| RUAG International Holding AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1998 |
| Sitz | Bern, |
| Leitung | Rainer Schulz (VR-Präsident) André Wall (CEO) |
| Mitarbeiterzahl | 1813 (2024) |
| Umsatz | 495 Mio. CHF (2024) |
| Branche | Luft- und Raumfahrttechnik und Rüstungsindustrie |
| Website | www.ruag.com |
| Stand: 31. März 2024 | |
Die RUAG International Holding AG ist ein Schweizer Technologiekonzern mit Sitz in Bern. Sie ist hauptsächlich in den Märkten Luft- und Raumfahrt und Rüstung tätig.
Die Holding RUAG entstand aus den ehemaligen Unterhalts- und Produktionsbetrieben der Schweizer Armee. Auf Grund der Neutralität der Schweiz und der dabei akuten Gefahr, in Spannungszeiten keine Rüstungsgüter im Ausland beschaffen zu können, baute die Schweiz ab 1863 eine eigene Industriebasis für die Armee auf. Dies waren die Eidgenössische Munitionsfabrik Thun und die Eidgenössische Munitionsfabrik Altdorf, die Eidgenössische Waffenfabrik Bern, die Eidgenössische Konstruktionswerkstätte in Thun, ab 1943 das Eidgenössische Flugzeugwerk in Emmen, die Pulverfabriken Wimmis und Aubonne sowie weitere dem Militärdepartement unterstellte Betriebe.
Der Fall der Berliner Mauer 1989 und das Zusammenbrechen des Eisernen Vorhangs führten in der Schweiz zur Armeereform «Armee 95» mit sinkenden Mannschaftsbeständen, zudem wurde das Budget des Eidgenössischen Militärdepartements (EMD) deutlich verkleinert. Zu spüren bekamen dies entsprechend auch die Industriebetriebe der «Gruppe Rüstung» des EMD, bei denen das Auftragsvolumen stetig sank. In der Botschaft vom 16. April 1997 zu einem «Bundesgesetz über die Rüstungsunternehmen des Bundes» (BGRB) stellte der damalige EMD-Vorstand, Bundesrat Adolf Ogi, einen Gesetzesentwurf vor, der im Wesentlichen die Ausgliederung und Umwandlung der unselbständigen öffentlich-rechtlichen Bundesbetriebe in privatwirtschaftliche Aktiengesellschaften erlauben sollte. Damit würde den Betrieben neu der internationale Markt offenstehen. Das Geschäft wurde am 10. Oktober 1997 von beiden Parlamentskammern angenommen, und das BGRB trat am 1. Mai 1998 in Kraft, womit das Projekt «RüstungsUnternehmen-AktienGesellschaft» (RUAG) in Angriff genommen wurde.
Das Unternehmen wurde am 27. Mai 1998 unter dem Namen RUAG Schweiz AG im Handelsregister Bern-Mittelland eingetragen. Vom Militärdepartement, welches per 1. Januar 1998 in Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) umbenannt worden war, wurden vier Produktionseinheiten gebildet, ausgelagert und in Aktiengesellschaften umgewandelt:
Die vier operativen Rüstungsunternehmen wurden mit Publikation vom 2. Juli 1999 im Handelsregister, rückwirkend per 1. Januar, von der RUAG Schweiz AG übernommen. Im Mai 2001 erhielt die RUAG Schweiz AG ihren Namen RUAG Holding AG und erstmals eine neue Konzernstruktur, in welcher die SE zu RUAG Electronics, SF zu RUAG Aerospace, SW zu RUAG Land Systems und SM zu RUAG Munition wurden.
In Oberpfaffenhofen übernahm RUAG 2003 den zivilen und militärischen Betreuungsbereich der ehemaligen Dornier Luftfahrt GmbH. Sie betreute dort als RUAG Aerospace Services unter anderem das Hubschrauberbaumuster Bell UH-1D der Bundeswehr und produzierte das zweimotorige Turbopropflugzeug Dornier 228 NG. Im Unternehmensbereich RUAG Technology Structures werden verschiedene Strukturbaugruppen vor allem für das Verkehrsflugzeug Airbus A320 hergestellt.
2008 übernahm RUAG vom schwedischen Konzern Saab den Raumfahrtbereich Saab Space und das österreichische Tochterunternehmen Austrian Aerospace, 2009 Oerlikon Space von OC Oerlikon. Sie firmierten danach unter den Namen RUAG Space AB (Schweden) bzw. RUAG Space GmbH (Österreich) oder RUAG Space als Teil der RUAG Schweiz AG (Schweiz). 2013 wurden die für die Hauptaufgaben nicht unbedingt notwendigen Bereiche der Metallbearbeitung und Oberflächenbearbeitung veräussert und die Division in RUAG Aerostructures umbenannt.
RUAG Defence entstand aus der Zusammenlegung der bisherigen Divisionen Land Systems und Electronics. Im März 2012 übernahm die RUAG von Ascom dessen Bereich Defence Communication; im Herbst 2013 übernahm sie die französische GAVAP und schloss sie dem Bereich Training und Simulation der RUAG Defence an.
Aufsehen erregte die im Bereich Sicherheit tätige RUAG durch einen seit 2014 laufenden und 2016 bekannt gewordenen Hackerangriff auf ihr IT-System und damit das der Bundesverwaltung. Eine Folge davon war die am 28. Juni 2018 vom Bundesrat gutgeheissene Entflechtung der nationalen Tätigkeiten von einer bis 2021 zu bildenden RUAG International.
Im Juli 2019 wurden die auf Geschäftsreiseflugzeuge bezogenen Standorte an den Flughäfen Genf und Lugano an Dassault Aviation veräussert. Am 30. September 2020 wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, dass alle Geschäftstätigkeiten rund um Wartungsarbeiten für Privatflugzeuge und militärische Luftfahrzeuge als auch die Herstellung und der Unterhalt der Dornier 228 inklusive 450 Mitarbeitern an die General Atomics Europe verkauft werden. Der Geschäftsbereich Aerostructures mit rund 800 Mitarbeitern verblieb bei der RUAG.
Aus der Entflechtung entstand 2020 die RUAG AG. Die RUAG Holding beschloss den Namenswechsel zu RUAG International Holding. Im März 2022 wurde bekannt, dass RUAG Ammotec, unter Vorbehalt der regulatorischen Genehmigungen, an Beretta veräussert werden solle. Im Juli 2023 wurde bekannt, dass die RUAG Aerostructure-Geschäftsbereiche in Deutschland und Ungarn an Mubea verkauft werden sollten. Im Verlauf des Jahres 2024 sollte Ruag Aerostructures Schweiz mit Sitz am Militärflugplatz Emmen mit rund 230 Mitarbeitern von Pilatus Aircraft übernommen und ausgebaut werden. Gemäss den strategischen Zielen des Bundesrates sollte sich Ruag International auf das Weltraumgeschäft um Beyond Gravity konzentrieren.
Die RUAG Holding ist die Dachgesellschaft der RUAG-Tochterunternehmen im In- und Ausland. Die Gruppe ist hauptsächlich in den zwei Marktsegmenten Aerospace und Defence aktiv, wobei stets auch andere Märkte mit technologisch abgeleiteten Produkten und Serviceleistungen bedient werden.


Die RUAG International hat unter anderem folgende Produktionsstätten und Standorte:
Zusätzlich gibt es RUAG-Standorte in Belgien, England, Finnland, Italien, Malaysia und den VAE.
Koordinaten: 46° 57′ 58,5″ N, 7° 27′ 19,7″ O; CH1903: 601281 / 201688