühlings zerschlagen wird und der zusammen mit Didi Neidhart verfasste Essay Musik=Müll. Trans-Maghreb wurde 2014 als Operninszenierung bei den Bregenzer Festspielen aufgeführt. Im gleichen Jahr erschien der Roman Korridorwelt. Wieder nahm Platzgumer ein reales Ereignis – in diesem Fall das Northridge-Erdbeben 1994 – und erzählte vor diesem Hintergrund die fiktive Geschichte eines Straßenmusikers in Los Angeles.
Im Februar 2016 erschien Am Rand im Wiener Paul Zsolnay Verlag. Der 42-jährige Protagonist Gerold Ebner schreibt, auf einem Berg sitzend, seine Erinnerungen nieder. Sie sollen am Gipfel zurückbleiben, um irgendwann gefunden und gelesen zu werden, während Ebner sich nach der Fertigstellung in die Tiefe stürzen will. Der Roman kreist um die Frage nach dem richtigen Handeln und um den Unterschied zwischen richtig und gesetzeskonform.
Platzgumers erste musikalische Hauptphase stand im Zeichen der Gitarre und der Rockmusik. 1987 veröffentlichte er sein Debütalbum „Tod der CD!“. Das inzwischen vergriffene Album erschien als Vinyl-Schallplatte und wurde Ende 2007 als Download-Album auf dem Label Echokammer wiederveröffentlicht. Von 1989 bis 1995 spielte Platzgumer bei der in New York angesiedelten Rockband H.P. Zinker.
Nach seiner Rückkehr nach Europa wandte sich Platzgumer der elektronischen Musik zu. Er veröffentlichte in dieser Phase unter seinem eigenen Namen sowie unter Pseudonymen wie Aura Anthropica, Seperator oder Fingerfood auf Labels wie Disko B, Cheap, L’age d’or, Hausmusik, Playhouse oder Domino Records zahlreiche Alben und Maxi-Singles und begann als DJ in Technoklubs zu arbeiten.
Er gründete auch mehrere neue Bands und Projekte:
Queen of Japan (* 1999) war ein Trio mit der Sängerin Catriona Shaw (alias Koneko) und dem Bassisten Albert Pöschl (alias Jason Arigato). Platzgumer selbst trat unter dem Namen Jo Ashito in Erscheinung. Die Band wurde mit ihrem Electroclash und Mashups durch die Compilation-CD „As Heard on Radio Soulwax Pt. 2“ (2manydjs) bekannt. Queen of Japan haben mehrere Alben mit Coverversionen bekannter Hits der 1970er- und 1980er-Jahre in einem ironisch-trashigen Synthesizerpop-Stil veröffentlicht, darunter Songs wie „I Was Made for Loving You“ und „I Love Rock’n’Roll“. 2007 wurde Queen of Japan aufgelöst und in anderer Besetzung als King of Japan neu gegründet.
Shinto (* 1999) ist ein Duo mit dem japanischen Sänger CaMi Tokujiro und steht im Zeichen ethnologischer elektronischer Popmusik. Die Band veröffentlichte bislang fünf Alben und gibt an, sich konzeptionell nach zehn Jahren aufzulösen.
hp.stonji (* 2003) ist ein Laptop-Duo mit dem deutschen Elektroniker e.stonji und fokussiert auf Soundforschung/Elektro sowie multimediale Soundinstallationen.
e:gum (* 2005) ist ein Elektropop-Trio mit Catriona Shaw (Queen of Japan) und Jens Döring (e.stonji).
Daneben entstanden Kollaborationen mit Musikern wie Gerhard Potuznik (Cube & Sphere) oder Dr. Nachtstrom (Platzgumer vs. Nachtstrom).
Ganz untreu wurde Platzgumer der Rockmusik auch in dieser Zeit nicht. Seit 1995 ist er Mitglied des Hamburger Punk-Kollektivs Die Goldenen Zitronen, an deren Alben „Economy Class“ und „Deadschool Hamburg“ er maßgeblich beteiligt war, seither jedoch eine inaktive Rolle einnimmt.
Seit Mitte der 00er-Jahre machte Platzgumer parallel Gitarrenmusik und elektronische Musik. Bereits 2002 beschloss er, wieder zur Gitarre zu greifen. Statt mit einem Revival von H.P. Zinker, das ihm von vielen Seiten nahegelegt wurde, startete Platzgumer unter dem Namen Convertible neu. 2004 erschien das erste Album „Convertible“. Es folgten 2006 „Frailty of Win – Strength of Defeat“ und 2007 „Convertible 3“ (mit Polina Lapkovskaya/Bass und Tom Wu/Schlagzeug). Musikalisch entfernte sich Convertible immer weiter von elektronischen Einflüssen, bis mit „ALH84001“ (2010) und „The Growing Of Things“ (2013) zwei mehr oder weniger rein akustische „unplugged“-Alben erschienen (mit Chris Laine am Bass).
Platzgumer spielt seither nur mehr akustische Gitarren, sowie Klavier, Mandoline, Violoncello und eine Irish Bouzuki. Daneben veröffentlicht er als Aura Anthropica, sowie daneben mit hp.stonji, e:gum, Shinto oder unter seinem eigenen Namen weiterhin elektronische Musik. 2015 legte er mit dem instrumentalen, großteils akustischen Soloalbum „Miniaturen“ sein konzeptionell letztes CD-Album vor, das er beim Donaufestival/Krems präsentierte und live in Kollaboration mit Videokünstlern wie Pipilotti Rist oder Georg Gaigl aufführt. In Interviews gibt Platzgumer an, Musik, wenn überhaupt, in Zukunft nur mehr als Downloads veröffentlichen zu wollen.
Schon in den frühen 1990er-Jahren arbeitete Platzgumer in Los Angeles an Filmmusik. Seit 1999 ist er intensiv im Bereich Hörspiel (unter anderem für BR, SWR, NDR, ORF und Deutschlandradio) und Theater (unter anderem für das Nationaltheater Mannheim, die Münchner Kammerspiele, das Residenztheater München und das Schauspielhaus Dresden) aktiv. Er hat Musik zu Texten von u. a. Marcel Proust, Henrik Ibsen, Albert Ostermaier, David Harrower, Roland Schimmelpfennig, William Shakespeare, Anton Tschechow, Theresia Walser, Kathrin Röggla, Falk Richter oder Paulus Hochgatterer gemacht. Dabei handelt es sich meist um digitale Soundscapes mit atmosphärischer Wirkung, ab 2005 zeigt sich jedoch auch hier verstärkt ein Einsatz klassischer Instrumente wie Klavier, Ziehharmonika, Mandoline oder Gitarre sowie exotischer Instrumente wie Oud oder Kora. Einige seiner über 70 Soundtracks sind auch auf CD erschienen und mit Preisen ausgezeichnet worden. Mit dem Autor Albert Ostermaier, dem Videokünstler Georg Gaigl sowie den Regisseuren Ulrich Lampen und Burkhard C. Kosminski verbindet ihn eine regelmäßige Zusammenarbeit.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Platzgumer, Hans |
| ALTERNATIVNAMEN | Seperator, Der; Platzgummer, Hans (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Musiker |
| GEBURTSDATUM | 1969 |
| GEBURTSORT | Innsbruck |